In Bornholm, Dänemarks sonniger Ostseeinsel, treffen schroffe Granitklippen auf weiße Sandstrände. Im Sommer ist die kleine Insel, die von der Fläche her kleiner als Hamburg ist, ein wahres Paradies – mit einem ulkigen Imageträger.
Inhaltsverzeichnis
Bornholms Maskottchen: ein frecher Troll
Dem frechen Kerlchen kann in Rønne und dem Rest von Bornholm keiner entgehen. Verschmitzt grinst das Maskottchen des Eilandes von T-Shirts und Taschen herab, ziert Poster und Pantoffel. Als Kuscheltier spendet der Bengel mit Knollennase und buschigem Schwanz den Kleinsten Trost. Als Gartenzwerg begeistert der Strolch mit der einzelnen Haarlocke auf dem Haupt die Großen.
Krølle-Bølle, sozusagen die Miniaturausgabe eines norwegischen Trolls, ist unverzichtbar – als Figur gruseliger Geschichten, als beliebtes Souvenir der Sonneninsel und als Namensgeber für die unverschämt leckere Kalorienbombe namens Softeis, die in jedem Ort zwischen Sandvig und Dueodde geschleckt wird.
Selbst auf die Ampeln der Inselhauptstadt hat es der Lümmel mit den beiden Teufelshörnchen geschafft. Angeblich lebt er mit seinen Eltern unter dem Langebjerg nahe der Burgruine Hammershus und treibt nach Mitternacht, nach dem dritten Eulenruf sein Unwesen. Was den Mainzern ihre Mainzelmännchen sind, das ist Krølle-Bølle für die beliebte Urlaubsinsel, die 40 Kilometer von der schwedischen Küste in der Ostsee dümpelt.
Rønne: die Inselhauptstadt im Südwesten
Rønne ist ein schmuckes Städtchen. Eine stolze Kirche nebst strahlend-weißem Leuchtturm als Nachbar, die fotogen über dem Hafen thronen; ein Geflecht aus kopfsteingepflasterten Gassen und Straßen sowie kunterbunte, meist eingeschossige Häuschen, vor denen in den Sommermonaten ein Meer aus roten, gelben und pinken Stockrosen blüht und die wie Elfen in der leichten Brise tanzen.
Knapp 14.000 Menschen zählt die alte Handelsstadt in der Südwestecke des Eilandes, die für die meisten Besucher der erste Anblick von Bornholm ist. Denn hier kommen die Fähren aus Dänemark, Schweden und Deutschland an.
Touristenansturm im Juli und August
Im Juli und August steigt die Zahl von 40.000 Insulanern schnell auf das Doppelte, gilt die Insel mit ihrer reichen Kultur, der abwechslungsreichen Topograpie und den geradezu karibisch anmutenden Stränden doch als beliebtes Ferienziel. Richtig voll, gar trubelig wird es selbst dann nicht, weil auf Bornholm selbst Geschwindigkeitsfanatiker zu Langsamkeitsfetischisten mutieren.
Denn auf dem 588 Quadratkilometer großen Eiland ist wie überall in König Frederiks Reich Hygge angesagt. Das ist jenes dänische Lebensgefühl, das für Gemütlichkeit, Geborgenheit und das bewusste Genießen schöner Momente im Kreis lieber Menschen steht.
Bornholm: ein Paradies für Outdoorfans
Dänemarks östlichster Außenposten, über dem seit 1658 der rot-weiße „Dannebrog“ weht – sieht man einmal von der kurzen deutschen Besatzung während und der russischen „Befreiung“ nach dem Zweiten Weltkrieg ab – ist ein wahres Dorado für Outdoorfans.
Wanderer zieht es zu geheimnisvollen Zauberwäldern oder zu dramatischen Klippen. Kajakfahrer paddeln zu versteckten Felsbuchten oder winzigen Schären. Radfans schwingen sich auf den Satteln und strampeln über die 105 Kilometer lange Königsroute.
Über 230 Kilometer Radwege schlängeln sich durch frisch bestellte Felder und stille Moorlandschaften, queren das waldreiche Herz der Insel mit dem 162 Meter hohen Rytterknægten und verlieren sich in den endlosen Dünen von Dueodde, wo der Sand so fein und schneeweiß ist, dass er einst durch Sanduhren rieseln durfte.
Weiß gekalkte Rundkirchen mit meterdicken Mauern liegen am Wegesrand, mehr uneinnehmbare Festung, denn friedliches Gotteshaus. Jungsteinzeitliche Ganggräber und meterhohe Menhire, in denen die Altvorderen die Heimstätte der Trolle vermuteten, bieten sich für Pausen an.
Bornholm: das Beste von Skandinavien
Als der Schöpfer bei der Erschaffung Skandinaviens noch etwas Material übrig hatte, warf er es kurzerhand ins Meer und gestaltete damit diesen göttlichen Flecken mit von Wellen umpeitschten Klippen, dunklen Wäldern und endlosen Sandstränden.
Die wirkliche Entstehungsgeschichte ist weniger prosaisch: Der Brocken aus Granit und Gneis, Sandstein und Schiefer ist das Resultat von tektonischen Plattenverschiebungen, vulkanischer Aktivität, Sedimentablagerungen und eiszeitlichen Gletschern. Deshalb gilt Bornholm als eine Art „Best of Scandinavia“.
Im Norden, wo das Schutzgebiet Hammerknuden wie eine Speerspitze zum nahen Schweden zeigt, türmen sich schroffe Granitfelsen zu einer rauen Küste auf. Im Süden streift die Heide dem Land einen Mantel in Violett über, so als wolle sie im Spätsommer mit dem leuchtenden Blau des Himmels und dem hellen Weiß der Strände konkurrieren. Kein Wunder, dass Maler schon früh das Eiland für sich entdeckten, deren besonderes Licht und das Spiel der Farben.
Hammershus: Heimstatt der Trolle
Motive gibt es genug, wie beispielsweise die Mauern von Hammershus, wo der König der Unterwelt in Höhlen hausen soll. Nordeuropas größte Burgruine ist und bleibt Bornholm größte Touristenattraktion. Sie wird jedes Jahr von knapp einer halben Million Menschen besucht.
Wie ein Adlerhorst erhebt sich die imposante Feste über den Fluten. Hätte Shakespeare seinen rachsüchtigen Hamlet nicht in Schloss Kronborg bei Helsingør angesiedelt, das alte Gemäuer auf dem 74 Meter hohen, steil aufragenden Felssporn wäre die perfekte Kulisse für die Tragödie um Sein oder Nichtsein.
Königstochter in Hammershus inhaftiert
Doch auch ohne diese dichterische Adelung erzählen die mit Blut getränkten Mauern Geschichten:
♦ von machthungrigen Erzbischöfen im schwedischen Lund
♦ von geldgierigen Hanse-Kaufleuten
♦ und berühmten Gefangenen – darunter die Königstochter Leonora Christine und ihr Ehemann, die wegen Landesverrats und Hexerei inhaftiert waren. Mittels eines Bettlakens gelang dem Paar die Flucht aus dem Kerker im fünften Stock des Mantelturmes. Allerdings stellten Wachen die Geflüchteten.
Wer am späten Nachmittag die Ruine besucht, wenn die untergehende Sonne die mächtigen Steinquader in ein goldenes Licht taucht, glaubt gar das Trampeln der Pferde, das Geschrei der Kaufleute und das Klirren der Schwerter zu hören.
Wisente im Forst von Almindingen
Nicht die einzige Begegnung der übersinnlichen Art: Der Forst von Almindingen, mit etwa 3.800 Hektar eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Dänemarks, jagte schon den Ahnen Angst ein, weil sich hinter jedem bizarr geformten Baum, hinter jedem moosbepackten Findling ein Troll verstecken könnte.
Heute muss man inmitten kleine Hügel und Täler, zwischen versteckten Waldseen und Mooren eher mit tierischen Erscheinungen rechnen. Denn vor einem guten Dutzend Jahre wurden Wisente aus polnischen Nationalparks auf der Ostseeinsel angesiedelt, die sich schnell eingelebt und für Nachwuchs gesorgt haben.
Riesige Schilder warnen vor den schnaubenden Huftieren, die sich meist im Unterholz verstecken. Doch gelegentlich trotten sie seelenruhig über die Straße und sorgen für erhöhten Puls bei den Autofahrern.
Trailcenter für Sportliche
Den bekommt man auch, wenn Mountainbiker mit einem Affenzahn durch die waldreiche Mitte der Insel düsen. „Schuld“ ist das vor einem Jahr eröffnete Trailcenter unweit des Rytterknægten, dessen aus Granitsteinen errichteter Aussichtsturm mit dem Slogan „Aussicht vom höchsten Punkt Dänemarks” lockt.
Svaneke: Dänemarks schönste Kleinstadt
Wem nach so viel Natur der Sinn nach etwas städtischem Flair steht, den zieht es nach Gudhjem und Svaneke, den beiden fotogenen Perlen an der Ostküste. Letztere gilt nicht nur als schönste Kleinstadt Dänemarks, sondern als Zentrum der Künstler und Kunsthandwerker. Hier toben sich kreative Geister in unzähligen Werkstätten mit Glas, Leinwand, Ton, Stoff oder Edelmetall aus.
Vom kleinen gemütlichen Hafen führen schmale Gassen zum Marktplatz, vorbei an historischen Fachwerkhäusern und idyllischen Hinterhöfen. Dort finden Genussmenschen ihr Dorado vor – sei es in Form von Bonbons, Schokolade oder Softeis, das mit Lakritzstreusel garniert wird.
Ein Hering macht Karriere
Zum kulinarischen Pflichtprogramm zählt natürlich ein echter „Bornholmer“: Die Heringe aus den traditionellen Räucherstuben, deren schwarze Schornsteine wie umgedrehte Trichter aussehen, sind neben den duftenden Zimtschnecken die berühmteste Delikatesse Bornholms. Echte Kerle greifeln lieber zu den preisgekrönten Spirituosen der Wild Distillery.
Die hochprozentigen Stöffchen passen perfekt zum Nationalgericht der Bornholmer, das jedes Jahr mit einem Food-Festival gefeiert wird: Sol over Gudhjem, zu deutsch Sonne über Gudhjem.
Der kleine Ort mit heute nicht einmal 800 Bewohnern ist die älteste Hafenstadt Bornholms und war bereits im Mittelalter Dreh- und Angelpunkt für den Heringshandel im Ostsee-Raum. Die ersten Exemplare, so will es die Historie, wurden hier bereits 1886 geräuchert.
Der Heringsmarkt, Höhepunkt der alljährlichen Fangsaison, ist zwar verschwunden. Geblieben aber ist die kulinarische Verbeugung vor dem Speisefisch, den man in allerlei Variationen in jeder Fischräucherei auf Bornholm genießen kann.
Für die bekannteste Version wird der Bückling mit Radieschen, Zwiebelringen, Schnittlauch und grünem Salat auf einer Scheibe Roggenbrot platziert. Als Clou kommt die „Sonne“ in Gestalt eines rohen Eigelbs drauf. Fertig ist das Smørrebrød, das mit einem kühlen Blonden aus dem Svaneke Bryghus noch besser schmeckt.
Ein paar Impressionen aus Rønne
Food-Festival mit Bornholmer Erzeugnissen
Die frisch geräucherten, gold glänzenden Heringe sind eine wichtige Zutat des Food-Festivals, aber beileibe nicht die einzige. Was als Kochwettbewerb von vier dänischen Spitzenköchen begann, hat sich längst zum Schlemmerland für bewusste Genießer gemausert.
Dabei stehen Produkte von der Insel im Mittelpunkt: der Durum-Weizen, natürlich hundertprozentig ökologisch, Fisch, Muscheln und andere Meeresfrüchte aus der Ostsee sowie der Danablu der Genossenschaftskäserei Andelsmejeri. Er errang gleich zweimal den Weltmeistertitel für Käse.
Und womöglich begegnen Leckermäulchen auch jenem Kraut, das man überall auf der Ostseeinsel findet und das den meisten Zeitgenossen vor allem in Form von schwarzen Schnecken bekannt ist: der Echte Süßholz. Aus ihm wird nicht nur Lakritz hergestellt. Die Pflanze mit der gesundheitsfördernden Wirkung eignet sich auch bestens dafür, einen Gin oder Vodka aufzupeppen.
Was du über Bornholm wissen musst
Anreise: Der einfachste Weg von Deutschland nach Bornholm fährt in den Sommermonaten über Rügen. Die Reederei Bornholmslinjen fährt in drei Stunden und 20 Minuten von Sassnitz nach Rønne. Das günstigste Ticket für die einfache Fahrt gibt es ab 699 dänischen Kronen.
Die gleiche Reederei bietet zudem Verbindungen nach Køge und nach Ystad in Schweden an. Køge liegt nur wenige Kilometer von Kopenhagen entfernt. Von dort dauert die Überfahrt fünf Stunden und 30 Minuten.
Übernachten: Bornholm ist die Insel der Ferienwohnungen und -häuser. Rund 2000 gibt es; in der Hochsaison werden sie nur wochenweise vermietet. Wer rechtzeitig bucht oder die Monate Juli/ August umgeht, kann sogar einen Urlaubstraum in direkter Meerlage ergattern. Zudem gibt es etliche Hotels, die vor allem in der Nebensaisaon mit günstigen Pauschalen locken. Eine weitere Alternative sind die Handvoll Jugendherbergen. Der erforderliche Jugendherbergsausweis wird beim Check-In ausgestellt.
Noch mehr Inselfeeling in der Ostsee gefällig? Wie wäre es mit dem Schärenparadies Aland?