Bruder auf Achse

Müßiggang am Mekong

Er gilt als „Mutter aller Wasser“: der Mekong, der sich 4 300 Kilometer lang durch Südostasien schlängelt, von der Quelle auf dem tibetischen Hochplateau bis zum Delta im Südchinesischen Meer. 5 200 Höhenmeter überwindet er dabei, weshalb er in China „Lancang Jian“ genannt wird, der turbulente Fluss. Sein Fischreichtum ist legendär, wichtige Nahrungsquelle für 60 Millionen Menschen. Und das Mekongdelta in Vietnam gilt als Reiskammer Südostasiens. Der Fluss verzweigt sich dort in unzählige Arme mit äußerst fruchtbarem Schwemmlandboden.

Gier nach dem Wasser des Mekong

Doch der mächtige Strom, der China, Burma, Thailand, Laos, Kambodscha und Vietnam berührt, ist bedroht, weil menschliche Gier nach Wasserkraft nicht vor irrsinnigen Großprojekten zurückschreckt – wie beispielsweise der gewaltige Xayaburi-Staudamm in Laos. Doch der Kreislauf des Lebens ist empfindlich. Noch gibt es sie die engen Schluchten und rauschenden Wasserfälle, die europäische Forschungsreisende im 19. Jahrhundert voll Ehrfurcht bestaunten, die winzigen Orte, wo das Leben ein langer ruhiger Fluß ist, die idyllischen Bilder aus dem Delta, wo schwimmende Märkte die Menschen mit dem Überlebensnotwendigen versorgen. Doch wie lange noch.

Buddhafigur
Buddhastatuen sind in Laos allgegenwärtig.

Im Tiefland von Laos

Der laotische Flecken Ban Pak Bang ist ein solches Relikt aus längst vergangener Zeit. Der Ort ist auf keiner Karte zu finden, seine Lage am Nam Kading, einem Nebenfluss des mächtigen Mekong allenfalls zu erahnen. Im Licht der morgendlichen Sonne wirken die sanft gerundeten Bergrücken wie geheimnisvolle Schattenrisse, erinnern an chinesische Tuschezeichnungen auf Seidenpapier. Ein paar Wasserbüffel – der wertvollste Besitz einer jeden Familie auf dem Land – suhlen sich im ockerfarbenen Schlamm; von irgendwo her ertönt das Meckern von Ziegen.

150 Familien leben in diesem Irgendwo im Nirgendwo, dessen größter Stolz eine einfache Schule ist, wo Jungs und Mädchen verschnörkelte Schriftzeichen auf Papier zirkeln. Noch dominieren die traditionellen Stelzenhäuser, deren trockener, schattiger Unterstand als Arbeitsstätte, Schuppen und Stall gleichermaßen genutzt wird. Doch die Schilfdächer, die sich über Jahrhunderte bewährt haben, müssen immer häufiger tristem Wellblech weichen. Holzhäuser machen imposanten Steingebäuden mit geschnitzten Fensterläden aus glänzendem Teakholz Platz. Elektrische Leitungen und Satellitenschüsseln künden davon, dass der Fortschritt im Tiefland von Laos angekommen ist.

Präsidentenpalast in Vientiane, Laos.
Im Zentrum von Vientiane liegt der Präsidentenpalast, der frühere Amtssitz des Gouverneurs.

Das bitterarme Land erwacht aus den Albträumen seiner Vergangenheit und sucht den Anschluss an die Zukunft. Und der Mekong spielt dabei eine wichtige Rolle. Für das dünn besiedelte Binnenland von der Größe der alten Bundesrepublik ist der große Strom Lebensader und Schicksalsstrom zugleich. In einem Land, in dem sich schlaglochübersäte „Straßen“ während der Regenzeit in unpassierbare Schlammpisten verwandeln, ist die „Mutter aller Wasser“ und ihre zahlreichen Nebenflüsse die einzige Konstante im Transportwesen zwischen Goldenem Dreieck und der Grenze zu Kambodscha. Von Luang Prabang, das Reichsgründer Fa Ngum 1353 zu seiner Residenz erkor, düsen Wassertaxis in mehreren Tagen zu den entlegenen Bergdörfern im Norden. In der quirligen Hauptstadt Vientiane knüpft er zarte Bande zum potenten Nachbarn Thailand; weiter südlich gebärdet er sich als Landschaftsarchitekt und erschafft mit den 4 000 Inseln eine aquatische Märchenlandschaft von einmaligem Reiz.

Fluten bringen reiche Ernte

Asiens drittgrößter Strom ist elementare Wasser- und Nahrungsressource in einem. Zur Regenzeit steigt sein Pegel um bis zu 15 Meter an; dann vertilgt er Uferböschungen samt unzähligen Gemüsegärtchen, überflutet ganze Ortschaften und wird von den Einheimischen doch meist sehnsüchtig erwartet. Seine gewaltigen Fluten verwandeln ausgedörrte Erde in saftig-grüne Reisfelder und bescheren Asiens Armenhaus bis zu drei Ernten im Jahr. Fischer verdanken ihm einen reich gedeckten Tisch, auch wenn bereits mehr als die Hälfte der einst fast 300 Fischarten laut WWF verschwunden ist.

Regierungspalast in Vientiane.
Vom Triumphbogen Patuxai hat man einen herrlichen Blick auf den Regierungspalast in Vientiane.

Las Vegas im Goldenen Dreieck?

Doch Laos, als auch China wollen den unberechenbaren Fluss mit Staudämmen bändigen. Laos will mit dem Verkauf von Strom an die prosperierenden Nachbarländer China, Thailand und Vietnam Devisen in die stets klamme Staatskasse spülen. Für dieses Ziel sind den sozialistischen Machthabern, deren Heilsversprechen von den stets freundlichen Laoten mit stoischer Gelassenheit ertragen werden, auch ungewöhnliche Mittel recht. So wurde den Chinesen ein gewaltiges Stück Land für die Dauer von 99 Jahren verpachtet. Deren kühner Plan: eine Art Las Vegas mitten im Goldenen Dreieck.

Tempelfest in Laos
Tempelfeste sind ein farbenprächtiges Spektakel.

Schon die Franzosen, die von den Laoten als Falang bezeichnet wurden, waren Traumtänzer. Sie sinnierten über eine dem Handel nützliche Wasserstraße zwischen dem weit verzweigten Delta und den reichen Handelsplätzen Chinas. Doch so unaufgeregt, ja geradezu einschläfernd sich der Mekong an vielen Stellen gibt, so aufmüpfig und wild gebärdet er sich zwischendurch. Unablässig schaufelt er Sediment heran, türmt Sandbänke auf, um sie wenig später wieder fortzuschwemmen. Als hätten Riesen Boule gespielt, blockieren plötzlich gewaltige Findlinge das Flussbett. In Trockenzeiten schrumpft er an einigen Stellen zu einem Rinnsal zusammen und lässt schlanke Fischerboote wie Strandgut zurück. Vor allem im Grenzgebiet zu Kambodscha, wo das Flussbett auf gewaltige 14 Kilometer Breite anschwillt, zeigt sich die Wasserader von ihrer launischsten Seite, offenbart winzige Eilande voll grünen Dschungels, um sie in Regenzeiten unbarmherzig wieder zu schlucken.

Marktstand in Laos
Zuverdienst für die Familie: ein Marktstand in Laos.

Die Region der „4000 Inseln“ liegt ganz im Süden von Laos, und wenn es den idealen Ort für ein paar Tage Müßiggang geben sollte, dann sind es Don Det, Don Khon und ihre Schwestern. Der Zauber der Flusslandschaft, der im gemächlichen Dahintreiben des Lebens, im scheinbaren Stillstand aus Raum und Zeit liegt, war schon den französischen Kolonialherren nicht entgangen, doch ihr Interesse an den bewohnten Eilanden Don Khon und Don Det war geschäftlicher Art. Schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war eine Expedition zu dem niederschmetternden Ergebnis gelangt, dass der Mekong wegen der unüberwindlichen Khong-Pha-Pheng-Wasserfälle als durchgängig schiffbarer Wasserweg ausfiel.

Tollkühnes Vorhaben

Also musste eine Alternative her: das tollkühne Vorhaben, die gewaltige Felsbarriere von mehreren Kilometern Breite kurzerhand zu sprengen, scheiterte glücklicherweise am Widerstand der Einheimischen. Stattdessen beschlossen die handelsverrückten Europäer, das Naturspektakel mittels einer Eisenbahnstrecke zu umgehen. Ein paar Transporte, für Chinas unersättlichen Markt bestimmt, wurden über das Jahrhundertprojekt abgewickelt; selbst Schiffe, in zwei Hälften zerteilt, wurden Mekongaufwärts verschickt.

Marionetten aus Laos.
Ein beliebtes Souvenir für daheim: Marionetten.

Doch die Schienen sind längst verschwunden, und die imposante Verladestation verfällt unter sengender Sonne. Die Flusslandschaft, Si Phan Don, hat eine andere Bestimmung gefunden. Auf einigen Inseln, die oft nicht viel mehr als eine Sandbank sind, wird Reis und Gemüse angebaut, Don Khon und Don Det haben sich ein touristisches Standbein geschaffen. Manche Backpacker feiern die paradiesischen Eilande bereits als „neues Goa“, auch wenn Don Det keine Partyhochburg wie Vang Vieng im Norden von Laos ist, mit Feiern bis in die frühen Morgenstunden. Doch Strandpartys mit Lagerfeuer und Gitarrenmusik, billige Bambushütten zum Übernachten und den ein oder anderen Joint gibt es allemal.

Der Ho Phra Keo Temple in Vientiane, Laos
Der Ho Phra Keo Temple gehört zu den eindrucksvollsten Gebäuden von Vientiane.

Als Schifffahrtsstraße wird die Lebensader in diesem Teil Laos‘ kaum gebraucht. Hier darf der Fluss einfach noch Fluss sein. Ohne Uferbefestigung und nur von kleinen Booten befahren krümmt und windet er sich, wie es ihm gefällt. Gelegentlich jagen ein paar thailändische Speedboote über den Mekong, Fischer kontrollieren ihre Reusen, doch von verhängnisvollen Großprojekten wie Begradigungen oder großen Binnenhäfen blieb Asiens wichtiger Nerv in dieser Ecke bislang verschont. Ginge es nach dem großen Nachbarn im Norden – der Mekong wäre schon bald mit Staumauern und Schleusen bestückt, die gefährlichsten Hindernisse auf dem Weg nach Süden verschwunden.

An Bord der „Mekong Explorer“

So hat Kapitän Kham Phet Keolatsamee den Fluss für sich. Mit sicherer Hand schleust er seine Mekong Explorer“ an Sandbänken und Untiefen vorbei, mal auf direkter Linie, mal im Schlingerkurs. Echolot und Radar sucht man vergeblich auf diesem Mix aus glänzendem Mahagoni und schimmerndem Teakholz- wozu auch, schließlich kennt der klein gewachsene Mann seinen Mekong seit Kindesbeinen an. In der Regenzeit könnte das Flussschiff theoretisch bis zur ersten Stadt in China fahren, doch die meiste Zeit des Jahres kreuzt es zwischen Savannakhet und Vientiane. Während die beiden 380 PS starken Motoren gleichmäßig tuckern, ziehen an den rund drei Dutzend Passagieren Bilder aus ferner Vergangenheit vorbei. Frauen mit den typischen Bambushütten bestellen ihre kleinen Felder, nackte Kinder planschen ausgelassen in den lehmbraunen Fluten, goldglänzende Buddhastatuen, groß wie Hochhäuser, grüßen mit seligem Lächeln vom thailändischen Ufer herüber.

Laotisches Shangri-La

Wohl nirgendwo auf seinem langen Weg vom Himalaja ins Delta zieht der Mekong seine Besucher so nachdrücklich in den Bann wie in und um Luang Prabang, dem Lieblingsziel vieler Asienreisender. Wer Zeit hat, mit offenen Augen durch die 1350 gegründete Hauptstadt des legendären „Königreichs der eine Million Elefanten“ wandelt, wird dem Mythos des großen Stromes ganz nahe kommen. Luang Prabang – klingt das nicht irgendwie nach Shangri-La, jenem verborgenen Paradies, wo dank frei gewählter Weltabkehr den Bewohnern ein biblisches Alter winkt? Noch immer wirkt die Stadt am Zusammenfluss von Mekong und Nam Khan mit ihren goldenen und roten Dächern wie ein Stein gewordenes Monasterium. Auch wenn die Ansammlung von Restaurants, billigen Unterkünften, Radvermietern und Tour-Operatern nicht darüber hinweg täuschen kann, dass die himmlische Stadt ihren Status als Geheimtipp längst verloren hat.

 Luang Prabang zwischen Mekong und Nam Khan
Luang Prabang liegt am Zusammenfluss von Mekong und Nam Khan .

Der Zauber einer anderen Zeit

Es gibt nicht wenige Reisende, die halten das religiöse Zentrum des sozialistisch- buddhistischen Arbeiter- und Bauernstaates für die schönste Stadt Asiens. Luang Prabang versprüht den unwiderstehlichen Zauber einer anderen Zeit, als Indochina noch unter französischer Kolonialverwaltung stand und Ruhe und Gelassenheit keine Fremdwörter waren. Wie ein verschollener Schatz versteckt sich die einstige Königsstadt vor nervigem Lärm und ungebremsten Fortschritt in den Bergen im Norden, schmiegt sich an wohlgerundete Hügel, die unter einer grünen Decke aus Bäumen und Büschen verschwinden, lässt sich von Mekong und Nam Khan umarmen und manchmal auch vereinnahmen.

Demut und Enthaltsamkeit

Hinter den weiß getünchten Mauern der drei Dutzend Klöster, unter kunstvoll geschwungenen Tempeldächern mit goldschimmernden Giebeln und glitzernden Glasmosaiken lehren Mönche Buddhas Weltanschauung, üben sich beflissene Novizen in Demut und Enthaltsamkeit gegenüber allen irdischen Gütern und Verlockungen, um die Seele zu reinigen und dem Nirwana näher zu kommen. In kleinen Gruppen marschieren sie mit der Opferschale durch ihre Stadt, rattern auf röhrenden Tuk Tuks an staunenden Touristen vorbei oder sitzen entspannt unter imposanten Boddhibäumen, flankiert vom Erleuchteten in allen Posen – liegend, sitzend, stehend, aber stets mit einem seligen Lächeln auf den Lippen. Allgegenwärtig ist der Heilsbringer, sei es als fingernagelgroßes Souvenir „made in China“, in Armeestärke in den Höhlen von Pak-Ou oder als meterhohe Statue im Wat Mai, einem der schönsten Tempel der Stadt.

Tempel in Laos

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Wer das stille, das inbrünstige Luang Prabang kennenlernen möchte, muss früh aufstehen. Der Tag dämmert gerade herauf, als ein Gong dumpf durch die Gassen der Stadt hallt. Während die üppige Vegetation in der Morgensonne Dampf ablässt, der die Berge mystisch vernebelt, versinken die Rue Sakkarine und ihre Nebenstraßen in leuchtendem Orange. Als wären sie gerade vom Himmel herab gestiegen, trotten buddhistische Jünger seltsam unwirklich, gleichsam überirdisch vorwärts, kahl geschoren, schweigend und barfuß zu jeder Jahreszeit. Kein Wort macht die Runde, keine Geste der Freude oder des Ärgers stört das Ritual. Als wären sie sich des feierlichen Ernstes dieser Prozession bewusst, absolvieren die Bettelmönche ihren allmorgendlichen Almosengang: der Abt vorneweg, die Novizen hinterher, der jüngste und kleinste am Schluss. Am Straßenrand knien Einheimische und Touristen mit gesenktem Kopf und demutsvoller Haltung, um die Körbe der Mönche mit Spenden zu füllen – mit Klebereis, der sich so famos zu kleinen Kugeln formen lässt, mit frischem Gemüse und ein paar Süßigkeiten. Ohne Unterlass wird geknipst und gefilmt bei dieser Zeremonie zwischen religiösem Ernst und touristischer Show, die den Hunderten Mönchen in Luang Prabang das Überleben sichert. Denn zwischen Gebet und Meditation bleibt keine Zeit für Arbeit zum Broterwerb.

Städtisches Kleinod

Zu Beginn der 90er-Jahre hätten Touristen womöglich mit einem Schlafplatz in einem der Kloster vorlieb nehmen müssen. Doch seitdem hat sich viel verändert in der Altstadt mit all den wunderschönen, weiß gestrichenen Kolonialhäusern, deren Holzschindeldächer, Lamellenfensterläden und fein ziselierte Balkone Jahrzehnte lang dem Verfall preisgegeben waren. Doch dann entdeckte die Unesco dieses entzückende städtische Kleinod und erklärte es zum Weltkulturerbe. Seitdem wacht sie darüber, dass auf der schmalen Landzunge zwischen den beiden Flüssen keine nicht wieder gut zu machende architektonische Sünde begangen wird. An seinen Rändern macht sich das einst verschlafene Provinznest wie eine Krake über grünes Dickicht her. Die Zahl preiswerter Guesthouses nimmt stetig zu, noble Luxusresorts schießen aus dem Boden, selbst einen Golfplatz hat Laos größte Touristenattraktion mittlerweile zu bieten.

Tempel in Laos
Wenn Wände Geschichten erzählen: einer von unzähligen Tempel in Laos.

Kein herausgeputzter musealer Ort

Noch ist er zu spüren, der Charme vergangener Zeiten. Noch ist Luang Prabang kein herausgeputzter musealer Ort. Doch die reizvolle Patina der Geschichte verblasst, der Ort verliert unter der wachsenden Schar von Touristen seine nostalgische Ursprünglichkeit. Weil Backpacker und Pauschalreisende selten weltabgewandte Buddhisten sind, die sich mit einer simplen Schale Reis zufriedengeben, und es mitunter an nötigem Feingefühl der fremden Kultur gegenüber mangelt, prallen zwischen Wat That und Wat Pkak Khan laotische Spiritualität und westliches Streben nach irdischem Reichtum ungebremst aufeinander. Monotone Trommelschläge aus den Klöstern mischen sich mit dem Baulärm schnell hochgezogener Herbergen; Mönchskutten konkurrieren mit schlabbrigen Hippie-Klamotten; einfache Garküchen müssen hippen Restaurants mit WLAN und Happy-Hour weichen. Angesichts des volkstümlichen Nachtmarktes, wo Frauen der Bergvölker Stoffe, Schmuck, Schnitzereien und potenzfördernden Schlangenschnaps feilbieten, der unzähligen Massagesalons mit lauteren Absichten, der Elefantencamp-Betreiber und der Mountainbike- Verleiher wirken die kahl geschorenen Mönche wie Relikte einer untergegangenen Zeit.

Atmosphäre eines Tropenstädtchens

Doch abseits dieses touristischen Rummelplatzes, wo Zivilisationsmüde vom eintägigen Elefantenführer-Kurs bis zum Kurzbesuch in der „Whisky-Village“ alles buchen können, was organisierte Freizeitgestaltung an Segnungen hergibt, hat sich die spirituelle Atmosphäre des Tropenstädtchens erhalten. Wer die 326 ausgetreten Stufen zum Berg Phou Si hochklettert – oder sind es gar 328-, zu dessen Füßen der unprätentiöse Königspalast liegt, bekommt ein Gefühl dafür, wie beschaulich, gleichsam weltfremd das Leben in dieser Ecke der Welt einst war. Der Blick schweift über endlos grünen Dschungel, bleibt an goldfarbenen Buddhastatuen hängen, erspäht winzige Taxi-Boote, die selbst die entlegensten Dörfer mit Mensch und Material versorgen.

Transportmittel in Laos
Bunte Busse in Luang Prabang.

Nahrung für Augen und Nase

Und der lokale Markt, wo sich laotische Hausfrauen zweimal pro Tag mit allem Notwendigen für eine schmackhafte Mahlzeit eindecken, weil kaum eine Familie einen Kühlschrank besitzt, spottet jeder Touristenbroschüre mit Hochglanzbildern. Zwischen Körben mit höllisch scharfen Chilli-Schoten und Bergen aus frischem Koriander, Zitronengras und Tamarindenfrüchte warten hagere Hühnchen, kapitale Fische und glücksbringende Singvögel in igluähnlichen Bambuskäfigen auf Käufer. Als wäre dies nicht schon genügend Nahrung für Augen und Nase gammelt ein paar Meter weiter undefinierbares Fleisch unter tropischer Sonne vor sich hin, bringen graue Minigarnelen den Sack zu Leben. Spätestens bei den gegrillten Hühner- oder Büffelfüßen ist bei den meisten Europäern der Wunsch nach laotischen Spezialitäten gestillt. Frittierte Heuschrecken und fettbraun geröstete Käfer müssen es nun wirklich nicht sein. Lieber ein Klecks Papaya-Limonen- Marmelade, für den Hauch Exotik auf dem Tablett.

Informationen

Anreise: Es gibt keine Direktverbindungen aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz nach Laos. Daher ist eine Anreise nur mit Umsteigen möglich. Dafür bietet sich beispielsweise Bangkok, Kuala Lumpur oder Hanoi an. Vientiane und Luang Prabang sind die internationalen Flughäfen in Laos.

Einreise: Grundsätzlich benötigen Bürger aus Deutschland und anderen europäischen Ländern ein Visum, um nach Laos einreisen zu dürfen. Man kann es bei der jeweiligen Landesbotschaft (in Deutschland sitzt die Botschaft von Laos in Berlin) beantragen. Oder ein so genanntes Visa on Arrival direkt bei der Einreise.

Weiterreise: Zwischen allen größeren Städten verkehren Überlandbusse. In Kombination mit Minibussen, die verstärkt im Tourismus eingesetzt werden, kommt man praktisch überall hin. Zudem gibt es etliche Bootsverbindungen. Einige Dörfer sind auf dem Wasserweg besser zu erreichen als über Straßen. Manche Boote fahren zu festen Zeiten, andere nach Bedarf. Bahnverkehr gibt es lediglich von Thailand nach Thanaleng in der Präfektur Vientiane.
Lao Airlines fliegt von Vientiane vier Ziele im Norden und zwei im Süden an. Zudem gibt es Verbindungen von Pakse nach Savannakhet und Luang Prabang. Die Tickets sind vergleichsweise teuer (über 100 Euro pro Strecke).

Auskunft: Botschaft der Demokratischen Volksrepublik Laos, Bismarckallee 2 a, 14193 Berlin, Telefonnummer (030) 89 06 06 47.

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2 Kommentare

  1. Laos ist ein so faszinierendes Land! Nach deinem Artikel habe ich das Gefühl, ich sollte mir nicht all zu lange Zeit lassen.. denn das Land wird sich verändern. Ich würde gerne das ursprüngliche Laos kennenlernen und genau wie du Orte entdecken, die nicht auf einer Karte verzeichnet sind. Vielleicht klappts nächstes Jahr! 🙂
    Liebe Grüße, Kaja

    1. Ich kann es nur empfehlen, es ist so, wie Thailand vielleicht vor 30 Jahren war. Aber auch Laos, insbesondere Luang Prabang ändert sich schnell.

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