Bruder auf Achse

Vejer de la Frontera: Andalusiens schimmernde Perle

Blick auf Vejer de la Frontera in Andalusien, Spanien

Wusstest du, dass das spanische Vejer de la Frontera und das marokkanische Chaouen Partnerstädte sind? Wer sich beim Spaziergang durch eine der beiden Stadt an die jeweils andere erinnert, sieht die Ähnlichkeiten sofort. Eine romantische Liebesgeschichte verbindet die beiden Orte, die so malerisch sind, dass einem die Worte fehlen. Unterschiede gibt es lediglich bei den Farben. Während sich Vejer de la Frontera im Hinterland der sonnenverwöhnten Costa de la Luz in jungfräuliches Weiß kleidet, gilt Chaouen als blaue Stadt im Rif-Gebirge im Norden Marokkos. Schön sind sie beide.

 

Enge Bande nach Marokko

Der Mann, der die Klammer zwischen beiden Orten bildet, hieß Sidi Ali Ben Rachid. 550 Jahre lang stand Spaniens Süden unter maurischer Herrschaft und Christen und Muslime lebten friedfertig Seit` an Seit`. Liebschaften blieben nicht aus. Besagter Ben Rachid verlor sein Herz an eine gewisse Catalina Fernandez und sie wohl auch an ihn. Denn als ihr Gemahl nach Marokko flüchten musste, weil die Reconquista, die christliche Rückeroberung der iberischen Halbinsel, Form annahm, folgte sie ihm.

Romantische Liebesgeschichte

Hier beginnt die Gründungslegende von Chaouen. Denn Catalina, die den arabischen Namen Laila Zuhra angenommen hatte, wurde buchstäblich krank vor Heimweh nach Vejer de la Frontera. So baute ihr Gemahl die alte Heimatstadt im Rif-Gebirge nach – mit kleinen Straßen von unregelmäßiger Bauweise und weiß getünchten Häusern. Er vergaß nicht die architektonischen Besonderheiten der Berber, die das Paar aufgenommen hatten. Noch immer erinnert eine Gedenktafel im Schloss von Vejer an die beiden Liebenden, deren starkes Band die beiden Orte verknüpft. Seit 2000 sind Vejer de la Frontera und Chaouen deshalb Partnerstädte.

Vejer de la Frontera im Hinterland der sonnenverwöhnten Costa de la Luz

Vejer de la Frontera im Hinterland der sonnenverwöhnten Costa de la Luz

Vejer de la Frontera im Hinterland der sonnenverwöhnten Costa de la Luz
Ein Ort wie eine Filmkulisse – Vejer de la Frontera im Hinterland der Costa de la Luz.

Vejer: ein magischer Anblick

Wer sich Vejer de la Frontera mit dem Auto nähert, meist auf der Nationalstraße von Cádiz nach Malaga, ist erschlagen von diesem magischen Anblick. Wie ein weißes Sahnehäubchen thront eine der schönsten Städte Spaniens auf dem 190 Meter hohen Hügel; das wurde ihr 1978 mit Brief und Siegel bestätigt.

Ein Schloss überragt die Stadt

Meterhohe Stadtmauern künden von der Wehrhaftigkeit dieses Adlerhorstes. Das Schloss an höchster Stelle erzählt von jener Epoche, als Guzmán el Bueno als erbitterter Kämpfer für das Christentum Geschichte schrieb. Der Turm der Kirche Divino Salvador kratzt so hartnäckig am wolkenlosen Firmament, als könne ihn nichts erschüttern. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keinen Blick ins Innere geworfen.

Vejer de la Frontera im Hinterland der sonnenverwöhnten Costa de la Luz
Auf der Stadtmauer von Vejer…

Durch das Labyrinth der Gassen

Manuel Sanchez lebt seit einigen Jahren in Vejer. Eigentlich stammt der 41-Jährige aus Hannover und wollte sich nur ein Semester Auszeit in der Heimat der Eltern gönnen. Doch dann verliebte er sich in das verwinkelte Gassen-Labyrinth mit den schneeweißen, würfelförmigen Häusern und kehrte dem verregneten Deutschland den Rücken. Er habe es nie bereut, erzählt er, während er seine Gruppe in die Pasteleria Galvan führt. Die tartas vejeriegas sind weit über den Ort bekannt. Kalorienzählen verbietet sich allerdings angesichts der Rezeptur aus Mehl, Zimt, Zucker und Schweineschmalz.

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Blendend weiß strahlen die Häuser von Vejer de la Frontera; noch heller als in den übrigen weißen Dörfern Andalusiens. Kein dunkler Fleck stört den Gesamteindruck, kein bröckelnder Putz. Dabei gehören Vejer und das nicht minder schöne Conil gar nicht zur berühmten Ruta de Pueblos blancos wie beispielsweise Casares oder Cazorla. Der Grund für die ausstehende Adelung? „Beide Orte liegen zu nahe an der Küste“, erzählt Manuel.

Häuser in traditionellem Kalkgewand

Jedes Jahr rücken die Malerbrigaden in der Altstadt an, um den historischen Bauten das traditionelle Kalkgewand zu verpassen. Die weiß schimmernden Kleinode, eingebettet in goldgrüne Pinien-Haine, sind nicht nur wunderschön anzusehen. Die hellen Fassaden, dekoriert mit quietschbunten Blumentöpfen, sind der perfekte Schutz gegen die unerträgliche Sommerhitze Andalusiens. Zudem entzieht der Kalkanstrich dem Sandstein Feuchtigkeit. In der Neustadt von Vejer, die sich auf dem Nachbarhügel breitmacht, sind die Vorgaben etwas lockerer. Gestrichen werden muss dort nur alle sechs Jahre, meist mit Acrylfarben.

Vejer de la Frontera im Hinterland der sonnenverwöhnten Costa de la Luz
Die Häuser in der Altstadt Vejers werden jedes Jahr mit Kalk verputzt.

Vejer verzaubert: Das liegt nicht nur an den pittoresken Fassaden, vor denen riesige Blumenkübel farbige Akzente haben. Das Geviert rund um das von den Mauren erbaute Castillo gleicht einem scheinbar planlosen Labyrinth, aus engen verwinkelten Gassen und Treppchen, die Sonne, aber auch Wind nicht viel Angriffsfläche bieten.

Maurische Art des Städtebaus

Schmale Gassen steigen steil an, weiten sich zu heimeligen Plätzen mit ein paar Stühlen und Tischen, legen sich urplötzlich in Kurven, um danach nach unten zu streben. Diese maurische Art von Städtebau wirkt nur auf den ersten Blick chaotisch. Stattdessen ist sie wohldurchdacht und zweckmäßig. Einst sorgte das Gassengewirr dafür, „dass Angreifer nie schnell vorrücken konnten“, erzählt Manuel. Reizvoll ist der lebhafte Mix obendrein.

Vejer de la Frontera im Hinterland der sonnenverwöhnten Costa de la Luz
Kostbare Mosaike sind in den Häusern zu finden.

Innenhöfe als Garten Eden

Wer das Glück hat, einen Blick hinter die meist verschlossenen Türen werfen zu dürfen, fühlt sich wie in einem Garten Eden. An den Hauswänden hängt eine ganze Armada üppig bepflanzter Blumentöpfe. Auf den Fliesen stehen imposante Kübel und winzige Blechbüchsen, die neue Verwendung gefunden haben. Manchmal führt eine schmale Stiege aufs flache Dach, wo sich herrliche Ausblicke auf die terrakota-farbene Dachlandschaft Vejers ergeben.

Vejers schönster Platz: die Plaza España

Welches ist nun der schönste Flecken in dem andalusischen Städtchen, wo knapp 13 000 Seelen leben? Die monumentale Stadtmauer mit ihren Türmen und Bögen und dem hinreißenden Blick bis zum Blau des Meeres? Die Casa del Mayorazgo mit ihren blumenübersäten Innenhöfen? Die abgetakelten Windmühlen, die sich – längst außer Dienst gestellt – ihre Würde bewahrt haben? Oder doch die Plaza España?

die Plaza España in Vejer de la Frontea in Andalusien, Spanien

die Plaza España in Vejer de la Frontea in Andalusien, Spanien
Brunnen und Blumen schmücken die Plaza España.

Sie ist das Herz des Dorfes und das zweitschönste Fotomotiv des ganzen Ortes. Ihr Ursprung geht auf das 16. Jahrhundert zurück, als Vejer langsam über die Stadtmauer hinauswuchs. Einst fanden hier Stierkämpfe statt. Heute suchen Kinder in dem mit farbenfrohen Azulejos gekachelten Brunnen Abkühlung, während die Mütter im Schatten von Palmen ein Eis schlotzen. Das Rathaus ist gleich nebenan, ein paar hübsche Lokale, wo typisch andalusische Spezialitäten aufgetischt werden, ebenfalls.

Steinerner Bilderrahmen: der Arco de las Monjas

Das schönste Fotomotiv ist der Arco de las Monjas. Er fasst die Aussicht auf die Neustadt von Vejer wie ein steinerner Bilderrahmen ein. Das Motiv ist so spektakulär, dass Hobby- und Profifotografen sich gar nicht von diesem Spiel mit Licht und Schatten trennen können.

der Arco de las Monjas in Vejer de la Frontera in Andalusien, Spanien
Beliebtes Fotomotiv: der Arco de las Monjas.

Was die meisten nicht wissen. Seine Existenz verdankt der massive steinerne Bogen einer Naturkatastrophe, die 1773 Vejer und die umliegenden Dörfer heimsuchte. Ein schweres Erdbeben traf das Hinterland der Costa de la Luz und beschädigte unter anderem das aus der Renaissance stammende Nonnenklosters „Nuestra Senora de la Concepción“. Bögen wie der „Arco de las Monjas“ sollten anschließend die Mauer der Klosterkirche stützen, weil man deren Einsturz fürchtete. Wären da nicht die modern anmutenden Häuser der Neustadt – die Gasse mit dem steinernen Bogen könnte glatt als himmlisches Jerusalem durchgehen.

La Cobijada – die Verschleierte

Von hier sind es nur ein paar Schritte zur der wohl ungewöhnlichsten Statue Vejers: La Cobijada – die Verschleierte – nennt sich die Gestalt, die einst zum alltäglichen Bild in den Orten Andalusiens gehörte. Das düstere Schwarz der Frauenfigur steht im Kontrast zum blitzenden Weiß der Häuser. Die Tracht, die mit der Machtergreifung Francos verboten wurde, erinnert an die Vollverschleierung in muslimischen Ländern, ließ sie doch nur ein Auge frei.

Vejer de la Frontera im Hinterland der sonnenverwöhnten Costa de la Luz

Vejer de la Frontera im Hinterland der sonnenverwöhnten Costa de la Luz
Auf dem Nachbarhügel wurde die Neustadt von Vejer errichtet.

Karwoche in Vejer

Wie überall in Spanien ist die Karwoche, die Semana Santa, der Höhepunkt im alljährlichen Veranstaltungskalender. Am Ostersonntag wird traditionell der Stier durch die schmalen Gassen getrieben, die mit schwarz-weißen Kieselmosaiken, Marmor- oder Terrakottaplatten gepflastert sind. Anfang der 80e Jahre stürmte eines der Tiere sogar durch die kleine Bar mitten in Vejer. „Ich habe noch nie eine Bar gesehen, die so schnell leer war“, erzählt Manuel, der selbstredend an diesem christlichen Feiertag die Laufschuhe schnürt. „Früher dachte ich immer, was sind das für Idioten. Heute bin ich selbst dabei.“

 

Strandleben in Vejer...
El Palmar heißt der lange, feinsandige Strand von Vejer. Wegen seiner rollenden Brandung gilt er als Hotspot für Wellenreiter und Windsurfer. Entsprechend jung ist das Publikum an diesem drei Kilometer langen Strandabschnitt, wo es zahlreiche Restaurants, einen Fischladen und mehrere Lebensmittelgeschäfte gibt. In den Sommermonaten öffnen die Chiringuitos, die beliebten kleinen Strandbars, wo Sonnenanbeter bei einem kühlen Mojito und lässiger Musik im Hintergrund stimmungsvolle Sonnenuntergänge erleben können.

 

Der Naturpark La Breña liegt nur acht Kilometer von Vejer entfernt. Lichtdurchflutete Pinienwälder, die Marschlandschaft mit ihren Kanälen, Teichen und Salzseen sowie die atemberaubende Steilküste, die bis zu 90 Meter abfällt, sind die Zutaten für das Wander-Dorado. Der 5000 Hektar große Naturpark ist ein ausgezeichneter Platz für die Vogelbeobachtung. Die Zahlreichen Lagunen sind Heimat und Überwinterungsquartier für unzählige Arten, darunter Enten, Reiher, Falken, Fischadler und Kraniche.

 

Möchtest du mehr Informationen zu Vejer de la Frontera? Zu Parkmöglichkeiten, Unterkünften und Lokalen. Dann lege ich dir den Beitrag meiner Kollegin Tanja von den Reiseaufnahmen ans Herz. Hier geht es zu ihrem Text.

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