Die verschiedenen Trakte des Hotels "Hohenwart" sind durch einen unterirdischen Gang miteinander verbunden. Foto: Hohenwart
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Das Hohenwart in Schenna: der Logenplatz bei Meran

Am späten Nachmittag, wenn sich dunkle Schatten über das Tal der Passer legen und die bis zu 3.000 Meter hohen Spitzen der Texelgruppe in ein goldenes Licht getaucht werden, ist es Zeit für den schönsten Platz im Hotel Hohenwart in Schenna: dem Solebecken auf dem Dach.

Wohlig warm ist das Wasser, die Sprudelliegen einladend leer – aber das Schönste ist das 360-Grad-Panorama. Vor der Nase reckt sich Schloss Schenna in die Höhe, ein trutziger Bau, der noch heute von Nachfahren des Grafen von Meran bewohnt wird. Im Rücken türmen sich die grauen Zacken des Großen Ifingers auf. Rechts und links erstrecken sich endlose Apfelplantagen, deren Früchte so verlockend aussehen, dass ich mit nächtlichen (Mund-)Raubzügen liebäugele.

Was definitiv nicht erforderlich ist, denn angesichts des mehrgängigen Abendmenüs im „Hohenwart“ geht definitiv keiner hungrig vom Tisch.

Mein Lieblingsplatz im Hohenwart: das Solebecken auf dem Dach.
Mein Lieblingsplatz im Hohenwart: das Solebecken auf dem Dach. Foto: Ydo-Sol

Schenna: Vom Bauerndorf zum Ferienort

Meine Urlaubsadresse in Südtirol: Schenna, nur ein paar Kilometer kurviger Landstraße von Meran entfernt. Das Hohenwart, ein Vier-Sterne-Superior-Hotel mit atemberaubend schöner Aussichtslage, wo man sich ab der ersten Minute „Zuhause bei Freunden“ fühlt.

Dafür sorgt schon der Chef der Rezeption, Hubert Rabensteiner, der uns Speisesaal, Spa und Garten zeigt. Später werden wir erfahren, dass der langjährige Mitarbeiter, auch noch als Gipfelstürmer fungiert. Wäre das Jahr nicht schon weit fortgeschritten, ich hätte mich gleich zu einer der Sonnenaufgangswanderungen angemeldet. Die bietet der Hubert, wie er von der großen Zahl Stammgäste genannt wird, zwischen Mitte Juni und Mitte Juli an.

Knapp 3.000 Einwohner und 6.000 Gästebetten

Dass Schenna einer der beliebtesten Ferienorte des Meraner Landes werden würde, wo auf jeden der knapp 3.000 Einwohner zwei Gästebetten kommen, war vor 60, 70 Jahren nicht abzusehen. Die feine Gesellschaft zog es eher in die benachbarte Kurstadt Meran, statt in das landwirtschaftlich geprägte Dörfchen unter den Gipfeln des Ifinger und Hirzer.

Vor 60, 70 Jahren noch ein Bauerndorf, heute einer der beliebtesten Ferienorte im Meraner Land: Schenna mit dem gleichnamigen Schloss.
Vor 60, 70 Jahren noch ein Bauerndorf, heute einer der beliebtesten Ferienorte im Meraner Land: Schenna mit dem gleichnamigen Schloss.

Ein Habsburger in Schenna

Immerhin hatte es einen echten Habsburger in der Mitte des 19. Jahrhunderts nach Schenna verschlagen: Johann Baptist Josef Fabian Sebastian von Österreich war der Bruder von Kaiser Franz I. Allerdings war der Erzherzog bei Hofe in Ungnade gefallen, weil er sich ziemlich unstandesgemäß in eine Postmeisterstochter verliebt und die auch noch zu mitternächtlicher Stunde geehelicht hatte.

Von der Thronfolge ausgeschlossen hatte er immerhin noch genügend Kleingeld, um das stolze Anwesen des einstigen Burggrafen von Tirol zu erwerben – für sich und seine Nachfahren, denen der gnädige kaiserliche Bruder den Titel „Grafen von Meran“ zugestanden hatte.

Besuch im Schloss und Mausoleum

Noch zu Lebzeiten ließ der Ahnherr neben dem großen Kasten mit den rot-weiß-roten Fensterläden ein neugotisches Mausoleum mit filigranen Spitztürmchen aus rotem Sandstein errichten, wo er und seine Gemahlin unter Kreuzrippengewölben bestattet wurden. Schloss- und Kirchenhügel fallen einem noch immer ins Auge, auch wenn ringsum Geranien-geschmückte Hotels, Pensionen und Geschäfte entstanden sind.

Trotz des Wachstums präsentiert sich Schenna noch deutlich uriger und urtümlicher als andere Urlaubsorte in den Alpen – ohne Bausünden, ohne Betonburgen, ohne kommerzielle Großinvestoren, die das gewachsene Ortsbild mit monströsen Scheußlichkeiten verschandeln.


Öffnungszeiten Schloss Schenna: Normalerweise von April bis Oktober. Besichtigt werden kann das Schloss nur während einer Führung. Es gibt sie montags und donnerstags um 21 Uhr, dienstags bis freitags jeweils um 11.30 Uhr und 15 Uhr. Das Ticket für Erwachsene kostet elf Euro.


Die verschiedenen Trakte des Hotels "Hohenwart" sind durch einen unterirdischen Gang miteinander verbunden. Foto: Hohenwart
Die verschiedenen Trakte des Hotels „Hohenwart“ sind durch einen unterirdischen Gang miteinander verbunden. Foto: Wollsdorf

Die Geschichte des „Hohenwart“ in Schenna

Schenna, klingt irgendwie nach schön. Der Name könnte aber auch vom lateinischen „scenae“ abgeleitet sein. Passen tut beides. Denn der Landstrich rund um Meran ist himmlisch schön – wie ein Landschaftsgemälde von William Turner. Während unten im Tal schlanke Zypressen den Himmel küssen und sich Palmen im Wind wiegen, während an den Hängen Äpfel und Trauben im Überfluss wachsen, präsentieren sich die Felsspitzen oft schon im Herbst mit einem weißen Überzug.

Franz Mair: der Tourismuspionier

Es waren Pioniere wie Franz Maier senior, die den Wert dieser Mixtur aus Alpenszenerie und mediterranem Lebensgefühl erkannten. In den Wirtschaftswunderjahren rollten die ersten Deutschen im vollgepackten VW Käfer über die Alpenpässe Richtung Adria.

Noch war Schenna ein Bauerndorf, mit 200 Gehöften, mit Weiden fürs Vieh und Äckern fürs Getreide, mit Obstbäumen auf Streuwiesen und zwei bescheidenen Gasthöfen, wo allenfalls die Einheimischen feierten. Doch dass sich aus diesem sonnenverwöhnten Balkon hoch über dem Meraner Becken mit seinem wohlig-warmen Klima etwas machen ließe, dass Wald und Weiden, Almen und Weiler wie geschaffen für wanderhungrige Großstädter waren – das war dem Mair Franz vom Praierhof schnell klar.

Ein wenig Mitschuld trägt übrigens die Nato. Während eines Manövers waren die Dienste des Südtirolers als Chauffeur gefragt. Dabei lernte Franz Mair die besten Hotels am Stilfser Joch, in Sulden und Cortina kennen. Und er hatte viel Zeit zum Nachdenken.

Ich habe mich oft gefragt, warum wir nicht auch in Schenna etwas mit Tourismus machen könnten

so der Seniorchef, der im August 1957 die erste Frühstückspension in Schenna eröffnete. Die ersten Gäste waren ein Arzt und seine Frau, die bei einem Kongress in Meran weilten: die ersten Stammgäste im „Hohenwart“.

Von der Frühstückspension zum Wellnesshotel

Ein gutes halbes Jahrhundert später ist die Frühstückspension Teil des noch immer familieneigenen Wellnesshotels Hohenwart. Dessen Gebäudetrakte sind durch einen unterirdischen Gang miteinander verbunden. Den 18 Zimmern des Jahres 1957 steht ein Vielfaches an Traumunterkünften gegenüber, angefangen beim in Grün- und Beigetönen gehaltenen Doppelzimmer Ifinger bis hin zur 100 Quadratmeter großen Hohenwart Suite.

Impressionen aus den Zimmern des Hohenwart

Die wartet mit so ziemlich jedem Luxus auf, den du dir denken kannst. Im Wohnzimmer kann man es sich auf der Sitzecke oder in der Hängeschaukel bequem machen. Im Bad wartet die Infrarotkabine auf Nutzer. Im Ankleidezimmer gibt es Safe, Nähutensilien sowie Regenschirme und Rucksack, falls man letzteres daheim vergessen hat. Der Clou: die Badewanne auf dem riesigen Balkon, natürlich nicht einzusehen durch neugierige Hotelgäste.

Das Angebot im Hohenwart

Im Verbindungsgang zum Haus Traube hängen sie – die Fotografien von den bescheidenen Anfängen, als der Mair Franz servierte und seine Anna kochte; von den berühmten Schauspielern und Künstlern, die im Hohenwart abstiegen; von den treuen Stammgästen, die Jahr für Jahr kommen und den Wandel von der Frühstückspension zum Vier-Sterne-Superior-Hotel erlebt haben. Als das „Hohenwart“ als erstes Haus in Schenna ein Frühstücksbuffet anbot, hieß es im Dorf:

Muss das sein, müssen wir das auch noch haben, die werden uns noch arm- oder aufessen

so der Seniorchef in seinen Erinnerungen. Kurze Zeit später sprangen auch andere Häuser auf diesen Zug auf.

Nicht die einzige Neuerung, die auf das Hohenwart zurückgeht. Weil Ruhe, Natur und das bäuerliche Umfeld auf Dauer nicht reichen würden, um die Gäste an Schenna zu binden, ließen die Mairs 1964 das erste Hotelschwimmbad Schennas bauen – ein eher schmuckloses Becken, das nachts von den Burschen aus dem Ort heimgesucht wurde, bis ihnen der Franz Mair die Klamotten versteckte.

Blick auf den 25 Meter langen Outdoor-Pool im "Hohenwart".
Blick auf den 25 Meter langen Outdoor-Pool im „Hohenwart“…
Badelandschaft im Hotel Hohenwart in Schenna
… und die Badelandschaft im Innern.

Vom Outdoor-Pool bis zum Solebecken

Heute ist das Element Wasser ein wichtiges Standbein des Wellnesshotels. Im Haus Traube findet sich das riesige Hallenbad mit dem Whirlpool und der Familiensauna, die auch von Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren genutzt werden kann. Schon am frühen Morgen ziehen Schwimmer ihre Runden im beheizten 25 Meter langen Outdoor-Pool, der saphirblau inmitten des üppig grünen Gartens schimmert. Und das Solebecken – mit gläsernen Wänden – hoch über den Dächern des Meraner Landes ist eine einzige Offenbarung.

Wellness im VistaSpa

Den Besuch im mehrfach ausgezeichneten VistaSpa auf der zweiten Ebene müssen wir bis zu unserem nächsten Aufenthalt aufschieben: Das Wetter war einfach zu schön. Dabei liest sich das alles so verlockend, vor allem wenn man einen Skitag im nahegelegenen Meran2000 in den Beinen hat: Tiroler Schwitzstube, die Panoramasauna hoch oben auf dem Dach, die Bio-Sauna Ifinger mit der Apfelplantage vor dem Glasfenster, Rosen- und Soledampfbad, eine Infrarotkabine, Ruheräume wie „Sound of Silence“ oder „Traumkulisse“, bei denen der Name Programm ist. Auf der Dachterrasse können sich Nackedeis in der abgetrennten Ruhezone in der Südtiroler Sonne aalen.

Die Ruheräume im VistaSpa mit Panoramablick.

Die Ruheräume im VistaSpa mit Panoramablick.
Die Ruheräume im VistaSpa mit Panoramablick. Foto: Rier

Göttlich speisen im  Hohenwart

Am späten Nachmittag, wenn die Gäste des „Hohenwart“ von Schennas Wanderhöhen zurückkehren, schlägt die Stunde des Küchenteams um Jannes Stuffner. Wandern macht bekanntlich hungrig, egal, ob man den sanft plätschernden Waalen, den Bewässerungskanälen, gefolgt ist oder die anspruchsvolle Tour zur Pfandlspitz gemeistert hat.

Mehr als 200 Kilometer markierter Wege gibt es rund um den Südtiroler Ort; wer anstrengende Aufstiege lieber umgehen möchte, steigt in eine der Seilbahnen. Wer alleine sein will, geht dorthin, wo der Pfad schmal und steinig wird, wo die Alpenrosenmatten enden und die Lärchenwälder entschwinden. Weiter unten, wo Kuhglockengeläut ans Ohr dringt, wo sich Wiesen wie in guter, alter Zeit präsentieren, duftet es in einer der zahlreichen Jausenstationen nach Speck und würzigem Käse.

Was fürs Auge: 

Wer der Einkehr beim Bergbauern widerstanden hat, landet bei schönem Wetter zwangsläufig auf der Terrasse des Hohenwart, zur Marende, der Brotzeit am Nachmittag. Die Auswahl an süßen und pikanten Speisen ist riesig, die Kalorienmenge wahrscheinlich auch – zumal der supernette Ober schon nach dem zweiten Tag weiß, dass der Sohnemann von den unglaublich leckeren Kasnocken gerne eine zweite Portion vertilgt.

Speisesaal im Hotel Hohenwart in Schenna
Blick in einen der Speisesäle des Vier-Sterne-Superior-Hotels…
die Terrasse des Hohenwart, wo man bei schönem Wetter abends speisen kann.
…und die Terrasse des Hohenwart, wo man bei schönem Wetter abends speisen kann. Foto: Rier

Das Bett: der perfekte Logenplatz beim morgendlichen Alpenglühen

Dieses hemmungslose Schlemmen setzt sich beim Abendessen fort. Ein Salatbüffet mit einem Dutzend Sorten, warme und kalte Vorspeisen, Suppen, Fisch- und Fleischgerichte, vegetarische Speisen, Desserts – wer will, kann sich quer durch die Menükarte futtern.

Selbst ein Kaiserschmarrn wird serviert, vorausgesetzt man hat das aufwendige Gericht rechtzeitig geordert. Zum Schluss noch ein Absacker in der gemütlichen Hotelbar und die Aussicht, von der Morgensonne geweckt zu werden. Denn das bequeme Hotelbett ist der perfekte Logenplatz beim morgendlichen Alpenglühen.

Der richtige Platz für den Absacker: die Bar im Hohenwart.
Der richtige Platz für den Absacker: die Bar im Hohenwart.

 

Lust bekommen, ins Hohenwart nach Schenna zu fahren? Ich kann das Haus nur empfehlen. Es ist der richtige Wohlfühlort für eine kürzere oder längere Auszeit. Die meisten Bilder auf dieser Seite stammen von mir, einige Motive wurden mir vom Hotel zur Verfügung gestellt. Die Zeit bis zum nächsten Aufenthalt überbrücke ich mit Kochen. Das Rezept für die besten Kasnocken, die ich je gegessen habe, gibt es hier.

 

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