Bruder auf Achse

Das indische Darjeeling: Teegärten, Trekking und der Toy Train

Die indische Hillstation Darjeeling mit dem Kangchendzönga im Hintergrund

Die Reise in die Wolken, in die grünen Hügel Darjeelings, beginnt in der schweißtreibenden Hitze der nordindischen Tiefebene. Bagdogra ist für indische Verhältnisse kaum mehr als ein Dorf, doch dafür besitzt es den einzigen internationalen Flughafen der Region. Ein Airport, der so überschaubar, so nüchtern und karg ist, dass ich mich unwillkürlich frage, ob unser Gepäck aus Frankfurt über Dehli tatsächlich angekommen ist. Die Sorge stellt sich als unbegründet heraus. Der Tour in die einstige Sommerfrische der Briten steht nichts im Wege.

Abenteuerliche Fahrt nach Darjeeling

Draußen wartet schon unser Fahrer, ein schweigsamer Typ mit Vorliebe für alle Gottheiten, die der Subkontinent aufbieten kann. Am Spiegel baumelt der populäre Ganesha, der Typ mit den vielen Armen und dem Elefantenkopf, der ein begnadeter Tänzer und flinker Liebhaber gewesen sein soll. Vom Armaturenbrett blickt Buddha mit gutmütigem Blick auf die Insassen herab. Die tun so viel göttlichen Beistand innerlich als abergläubische Folklore ab. Ein paar Stunden später sind wir heilfroh, dass irgendwelche übersinnlichen Mächte am Werk sind, die uns in allerletzter Sekunde vor wild gewordenen Hobby-Rallye-Piloten gerettet haben.

Blick auf Darjeeling im Nordosten Indiens.
Das ist unser Ziel: Darjeeling im Nordosten Indiens, wo die Achttausender des Himalaya schon ganz nahe sind.

Auto oder Zug?

Die Fahrt aus der dampfenden bengalischen Tiefebene nach Darjeeling auf knapp 2200 Meter hat es in sich. Noch hat der einstige Erholungsort für britische Kolonialbeamte und Offiziere keinen Flughafen, so dass nur zwei Transportmöglichkeiten bleiben: die kurvenreiche, teilweise halsbrecherische Fahrt mit dem Auto oder der 88 Kilometer lange Trip mit jenem Botschafter aus der glanzvollen Eisenbahn-Ära, der voller Stolz den Spitznamen Toy Train trägt.

Halsbrecherische Überholmanöver

Wir haben uns für die Autofahrt entschieden, weil acht bis zehn Stunden in überfüllten, schweiß-geschwängerten Abteilen selbst den größten Eisenbahnfan abschrecken und verschüttete Gleise beim Spielzeugzug an der Tagesordnung sind. Wer kann schon ahnen, dass die T-Shirts am Ende der Autofahrt ebenfalls nassgeschwitzt sein werden –wegen halsbrecherischer Überholmanöver, Schwindel erregender Abgründe und furchtloser Affenhorden, die Auslöser für Nerven strapazierende Brems-Praktiken sind.

Im Reich des „Champagners unter den Teesorten“

Mal abgesehen von der furchteinflößenden Strecke und der wilden Fahrweise der Einheimischen: Die Landschaft im Reich des „Champagners unter den Teesorten“ ist einfach atemberaubend, wenn die staubige bengalische Tiefebene hinter einem liegt. Nie wieder werde ich gedankenlos das belebende Getränk konsumieren, weil sich diese Bilder in meinen Erinnerungen eingenistet haben.

Teegarten nahe Darjeeling in Indien.
Die Arbeit in den Teegärten ist Aufgabe der Frauen. Aus Darjeeling kommt der „Champagner der Tees“.

Kunstvolles Gewand aus sattem Grün

Abermillionen wagenradgroßer Teebüsche klettern die Hügel hinauf, rollen Bergflanken hinab, erobern flaches Gelände. In Reih und Glied stehen sie da, akkurat gestutzt wie die Buchshecke im fürstlichen Rokokogarten. Sie haben der Natur ein kunstvolles Gewand aus sattem Grün verpasst, die Landschaft mit einem Gitternetz überzogen, dessen Linien breit genug sind für die hart arbeitenden Teepflückerinnen. Nur Frauen scheinen das nötige Feingefühl zu haben, mit flinken Fingern die Knospe und die zarten Blätter zu pflücken. Alles landet im Korb auf dem Rücken, der an einem Trageriemen an der Stirn hängt. Die leuchtenden Saris sind die einzigen Farbkleckser in diesem dichten grünen Teppich. Er zeugt vom Willen des Menschen, die Natur nach seinem Willen zu formen.

Ein Schotte als Geburtshelfer

Es soll ein Schotte gewesen sein, der 1859 im Auftrag der East India Company die ersten aus China importierten Teebüsche im Nordosten Indiens pflanzte – zumindest deutet der Name der Glenburn Tea Estate auf diese Geburtshilfe hin. Wenn Nebelschwaden durch Teegärten, Bambus- und Zypressenwälder wabern, Wolken die Bergflanken verhüllen, fühlt man sich prompt an die weit entfernten Highlands erinnert; der Landstrich wirkt irgendwie verzaubert. Die Teebüsche gedeihen prächtig in diesem milden, regenreichen Klima und bescheren den Teearistokraten reiche Ernte. Der First Flush – ein goldgelber, blumiger Tee – wird im Frühjahr geerntet. Der Second Flush folgt im Juni und Juli. Er ist dunkler in der Farbe und kräftiger im Aroma.

Häuser in Darjeeling in Indien

Blick auf Darjeeling in Indien
Darjeeling: Die Briten erkoren die Hill-Station auf knapp 2200 Meter zu ihrer Sommerfrische.

Das pralle Leben in Darjeeling

Als wir nach mehreren Stunden Fahrt Darjeeling erreichen, schmerzt so ziemlich jeder Knochen. Dafür empfängt uns die einstige Sommerfrische der britischen Kolonialherren mit prallem indischen Leben, das wie die Meeresbrandung über uns hereinbricht. Es ist der altbekannte Mix aus Gedränge, Geschubse und Gehupe, Indiens kakofone Melodie, die mich entzückt und gleichermaßen entsetzt.

Ein Strom aus Leibern flankiert die Kolonne aus Fahrzeugen. Schuster, Bartschneider, Friseure, Lastenschlepper und Lumpensammler werkeln am Straßenrand. Verwahrlostes Getier sucht in Bergen aus Abfall nach etwas Fressbarem. Über allem liegt eine Geruchswolke aus Dieselabgasen, gärigem Müll und menschlichen Ausscheidungen. Kaum weniger strapazierend für den Hörnerv: der Soundbrei aus knatternden Motoren, indischer Dudelmusik aus dem Radio und den Sprachfetzen der Marktschreier in Schnellfeuermanier.

Verkaufsstand im indischen Darjeeling.
Verkaufsstände wie dieser finden sich überall in der Stadt.

Am „Platz des Donners“

Womöglich wäre der Ort, dessen Name eine Verballhornung der ursprünglichen Bezeichnung „Dorje Ling“ (Platz des Donners) ist, ein unbedeutender Fleck im einstigen Königreich Sikkim geblieben. Doch dann entdeckten die Briten die abgelegene„Hill-Station“, erkannten deren Nutzen für die Gesundung verwundeter Soldaten und schwatzten Sikkims König den schmalen Grat für ’n Appel und ’n Ei ab.

Den Rekonvaleszenten folgten schon bald die Erholungssuchenden, die die Gluthitze Kalkuttas liebend gern gegen das milde Gebirgsklima tauschten. Jeden Sommer füllte sich das Himalaya-Städtchen mit seinem viktorianischen Anstrich mit Beamten, Soldaten und Teebaronen, neben Lehrern, Händlern und Handwerkern, die die Exklave zum Funktionieren brauchte.

Nicht indisch, aber auch nicht britisch

Darjeeling ist eine Anomalie, nicht wirklich indisch, aber auch nicht mehr britisch. Steil – als seien es Startrampen für Drachenflieger – fallen die Bergflanken gen Süden ab. Tollkühn – als hätten Schwalben hier ihre Nester gebaut – klammern sich die bunten Häuser an den Fels. Wie Legosteine wurden sie an die Hänge gestapelt, unterbrochen nur durch aberwitzig steile Gassen, die höchste Fahrkünste erfordern, und ungepflegte Sportfelder, wo Cricketbälle auf Nimmerwiedersehen in der Tiefe verschwinden.

Die Hinterlassenschaften der Briten: die etwas vergammelte Kirche St. Andrews…
… und das Rathaus mit der Weltkugel auf dem Uhrturm.

Der Westminsterschlag im Himalaya

Dazwischen: die Hinterlassenschaften der Briten, Botschafter einer Epoche, als der Subkontinent noch keine aufstrebende Wirtschaftsmacht war, sondern Prunkstück des Empire, geformt aus roher Gewalt und britischem Lebensstil, geprägt von wohlmeinenden Ideen und verfehlten Idealen. Als sei Victorias Weltreich noch immer präsent trotzen die Relikte jener Zeit indischem Herrschaftsanspruch und pfeifen auf Vergänglichkeit.

Vom Rathaus, von dem zu jeder vollen Stunde der Westminsterschlag von Tonband ertönt, sind es nur ein paar Schritte zur Kirche St. Andrews aus grauem Granit, auf deren Dach die ersten Bäumchen sprießen. Der Uhrturm mit seinem filigranen Geländer wurde aus dem Mutterland herbeigezaubert. Und im verspielten Art-déco-Ambiente des legendären Planters` Clubs, einst Heimstatt des gesellschaftlichen Lebens, sind die Teebarone beim Schmauchen teurer Zigarren unter sich. Da hilft auch kein Bitten und Betteln am Eingang: Die getäfelten Räume, wo Tigerköpfe an der Wand hängen sollen, bleiben uns verschlossen.

das Heritagehotel "Elgin" im indischen Darjeeling
Eines der Heritage Hotels in Darjeeling: das Elgin

Heritage Hotels in Darjeeling

Zum Trost quartieren wir uns in einer jener feudalen Herbergen ein, die bis in jede Mauerritze mit Geschichte getränkt sind. Windamere, Mayfair und The Elgin heißen die Heritage Häuser, wo Plüschsofas und Standuhren, offene Kamine und der unvermeidliche Five O’Clock Tea eine Reminiszenz an das Mutterland sind. Einst war das 1887 erbaute, schneeweiße Elgin mit seinen verspielten Holzschnitzereien die Sommerresidenz eines echten Maharadschas. Heute lassen sich Touristen von Angestellten ins pseudokolonialen Fantasieuniformen über das noble Treppenhaus und verschlungene Gänge zu ihrem Zimmer geleiten.

das Heritagehotel "Elgin" im indischen Darjeeling

das Heritagehotel "Elgin" im indischen Darjeeling

das Heritagehotel "Elgin" im indischen Darjeeling
Wohnen wie ein Maharadscha – mit Five O´Clock Tea.

Salons mit Zeugnissen der Kolonialzeit

Die Salons sind voll mit Zeugnissen der Kolonialzeit. Sofas und Sessel sind in dezentem Rostrot bezogen. Vor dem Spiegel in antikem Rahmen brennen Kerzen auf silbernen Leuchtern. Die Waschräume gleichen einer Orgie aus Marmor, und im Salon mit seinen funkelnden Kronleuchtern geht es so britisch steif zu wie in Downton Abbey.

Vergilbte Fotos an den weiß gestrichenen Wänden zeigen schneidige Burschen bei der Löwenjagd. Daneben präsentieren steife Damen ihre Hutkreationen, die für Ascot passend wären. Eine Fotografie zeigt die New Yorker Society-Größe Hope Cook, den einstigen Liebling der Regenbogenpresse.

An einer Hotelbar in Darjeeling, wo auch Prinz Peter von Griechenland und Peter Ustinov becherten, lernte sie den letzten Kronprinzen von Sikkim kennen und lieben. Ihre Hochzeit lockte Prominente und Journalisten in Scharen in Indiens exotische Ecke. Glücklich wurde die Ehe mit dem „Göttlichen Herrscher“ aus dem Himalaya nicht. Am Ende machte das Märchenpaar nur noch durch Drogen- und Alkoholexzesse von sich reden. Und zu guter Letzt annektierte Indien den Zwergenstaat, der heutzutage nur mit einem weiteren Permit bereist werden darf.

buddhistischer Tempel im indischen Darjeeling.

Buddhistischer Tempel in Darjeeling in Indien

Buddhistischer Tempel in Darjeeling in Indien
Buddhistische Tempel gehören zum Stadtbild.

Highlights in Darjeeling

Für das junge Paar aus England, das einige Tage auf dem Singalila-Kamm wandern war, ist das „Elgin“ der perfekte Kontrast zu den wenig komfortablen Nächten in einem Zelt. Wir haben weder Lust (wegen der dicken Regentropfen), noch Zeit (Bhutan wartet), Rucksack und Wanderstiefel zu schnüren. Stattdessen spazieren wir zum quirligen Chowstra Square, saugen gierig die Gerüche der Essensstände auf, wo allerlei Undefinierbares gegrillt, gekocht und gedünstet wird, und amüsieren uns über die Horden von Affen, die die bevölkerten Straßen als ihr Territorium betrachten.

Affenhorde auf den Straßen von Darjeeling in Indien
Sie sind überall in Darjeeling anzutreffen- Affenhorden.

Abstecher zum Tiger Hill

Am nächsten Tag stünde eigentlich der Abstecher auf den Tiger Hill zu unchristlicher Zeit auf dem Programm, mit knapp 2600 Metern der höchste Punkt der Gegend. Wer nicht den Sonnenaufgang an diesem markanten Aussichtspunkt gesehen habe, sei nicht in Darjeeling gewesen, heißt es reichlich reißerisch in einem Flyer. Ich gebe zu, dass mich solche Verlautbarungen eher skeptisch stimmen, denn Lobeshymnen führen zwangsläufig zu Massenaufläufen. Und zu viel Publikum macht jedes Naturschauspiel zunichte – siehe die Menschenmassen am australischen Uluru.

Naturspektakel im Menschengewühle

Unser indischer Guide bestärkt unsere Zweifel. „Ihr müsst spätestens um 3.30 los, sonst stehen wir im Stau und ihr in der letzten Reihe“, macht er unmissverständlich klar. Sich mit mehreren Dutzend Autos über die kurvenreiche, schmale Straße zum Tigerhill zu quälen, mit schnatternden Hühnern auf die aufgehende Sonne zu warten und im Menschengewühle hoffentlich freie Sicht auf die höchsten Gipfel der Welt zu haben, schreckt uns eher ab. Zumal die Wettervorhersagen mit Regen und Nebel nicht wirklich berauschend sind.

Beim Frühstück vernehmen wir, dass unsere Entscheidung die richtige war: Von wegen Everest im Westen, Kangchendzönga im Norden, sowie weitere Ehrfurcht gebietende steinerne Sekundanten; stattdessen Tropf, Tropf, Tropf und jede Menge tief hängender Wolken, die die steinerne Palisade verhüllten.

Lokomotive des Toy Trains am Bahnhof in Darjeeling in Indien.
Der Stolz Indiens: der Toy Train, der seit 130 Jahren aus der bengalischen Tiefebene nach Darjeeling fährt.

Schmucke Schmalspurbahn: der Toy Train

Gesehen haben wir den Kangchendzönga doch noch, bei der Fahrt mit dem Toy Train. 1881 fuhr der Spielzeugzug erstmals aus der bengalischen Tiefebene nach Darjeeling. Nur zwei Jahre hatte der Bau der waghalsigen Schmalspurbahn – Spurbreite 61 Zentimeter- gedauert. Zuvor hatte die Reise zum Erholungsort der Kolonialherren mehrere Tage in Anspruch genommen. Die Zugfahrt verkürzte sie auf ein knappes Dutzend Stunden.

Eine spuckende Rußschleuder

Mit der spuckenden Rußschleuder des Toy Trains durch diese Ecke Indiens zu rattern – und sei es nur von Darjeeling nach Ghoom mit einem der höchstgelegenen Bahnhöfe der Erde-, ist für Eisenbahnfans wie uns Pflicht. Auch wenn die knapp zweistündige Fahrt Nase, Ohren und Wirbelsäule strapaziert. Tapfer ächzt der Zug den Berg hinauf, gezogen von der 130 Jahre alten „Queen of the Hills“. Der schottische Import zischt, faucht und grollt, als wohne ein grimmiger Geist in seinen Kesseln. Die Waggons umgibt der Duft nach Schweiß. Und wer zu nah am geöffneten Fenster sitzt, sieht hinterher aus wie ein Schornsteinfeger.

die Gleise des Toy Trains im indischen Darjeeling.
Die Gleise des Toy Trains liegen direkt neben der Straße.

Stellenweise wie eine Straßenbahn

Das Relikt aus der Kolonialzeit mit dem niedlichen Spitznamen wirkt stellenweise wie eine Straßenbahn, wie die Lebensader eines Basars. Unverdrossen wechselt es die Straßenseite, zwingt hupende Autokolonnen zu unfreiwilligem Halt, rückt Häusern so sehr auf die Pelle, dass bei Passagieren das Gefühl aufkommt, sie würden bei den Anwohnern im (nicht existenten) Vorgarten sitzen.

Technisches Meisterwerk

Schon auf diesem kurzen Abschnitt wird klar, warum der Toy Train zum UNESCO-Welterbe zählt. Der Bau der 88 Kilometer langen Strecke durch unwegsames Gelände, über Bäche und entlang steiler Bergflanken war eine technische Meisterleistung, die einem heutzutage noch Respekt abverlangt. 2000 Höhenmeter muss der Toy Train insgesamt bewältigen, was aufgrund des steilen Terrains nach ungewöhnlichen Lösungen verlangte. In Zick-Zack-Kehren und sogenannten Loops, Kreiseln, schraubt er sich in die Höhe. Der berühmteste ist der Batasia Loop auf halber Strecke zwischen Darjeeling und Ghoom, wo der Zug für einige Minuten hält.

Tempel im indischen Ghoom.
Ghoom mit seinen Tempeln ist der höchstgelegene Bahnhof auf der 88 Kilometer langen Strecke des Toy Trains.

Darjeelings schönster Aussichtspunkt: der Batasia Loop

Zeit genug, um die Aussicht auf Mensch und Natur zu genießen: auf die „Sand-Boys“, die vorne auf der Lok sitzen und deren Aufgabe es ist, an besonders steilen Stellen Sand und Asche auf die Schienen zu streuen, damit die Räder nicht durchdrehen; auf die Lastenträger, die unter Gebirgen aus Holz, Pappe oder Gemüse verschwinden; auf die kahl geschorenen Mönche, die auf dem Weg zu einem der vielen buddhistischen Klöster sind, über denen Gebetsfahnen in weiß, gelb, rot und blau flattern.

Batasia Loop in Darjeeling, Indien
Blick auf den Batasia Loop: Sieben Meter Höhe gewinnt der Toy Train in diesem Kreisel.

Einen schöneren Aussichtspunkt als den Batasia Loop hat Darjeeling nicht zu bieten. Wenn man nach einer Erklärung sucht, warum die Briten ausgerechnet hier ihre Hill Station für urlaubsreife Kolonialisten aufbauten, dann liefert sie dieser Ort. Vom Menschen erbaute Terrassen zeichnen sich wie filigrane Höhenlinien in die Landschaft und verwandeln steile Abgründe in grüne Treppenstufen. Die bunten Häuser und Hütten verschmelzen mit subtropischer Vegetation. Weiße Nebelschwaden kriechen wie Krakenarme die Hänge hinauf, wälzen sich über alles und kapitulieren schließlich vor der Kraft der Sonne.

Blick auf den Kangchendzönga

Plötzlich ist er da: unfassbar groß und unfassbar schön, der Kangchendzönga, der dritthöchste aller Erdengipfel und der östlichste der Achttausender. Wie ein himmlisches Wesen thront der steinerne Wächter über der irdischen Kulisse, ein Gigant aus Gneis und Granit, Sehnsuchtsort und Pol der Unzugänglichkeit zugleich. Ein Diamant aus Eis und Schnee, der 1955 erstmals von britischen Bergsteigern bezwungen wurde.

Kontrast zwischen weiß und grün

Der „Slepping Buddha“ wie die Einheimischen den Triumphator nennen, scheint zum Greifen nah. Das schönste an diesem grandiosen Bild ist der Kontrast: zwischen dem blendenden Weiß des Himmelsstürmers mit dem Zungenbrechernamen und dem satten Grün zu seinen Füßen, zwischen überirdischem Götter-Pantheon und menschengemachter Idylle.

Das Bild zeigt den Blick auf Darjeeling mit dem Kangchendzönga im Hintergrund

Blick auf die indische Stadt Darjeeling mit dem Kangchendzönga im Hintergrund.,
„Sleeping Buddha“ nennen die Einheimischen den knapp 8600 Meter hohen Kangchendzönga

Die „Schatzkammer des großen Schnees“

Wir können uns gar nicht sattsehen an diesem friedlichen Bild: blühende Rhododendren im Vordergrund, dahinter der schneebedeckte Kangchendzönga vor stahlblauem Himmel. Doch nach einer Stunde macht die „Schatzkammer des großen Schnees“ die Pforten dicht. Wie auf Befehl ziehen Kulissenschieber die Vorhänge zu. Sie lassen Skkims größten Trumpf hinter einer grauen Wolken-Mauer verschwinden. Wir sind regelrecht berauscht, berauscht von der kühlen Luft, vom Geräusch der Gebetsmühlen, vom Anblick der weißen Gipfelpyramide. Nicht jedem wird dieses Schauspiel geboten. Wir hatten ganz einfach Glück. Glück, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein.

 Zoo von Darjeeling in Indien

Tiere im Zoo von Darjeeling in Indien
Der Zoo von Darjeeling ist ein beliebtes Ausflugsziel der Einheimischen, wo es Schneeleoparde und Rote Pandas zu sehen gibt.

 

Was du in Darjeeling nicht verpassen solltest....
Eines sollte man sich in Darjeeling auf keinen Fall entgehen lassen: den Besuch im Himalayan Mountaineering Institut, gegründet von Tenzing Norgay. Die Geschichte der Expeditionen auf den Mount Everest und den Kangchendzönga wird hier heroisch nacherzählt mitsamt Galerien berühmter Bergsteiger, darunter R. Messner und ein gewisser Harman Bhul. In dem Museum gibt es nicht nur die Ausrüstung zahlreicher Expeditionen zu sehen, ob erfolgreich oder gescheitert. Dort werden seit 60 Jahren auch künftige Achttausender-Aspiranten bei mehrwöchigen Kletterkursen geschult. Den meisten Besuchern werden die Ausstellungsräume genügen. Angesichts der Stoffrucksäcke und gestrickten Socken, mit denen sich Abenteurer auf den Weg machten, schüttelt so mancher ungläubig den Kopf. Gleich nebenan, im Padmaja Naidu Himalayan Zoological Park, bekommen wir jene tierischen Himalaya-Bewohner zu Gesicht, die wir in freier Natur nicht mal im Traum entdecken würden – Schakal und Schneeleopard, indischer Tiger und tibetischer Wolf, roter Panda und bellender Hirsch.
Reisen mit dem Toy Train: 88 Kilometer liegen zwischen New Jalpaiguri und Darjeeling. Allerdings sollte man sich im Vorfeld erkundigen, ob die gesamte Strecke befahren werden kann. Es kommt immer wieder zu Erdrutschen, und Reparaturen am Gleisbett dauern und dauern und dauern. Die Fahrt dauert zwischen acht und zehn Stunden, allerdings können es auch schon mal zwölf Stunden sein. In der teuersten Wagenklasse kostet der Fahrschein knapp 20 Euro. Die zuverlässigsten Informationen zu Fahrplan und Befahrbarkeit der Strecke gibt es auf den Internetseiten der Darjeeling Himalayan Railway. Online Tickets können über Indian Railways gebucht werden.Die meisten Reisenden fahren von Darjeeling nach Ghoom. Die Tickets werden am Fahrkartenschalter von Darjeeling verkauft, wobei die meisten Hotels beim Kauf behilflich sind. Kosten: ab zehn Euro pro Person.

Von Darjeeling sind wir nach Gangtok in Sikkim und nach Bhutan mit dem berühmten Tigernest-Kloster weitergefahren. Was wir auf dem dortigen Trekk erlebt haben, könnt ihr hier nachlesen. Wenn dir dieser Bericht gefallen hat, dann kommentiere fleißig und teile ihn auf deinen sozialen Netzwerken. Und wenn du weitere Tipps für diese Ecke hast, teile sie mir bitte mit. 

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