Blick auf den Schweizerhof in Luzern
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Der „Schweizerhof“ in Luzern: Wo die Stars friedlich schlummerten

Wohnen, wo Richard Wagner seine Oper „Tristan und Isolde“ vollendet hat, wo sich der deutsche Kaiser Wilhelm II. an Perlhuhnterrine mit Trüffel ergötzte und die bärtigen Burschen von ZZTop ihren Whiskey kippten? Im traditionsreichen Hotel Schweizerhof in Luzern, direkt am Ufer des Vierwaldstättersees alles kein Problem.

Blick auf den Schweizerhof in Luzern
Der „Schweizerhof“: das Flaggschiff der Hotellerie in Luzern.
das Hotel "Schweizerhof " in Luzern am Vierwaldstättersee
Und so sieht der „Schweizerhof“ bei Nacht aus.

Der Schweizerhof: Flaggschiff der Hotellerie in Luzern

Vor 175 Jahren, genauer gesagt am 21. August 1845, wurde die Nobelherberge eröffnet, das erste Grandhotel der Stadt. Zehn Jahre zuvor hat ein Brand in der Altstadt gewütet, nichts Spektakuläres, doch die touristische Entwicklung verlagert sich anschließend zum See hin –mit dem „Schweizerhof“ als Aushängeschild. Ost- und Westflügel kommen hinzu, verleihen dem Gebäude sein symmetrisches, klassizistisches Gewand.

Die Familie Hauser, unternehmensfreudig und innovationswillig, versteht sich als Vorreiter. 1865 erstrahlt im neuen Zeugheersaal des „Schweizerhofs“ die erste Gasbeleuchtung in einem Schweizer Gebäude.

Die Herberge der Stars

So viel Geschichte hinter historischer Fassade! So viel Prominenz, die hier genächtigt hat! Wer mag alles über das herrliche Bodenmosaik der riesigen Lobby gewandelt sein, das in allen erdenklichen Farben erstrahlt? Wer hat alles die rosafarbenen Marmorsäulen bewundert, die helle Kassettendecke, die verspielten Lampen im Stil der Belle Époque“? Ein paar ältere Damen auf Europa-Trip genießen ihren Tee; in der Bar, die sich abends in ein zartlilafarbenes Licht hüllen wird, stößt ein junges Paar mit einem Glas Champagner an. Der „Schweizerhof“ ist ganz offensichtlich ein gastlicher Ort, aber keiner, wo geziertes Gehabe zum Umgangston gehört.

das Hotel "Schweizerhof " in Luzern am Vierwaldstättersee
…die Lobby im „Schweizerhof“ mit dem wunderbaren Bodenmosaik.
das Hotel "Schweizerhof " in Luzern am Vierwaldstättersee
Verspielte Jugendstilelemente finden sich überall. Ein besonders schönes Beispiel: diese Deckenlampe.

Von Wagner bis ZZTop

Die Liste der prominenten Gäste, die sich im Lauf der Jahre im „Schweizerhof“ einquartiert hat, ist lang. Wagner lenkt sich mit Ausritten auf der Stute „Lise“ vom Komponieren ab und verbarrikadiert die Tür zum Nachbarzimmer mit Matratzen, um sich vor störenden Geräuschen zu schützen. Kaiser Wilhelm II., vernarrt in moderne Technik und erpicht auf pompöse, theatralische Auftritte, lässt sich mit dem Dampfschiff zum Hotel Schweizerhof schippern – der Landungssteg war eigens angelegt worden für den Kaiser und seine Gemahlin, ein „ächt germanisches Weib von hoher, kräftiger Gestalt“, wie die Zeitung „Vaterland“ begeistert notiert.

das Hotel "Schweizerhof " in Luzern am Vierwaldstättersee
Kleine Aufmerksamkeit: In den Döschen fanden wir köstliche Muffins.

Leo Tolstoy wiederum, noch keine 30 Jahre alt, mokiert sich über die englischen Touristen, die ihn mit ihrem steifen und hochnäsigen Auftreten irritieren. Das beste Haus am Platz gefällt dem jungen Russen ausnehmend gut. Beim Blick aus dem Fenster wird er „von der Schönheit dieses Wassers, der Berge und des Himmels buchstäblich geblendet und erschüttert.“ Lediglich der „dumme, künstliche weiße Quai mit den gestützten Lindenbäumchen“ widerspreche der natürlichen Harmonie und Schönheit, so einer der größten Denker und Schriftsteller seiner Zeit. Erst Jahre später wird er durch seine Meisterwerke „Krieg und Frieden“ sowie „Anna Karenina“ zu Weltruhm gelangen.

das Hotel "Schweizerhof " in Luzern am Vierwaldstättersee
Blickfang in der Lobby: die aufwändigen Blumengestecke.

Auch Agent 007 war schon da

Die Liste der prominenten Gäste lässt sich um viele Namen erweitern, um James Bond-Bösewicht Christopher Lee, der im „Schweizerhof“ auf seinen alten Kumpel und (Film-)Gegenspieler Roger Moore traf; um Reggae-Ikone Jimmy Cliff, der stolz auf „seinen“ Tisch in der Hotelbar war; um Formel 1-Champion Lewis Hamilton , der seinen 600 PS-starken McLaren mit röhrendem Motor in die Hoteleinfahrt lenkte; um Mark Twain, Winston Churchill, Sinéad O’Connor, und, und, und….

Jedes Zimmer erzählt die Geschichte seines Bewohners

Warum all die Maharadjas, Kaiser, Schriftsteller, Politiker, Musiker und Schauspieler nicht stärker in das Bewusstsein der Hotelgäste rücken, dachte sich die Hoteliersfamilie. Deshalb wurden und werden sämtliche 101 Zimmer und Suiten des „Schweizerhofes“ von Grund auf renoviert, so dass jetzt jeder Raum die Story jenes Gastes erzählt, der hier süß schlummerte.

das Hotel "Schweizerhof " in Luzern am Vierwaldstättersee
Ein paar Impressionen aus dem Schweizerhof: der historische Lift…
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… und das Treppenhaus.

Bei Zimmer 007 denke ich nicht gleich an große Oper, sondern eher an den Geheimagenten ihrer Majestät mit der Lizenz zum Töten – zumal auch schon James-Bond-Darsteller Roger Moore in der 45 Quadratmeter großen Lifestyle-Junior-Suite übernachtete.

Wagner schlägt James Bond

Doch dann entschied sich das Haus, das sich als Festivalhotel beispielsweise während des Lucerne Festivals versteht, für Richard Wagner. Der ist sowohl musikalisch, als auch textlich in dem Zimmer präsent. Die Klänge kommen von Band; seine Gedanken „Die Musik ist die Sprache der Leidenschaft“ verrät ein Wandtattoo über dem Bett. Ein großer Spiegel mit dekorativem, goldfarbenem Rahmen hängt an der Wand, eine Sitzecke steht vor dem Fenster. Wenn man nicht gerade große Arien komponieren muss, könnte man die überwältigende Aussicht auf See und Berge genießen.

das Hotel "Schweizerhof " in Luzern am Vierwaldstättersee
Zimmer Nr. 44 ist nach der Saxophonistin Candy Dulfer benannt.

Prominente Namen für 101 Zimmer und Suiten

Als die ersten Überlegungen zu den Themenzimmern aufkamen, gab es noch Bedenken, ob genügend Namensgeber für die 101 Zimmer und Suiten vorhanden sind. Doch diese Sorge löste sich schnell auf. Jetzt haben die Betreiber ein anderes Problem – die Qual der Wahl.

Unser Zimmer ist die Nr.44 und ist der niederländischen Jazz- und Funk-Altsaxophonistin Candy Dulfer gewidmet, von der Superstar Prince einmal – ziemlich zweideutig – sagte:

When I need Sax, I call Candy.

Die Musikerin, die schon mit elf Jahren ihre erste Platte aufnahm, war mehrfach im „Schweizerhof“ zu Gast und nutzte ihre Aufenthalte gerne zum Shoppen. Eine Trophäe ihrer Beutezüge: ein sexy Sommerkleid in elegant glänzendem Gold, das sie während ihres Auftritt beim Blue Balls Festival trug.

das Hotel "Schweizerhof " in Luzern am Vierwaldstättersee
… und der Blick in eine Junior-Suite

Ein Zimmer als Botschafter

Dass die Funk-Lady hier daheim war, zeigt sich schon beim Betreten des Zimmers, das in hellen Naturtönen gehalten ist. Groovige Töne empfangen uns. Überm Bett hängt das Instrument der Blondine; in der Glasvitrine unterm Fernseher werden einige CDs von ihr präsentiert. Und im ziemlich geräumigen Bad, wo es Dusche und Badewanne gibt, schmückt ein Zitat von ihr die Wand. Ein Buch über das Hotel und die Geschichten seiner Gäste – mit der Seite von Candy Dulfer – liegt auf dem Tisch.

Blick auf den Schweizerhof in Luzern
Der Blick aus dem Zimmer des „Schweizerhofs“.
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… und so ist die Aussicht bei schönem Wetter.

Göttlicher Blick auf den See und die Berge

Das Highlight sind aber nicht die kleinen Döschen auf dem Tisch, in denen zwei abgöttisch leckere Muffins versteckt sind, sondern die Aussicht aus dem Fenster. Es ist zwar ein grauer Herbsttag, doch der Reichtum dieser Landschaft im Herzen der Schweiz lässt sich selbst bei Schietwetter erahnen.

Rechterhand schält sich die Kapellbrücke aus dem Grau, das hölzerne Wahrzeichen Luzerns. Linkerhand dümpelt das Restaurantschiff „Wilhelm Tell“, ein alter Schaufelraddampfer, im Wasser. Direkt gegenüber liegt der moderne Bau des Kultur- und Kongresszentrums, mit den Bergen im Rücken. Gelbe und grüne Lichtbänder vor den Fenstern tauchen das Zimmer in ein mildes Licht. Beim abendlichen Bummel über die Seepromenade werden wir den Zweck dieser Lichtbänder entschlüsseln. Sie lassen den imposanten Bau wie einen Weihnachtsbaum erstrahlen.

Eine Kaiserin gerät ins Schwärmen

Im ehrwürdigen Zeugheersaal, in dem schon so manches ausgelassene Fest gefeiert und mancher Kongress abgehalten wurde, geriet schon Frankreichs Kaiserin Eugénie vor 150 Jahren ins Schwärmen.

Blick auf den Schweizerhof in Luzern
Der Zeugheersaal wird für private Feiern und Kongresse genutzt.

Die schöne Gemahlin von Napoleon III. war gemeinsam mit Sohn Lulu in einer prachtvollen Kutsche zum „Schweizerhof“ gefahren, gerade rechtzeitig zur Einweihung des 360 Quadratmeter großen prunkvollen Ballsaales. Selbst in Frankreich gebe es keine schöneren Säle, bekannte die Kaiserin. Als Gastgeschenk für die Hoteliersfamilie gab es eine Flasche Grand Cognac fin de Champagne von 1850 – ein Stöffchen, das im „Schweizerhof“ noch immer in Ehren gehalten wird.

Frühstück im Pavillon

Uns zieht es zum Frühstück ins Restaurant Pavillon, das mit seinen hohen Fenstern und den ausgefallenen Lampen leicht und luftig wirkt. In einem Fünfsterne-Hotel sind die Erwartungen entsprechend groß, selbst zu Corona-Zeiten. Der „Schweizerhof“ hat es perfekt gelöst. Eier und Omeletts werden nach Wunsch frisch zubereitet. Die Etagere für den Tisch wird mit Bündner Fleisch, Schinken, Salami und den unterschiedlichsten Käsesorten bestück. Der Brotkorb wird nach Wunsch gefüllt, Joghurt sowie Bircher Müsli gibt es am Büffet, ebenso wie das Gläschen Sekt und der Orangensaft.

Blick auf den Schweizerhof in Luzern
Im Pavillon wird das Frühstück serviert.

Ob „Captain Willy Smith“ der gutbestückten Bar einen Besuch abgestattet hat? Der Mann fällt auf – schwarze Rockerjacke, großer Silberschmuck an Händen und Hals, gestrickte Fransenkappe und ein struppiger Rauschebart. Weil die Sonne scheint und die Berge zum Greifen nahe sind, steigen Willy und seine Kumpane auf Empfehlung der Rezeption in den City Train Luzern ein und lassen sich durch die Stadt kutschieren.

Blick auf den Schweizerhof in Luzern
Die Bar des „Schweizerhofes“

Sie ernten jede Menge Aufmerksamkeit. Das sind doch die Sharp Dressed Man von ZZTop, Billy Gibbons, Dusty Hill und Frank Beard! Der Schlummertrunk mit dem Bassisten Chris von Rohr ist verbürgt, ebenso die Abreise in drei schwarzen Bussen. Und wer seinen Vollbart-Idolen näherkommen will, bucht einfach Zimmer 52.

Speisen in der Villa
Die „Villa Schweizerhof“ ist das wohl malerischste Restaurant des Fünfsternehotels. Eingebettet in einen paradiesisch wirkenden Park gibt es in der feudalen Privatvilla aus dem 19. Jahrhundert heute höchste Gaumenfreuden. Hotelgäste können den kostenlosen Shuttle für die Hin- und Rückfahrt zur Villa nutzen.

Villa Schweizerhof in Luzern
Nobel speisen in der „Villa Schweizerhof“.

Die Bilder auf dieser Seite stammen größtenteils von mir, einige wenige wurden mir vom „Schweizerhof“ zur Verfügung gestellt. Das Hotel ist Mitglied der Private Selection Hotels & Tours.

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