Bruder auf Achse

Paradiesische Tage im „Puradies“ in Leogang

das Hotel Puradies in Leogang im österreichischen Pinzgau

Ein solches Hotel würde man in Zürich oder Wien vermuten, womöglich in einem Wintersportort mit internationalem Renommee. Aber in Leogang, einem 3100-Seelen-Dorf im Pinzgau, wo der Wanderer nach einem richtigen Ortskern buchstäblich suchen muss? Gut, der Skicircus Saalbach Hinterglemm Leogang Fieberbrunnliegt vor der Haustüre, mit 270 Pistenkilometern das größte Skigebiet Österreichs. Und im Sommer und Herbst machen Wanderer und Mountainbiker die Kitzbüheler Grasalpen sowie die Leoganger Steinberge unsicher. Doch ein solch stylishes Haus wie das „Puradies“ hätte ich kaum inmitten österreichischer Alpenherrlichkeit vermutet.

das Hotel Puradies in Leogang im österreichischen Pinzgau
Der Embachhof, Herzstück des Hotels „Puradies“…
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… und die Chalets

Die Anfänge des „Puradies“

„Puradies“: Das klingt unzweifelhaft nach Paradies und die sprachliche Nähe ist sicherlich gewollt. Ebenso wie diese Mixtur aus Alt und Neu, die Überliefertes bewahrt, aber gleichzeitig Neues schafft. Am Anfang war der Embachhof, ein stattlicher Pinzgauer Bauernhof aus dem 17. Jahrhundert mit der Kulisse der majestätischen Bergwelt der Salzburger Alpen im Rücken. Dessen Besitzer erkannte schon in den 1950er Jahren, dass Landwirtschaft allein künftig nicht mehr genügend Geld abwerfen wird, um Überleben im Alpenraum zu garantieren.

Das erste Almhüttendorf der Region

Die Madreiters gehörten zu den Ersten, die Ferienzimmer an Gäste vermieteten und Bio-Landwirtschaft sowie Gastgewerbe miteinander verbanden. Weil Stillstand stets auch Rückschritt bedeutet, gingen die Leoganger Tourismuspioniere auch Wagnisse ein. 2007 ergänzten sie den Hotelbetrieb um eine kleine Chaletsiedlung. Das Steinalmdorf war damals das erste Almhüttendorf in der Region des Skicircus, der sich heute als „Home of Lässig“ vermarktet. Die rustikalen Hütten mit ihrer sonnengegerbten Holzfassade und dem modernen, trotzdem behaglichen Interieur kamen vor allem bei Familien gut an, die Wert auf größtmögliche Freiheit im Urlaub legen.

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Blick in die Salzburger Stuben im „Puradies“…

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Nicht minder schön die weiteren Speisesäle.

Aufbruch in die Zukunft

Womöglich würden der Embachhof und das Steinalmdorf noch heute im Werbeflyer auftauchen, wäre Sohn Michael bei einem Auslandsaufenthalt nicht in einer Bar in Taipeh gelandet – wo er von dem puristischen Stil infiziert wurde.
Jahrelang war der Weitgereiste als Unternehmensberater in aller Welt unterwegs, bevor er in die schönste Ecke des Saalbacher Skigebietes zurückkehrte, um den von seinen Eltern und Bruder Philipp geführten Familienbetrieb neu auszurichten – mit der Absicht, das kleine Hotel mit dem angeschlossenen Hüttendorf in ein luxuriöses Hideaway mit einzigartigem Flair umzuwandeln.

Symbiose aus alt und neu

Acht Monate später war das „Puradies“ am Fuß des Asitz fertig: eine perfekte Symbiose aus altem Bauernhof und kühlem Neubau, der mit rauem Gebirgsstein, viel Glas und grau schimmerndem Holz glänzt. 16 Millionen Euro hat der schmucke Anbau gekostet; er ist so trendy, dass er einen Designpreis nach dem anderen einheimst. Die dazu passenden Urkunden werden stolz in einer Vitrine neben dem Empfang präsentiert.

Die „Freiraum“-Lounge, erschaffen aus 16 000 Eichenholzwürfeln…
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… mit dem dazu passenden Blick auf die Bar.

Das Kunstwerk „Freiraum“-Lounge

Madreiters Herzensprojekt ist die „Freiraum“-Lounge, wo sich Hotel- und Chaletgäste zum Aperitif oder Absacker treffen und die abendliche Alpensonne die Wohlfühloase hinter Glas zum Leuchten bringt. Etwas ähnliches Schwungvolles hatte der Jung-Hotelier in Taipeh gesehen; Vergleichbares schwebte ihm fürs Puradies vor: keine x-beliebige Bar, wie sie allerorten zu finden ist, sondern ein lichtdurchflutetes Meisterstück, wie es Österreich noch nicht gesehen hat.

16 000 verleimte Eichenholzwürfel

Viel Herzblut von kreativen Köpfen, Ingenieuren und Handwerkern floss in die Planung, noch mehr Geld – die Rede ist von einer halben Million Euro – in die perfekte Ausführung. 16 000 verleimte Eichenholzwürfel schwingen sich elegant zu einem 40 Meter langen und bis zu 4,5 Meter hohen Aufsehen erregenden Kunstwerk auf, in dem Bar, Lounge und eine Wendeltreppe verschmelzen. Ein 3,5 Tonnen schwerer Baldachin krönt das –natürlich mit Preisen bedachte – Design-Highlight. Er ist der perfekte Ort zum Chillen, Verkosten und Philosophieren.

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Die Bibliothek zum Kuscheln

Eine Bibliothek zum Kuscheln

In der Galerie darüber würde ich am liebsten meinen Arbeitsplatz einrichten – wenn da nicht die schneebedeckten Berge vor dem Fenster wären, die den Blick gleichsam weg vom Tablet raus ins Freie saugen. Die loungigen Sitzmöbel in hippen Farben wirken unverschämt bequem. Die Bibliothek ist so gut bestückt, dass ich dort mühelos einige Tage mit Hundewetter überstehen würde. Künftig soll diese Ruhezone auch für Lesungen bekannter Autoren genutzt werden.

Bowler als Lampenschirme

Um an der Raucherbar Gefallen zu finden, muss man auch kein Freund einer gepflegten Zigarre sein. Der Blick nach oben dürfte jedem ein Schmunzeln ins Gesicht zaubern und Respekt vor dem Können der Innenarchitektin. Denn die Lampenschirme sind: schlichte schwarze Bowler, wie sie englische Gentlemen bevorzugt tragen. Der riesige Bildschirm wird für Sportübertragungen genutzt. Noch einfallsreicher ist aber der schmucke Rahmen. Denn die überdimensionalen Schwarz-Weiß-Aufnahmen stammen direkt aus dem Familienalbum der Madreiters und zeigen eindringlich, wie sehr sich das bäuerliche Leben im vergangenen halben Jahrhundert verändert hat.

Übernachten im „Puradies“

Mit dem Aus- und Umbau wurde das Angebot an Betten kräftig ausgebaut. 76 Hotelzimmer und Suiten gibt es nun. Die preiswerten, 25 Quadratmeter großen Genießerzimmer finden sich im ehrwürdigen Embachhof, die 35 Quadratmeter großen Deluxe-Suiten im Nebenhaus mit dem schönen Namen „Traumquartier“. Es ist über einen unterirdischen Gang mit dem Haupthaus verbunden.

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Die Zimmer im Hotel „Puradies“…

Schweben auf „Wolke7“

Besonders beliebt bei Wellness-begeisterten und Honeymoonern: die „Wolke 7“. 80 Quadratmeter misst dieses Luxus-Domizil, 35 Quadratmeter entfallen auf das private Spa mit Erlebnisdusche, einer finnischen Sauna und der Partner-Badewanne. Dass dieses Paradies unterm Dach schon häufiger Schauplatz für Heiratsanträge war, glaubt man sofort.

Chillen im Chalet

Das Chaletdorf inmitten grüner Alpenwiesen wurde um eine Handvoll Hütten ergänzt. Im 55 Quadratmeter großen Refugium „Honeymoon“ gibt es beispielsweise eine freistehende Badewanne gleich neben dem Doppelbett. In der 120 Quadratmeter großen Deluxe-Oase kann sich auch eine sechsköpfige Clique einquartieren und den Luxus von Infrarotkabine und Sauna genießen. Auf Hotelkomfort brauchen die Hüttenbewohner nicht zu verzichten. Der tägliche Frühstücksservice bringt die Bio-Zutaten für die morgendliche Schlemmerei. Abends kann man in der Hütte oder im Hotel tafeln. Wer einen gemütlichen Fondue-Abend plant, bekommt alle Zutaten frei Haus geliefert.

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Der Blick aus dem Zimmer….

Vom Streichelzoo bis zum Badeteich

50 Hektar gehören zum „Puradies“, viel Platz für Landwirtschaft und Aktivitäten. Ich kann mir gut vorstellen, wie vernarrt Kinder in den Bio-Bauernhof sind, wo Ziegen, Schafen, Kaninchen und Hängebauchschweine auf Streicheleinheiten warten. Natürlich darf sich der Nachwuchs dort sein Frühstücksei abholen. Für die Erwachsenen gibt es zwölf E-Bikes und zwei Ducati-Motorräder, die für Touren ausgeliehen werden können. Auf Yogafans warten spezielle Programme, im hauseigenen Saal oder auf der nahegelegenen Übungsplattform im Wald. Ein Hallenbad hat das Puradies zwar nicht zu bieten, dafür einen 400 Quadratmeter großen Badeteich. Im Winter heißt es „Rein in die Ski, rauf auf die Piste“: Denn die Abfahrten führen direkt am Haus vorbei, wo es einen Skiverleih gibt. Nur die Skistiefel muss der Brettelfan mitbringen.

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Die Wohlfühloase im „Puradies“: das Badhaus „Innere Mitte“.

Die Suche nach der „Inneren Mitte“

Nachmittags schlurfe ich in Frotteelatschen hinüber ins Badhaus „Innere Mitte“, vorbei an den originellen Figürchen, die im Gang rumturnen, und am „Heaven Spa“, wo Körper und Geist mit Peelings, Bädern und Massagen auf Vordermann gebracht werden. Vier Saunen gibt es im Badhaus, mein Favorit ist die wohltuend temperierte Zirbensauna mit ihrem würzigen Duft. Die Aufgüsse mit Alpenkräutern in der finnische Sauna wären zwar auch nicht schlecht; allerdings ist mir die Schwitzbude viel zu heiß.

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… und noch ein paar Impressionen aus der Sauna.

Im Blick: die liebevollen Details

Das schönste an diesem Wellnesstempel sind die vielen liebevollen Details – der fantasievolle Leuchter, der im Treppenhaus baumelt, der geschwungene Korbsessel aus Holz, die Teebar mit den vielen Sorten und den weißen Baumwollsäckchen. Über den Ruheräumen liegt ein warmes, gedämpftes Licht; im Hintergrund läuft leise Musik. Automatisch dämpft man die Stimme, um die mystische Atmosphäre der blauen Stunde nicht zu stören- wenn die in Sonnenlicht gehüllten Bergzacken erglühen und die Schneeberge vor den Panoramafenstern wie ein silberner Teppich schimmern.

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Was das Herz begehrt: das Frühstücksbuffet.

Kulinarisch genießen

Noch ein Wort zur Küche: Eigentlich wäre ich schon mit dem Frühstück mehr als zufrieden gewesen. Die Theke biegt sich unter köstlich duftenden Brot-Spezialitäten – von der Eiweiß-Semmel bis zum Körnerweck. Daneben lassen Wurst, Käse, Eier, Müsli und Marmeladen keine Wünsche offen. Gesundheitsbewusste können sich einen frischen Saft aus Karotten, Äpfel und Ingwer pressen. Süßschnäbel backen sich eine knusprige Waffel, garniert mit Ahornsirup.

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Der Feinschmeckertempel ESS:ENZ.

Fine dining im ESS:ENZ

Abends gibt es ein sechsgängiges Menü, wobei wohl die wenigsten noch dem äußerst ansprechenden Käsebuffet zusprechen. Sollte ich mal wieder ins Puradies kommen, werde ich einen Abstecher ins nagelneue Gourmetrestaurant ESS:ENZ einplanen, wo Feinschmecker mehrmals die Woche mit Fine Dining Menüs verwöhnt werden. Wer sich das siebengängige Menü mit Pastinakencremesuppe, Forellen Gröstl, Apfelstrudel mal anders, Leoganger Bio Rinderfilet und einigen weiteren Verführungen gönnen will, muss allerdings etwas tiefer in die Tasche greifen. Dafür steht einer der besten Köche Österreichs am Herd.

Mein Dank gilt dem Hotel „Puradies“, das mich in diese Ecke des Salzburger Landes eingeladen hat. Meine journalistische Unabhängigkeit habe ich mir in über 30 Jahren erarbeitet und bezahlt werde ich auch nicht. Meine Brötchen verdiene ich mit meinem Beruf.  Wenn meine Zeilen begeistert klingen, dann, weil mir das Haus ausnehmend gut gefallen hat. Dies ist meine persönliche Einschätzung. Die meisten Bilder auf dieser Seite stammen von mir, einige Motive wurden mir vom Hotel zur Verfügung gestellt.

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