Panorama im Denali-Nationalpark im US-Bundesstaat Alaska
Amerika,  USA

Der Denali: Alaskas Schatztruhe ist Bären- und Elchland

Der Denali Nationalpark ist Alaskas bekanntester Nationalpark. Das Schutzgebiet zu Füßen seines Namensgebers, des 6194 Meter hohen Denali, ist Wildnis pur: 2,4 Millionen Hektar groß, Heimat von Elchen, Dall-Schafen, Grizzlybären, Karibus, Luchsen, Wölfen und Rentieren. Ein Reisetipp vorweg: Der Denali ist einfach zu erreichen und deshalb die meistbesuchte Attraktion Alaskas. Er liegt knapp 400 Kilometer nördlich von Anchorage und 200 Kilometer südlich von Fairbanks.

Alaska: die größte Exklave der Welt

Alaska, der boomende 49. Bundesstaat der USA, sprengt alle Vorstellungen. Bis 1867 gehörte das „Land, in dessen Richtung das Meer strömt“ zum russischen Zarenreich. Dann kauften die Vereinigten Staaten den Landstrich für 7,2 Millionen Dollar. Hätten die Russen gewusst, welche Schätze sich unter Alaskas Erde verbergen – sie hätten den Handel wohl kaum getätigt.

Doch der größte Schatz der größten Exklave der Welt, getrennt durch die kanadischen Bundesstaaten Yukon Territory und British Columbia vom Rest der USA, ist seine Natur. Alaska lässt sich mit wenigen Worten beschreiben. Der Bundesstaat ist wild, menschenleer und atemberaubend schön.

Alaska Denalinationalpark.
Der Denali-Nationalpark, eine der größten Attraktion im US-Bundesstaat Alaska, wurde bereits 1917 gegründet.

2,6 Quadratkilometer Platz für jeden „Alaskan“

Im Vergleich zu diesem Land der Superlative ist Deutschland lächerlich klein. Rein rechnerisch hätte jeder „Alaskan“ ungefähr 2,6 Quadratkilometer Platz nur für sich allein. Pure Spekulation, weil fast jeder zweite in Anchorage lebt. Selbst in der Hauptstadt des Bundesstaates liegt unberührte Natur vor der Haustüre.

Es gibt wenige Destination auf dem Erdball, die so abenteuerlich sind, so naturbelassen und faszinierend wie Alaska. Der größte, westlichste, nördlichste und vermutlich auch kälteste Bundesstaat der USA ist ein Paradies für Naturfans, wo unvergessliche Eindrücke garantiert sind.

Wal- oder Bärenbeobachtungen, Goldwaschen, Angeln, Rundflüge mit einem Helikopter oder einem Buschflugzeug, Kajak- und Raftingtouren, Heliskiing und Schlittenhundetouren – hier ist fast alles möglich, was einem zum Thema Aktivitäten im Freien einfällt.

Autoschild Alaska
„The Last Frontier“ nennen die Bewohner von Alaska ihre Heimat und präsentieren den Slogan stolz auf dem Nummernschild.

Alaska: die letzte Grenze der Zivilisation

„Last frontier“ nennen die Einheimischen ihren Bundesstaat, und der Begriff „Letzte Grenze“ ist durchaus wörtlich zu nehmen. Denn nur ein winziger Teil des riesigen Landes ist durch Straßen erschlossen; viele der in der Wildnis liegenden Siedlungen sind nur per Schiff oder Wasserflugzeug zu erreichen.

Wer Alaska bereisen will, braucht vor allem eines: viel Zeit. Vor allem, wenn er nicht nur den Süden des US-Bundesstaates erkunden will. Der Aleutenbogen mit seinen Inseln, deren kegelförmige Vulkane Zeugnis vom Brodeln im Schoß von Mutter Erde ablegen, zieht sich bis nach Russland hinüber. Höchstens begeisterte Angler verirren sich in diese entlegene Ecke, die am einfachsten mit den Fähren des Alaska Marine Highway Systems zu erreichen ist.

Der Denali-Nationalpark: Schutzgebiet seit 1917

Der Denali, 1917 unter dem Namen Mount McCinley als Nationalpark gegründet, ist ein vergleichsweise zahmer Abenteuerspielplatz – mit Wandermöglichkeiten, Campingplätzen und einem perfekt organisierten Shuttleservice. Während andere Nationalparks in Alaska, wie beispielsweise das Bärenparadies Katmai, nur per Wasserflugzeug zu erreichen sind, liegt der George Parks Highway vor der Haustüre des 24. 000 Quadratkilometer großen Schutzgebietes.

Wer Elche im Denali-Nationalpark antreffen möchte, braucht ein wenig Glück.
Wer Elche im Denali-Nationalpark antreffen möchte, braucht ein wenig Glück.

Mit dem Zug nach Denali

Wir haben uns bei der Anreise „into the wild“ für den Zug entschieden, für die blau-gelben Waggons der Alaska Railroad. Deren 750 Kilometer langes Streckennetz ist ziemlich überschaubar. Abgesehen von einigen Nebengleisen existiert nur eine einzige Strecke, die von Seward im Süden bis nach Fairbanks im Zentrum des Bundesstaates führt. Das Schöne an diesem Schienenweg: Die schweren Loks halten direkt vor dem Besucherzentrum des Denali-Nationalparks.

Schon die Anfahrt ist atemberaubend. Wälder von Schwarzfichten, Pappeln und Fichten rauschen vorbei. Ein munterer Bach gurgelt fröhlich in seinem Bett. Ein paar Elche stapfen majestätisch durch den Morast und verschwinden im mannshohen Gebüsch. Nur Wasilla, berühmt als Heimatort der einstigen Gouverneurin von Alaska, Sarah Palin, mag nicht so recht zu jenem Alaska-Bild passen, von dem Europäer träumen. Ein paar herunter gekommene Hütten, ein paar schäbige Restaurants, vor denen endlos lange Trucks parken, und ein paar Supermärkte – der Ort eignet sich allenfalls für die Pinkelpause der Mobilhome-Fahrer.

Schutz für die „große Leere“

Es war Charles Sheldon, ein engagierter Naturforscher und begeisterter Jäger, der Anfang des 20. Jahrhunderts den unerschöpflichen Reichtum der Region zwischen Anchorage und Fairbanks erkannte. Eigentlich wollte der Mann von der Ostküste Dall-Schafe – erkennbar an den gekrümmten Hörnern – jagen, doch dann verfiel er der menschenleeren Wildnis mit ihren steil aufragenden Felsflanken, den wild zerklüfteten Gletschern und den ungebändigten Flüssen, die sich nach jeder Schneeschmelze einen neuen Weg in ihrem breiten Bett suchen. Jahrzehnte, bevor Umwelt- und Naturschützer auf den Plan traten, kämpfte Sheldon darum, die große Leere rund um den steinernen Namensgeber Denali vor allzu nachhaltigen Eingriffen durch den Menschen zu schützen.

 

Lok Anchorage.
Eine alte Lok in Anchorage. In Alaska gibt es nur einen einzige Zugverbindung, die vor allem touristisch genutzt wird.

Der Denali: Nordamerikas höchster Berg

Jener Berg, den die Athabascan-Indianer Denali – den Hohen –tauften, thront mitten im Schutzgebiet. Und hoch ist das „Dach Amerikas“ tatsächlich. Mit seinen 6190 Metern ist er der höchste Berg Nordamerikas und zugleich der kälteste der Erde. Minus 40 Grad sind in den Gipfelregionen keine Seltenheit, schließlich sind es bis zum Polarkreis nur noch 250 Kilometer. Der Denali liegt stolze 3860 Kilometer nördlicher als der Mount Everest.

Herrscher über die Alaska Range

Den glorreichen Granitgiganten zu bezwingen, der in frostiger Isolation über die Alaska Range regiert, ist der Traum unzähliger Bergsteiger. Erst 1913 musste sich der Himmelsstürmer menschlichen Eroberungsversuchen geschlagen geben. Jedes Jahr zeigt er so manchem bestens ausgerüsteten Bergsteiger die eiskalte Schulter. Selbst im Sommer herrschen eisige Temperaturen auf dem Gipfel. Dann sind Stürme mit Windgeschwindigkeiten von über 200 Stundenkilometern keine Seltenheit.

Denali statt Mount McKinley

Es war Barack Obama, der dem Denali seinen ursprünglichen Namen zurückgab. Über 100 Jahre lang tauchte der den Ureinwohnern heilige Eisriese als Mount McKinley in den Landkarten auf. Ein Goldsucher hatte den Berg 1896 nach dem späteren US-Präsidenten William McKinley benannt, obwohl der nie in Alaska war. Das hatte er mit vielen seiner Nachfolger im Amt gemein.

Wolken über dem Eisriesen

Den meisten Besuchern würde schon ein Foto des Vielumschwärmten genügen. Doch er benimmt sich wie eine zickige, alte Diva, die ihre Fältchen hinter einem Fächer zu verbergen sucht. Im Falle des Denali ersetzen wahlweise tief hängende Wolken oder nicht weniger imposante Bergnachbarn den Fächer.

An klaren Tagen ragt der vereiste Solitär wie eine überirdische Erscheinung aus den mit Moos und Flechten überzogenen Bergen auf. Meistens versteckt er seine glänzende Erscheinung hinter einem grauen Schleier. In seiner ganzen Größe zeigt sich „der Hohe“ noch am ehesten am Wonder Lake. An dem türkisfarbenen See gibt es einen letzten Außenposten der Zivilisation– einen Zeltplatz ohne alle Annehmlichkeiten.

Alaska gletscher
Auch in Alaska schmelzen die Gletscher.

Näher kommt man dem Denali höchstens als Wanderer oder Bergsteiger. Obwohl Berg und Campground fast 40 Kilometer voneinander entfernt liegen, setzt er sich am Wonder Lake Campground eindrucksvoll in Szene. Im Sommer, wenn in Alaska häufig Buschbrände wüten, können Rauchschwaden den Blick beeinträchtigen. Myriaden von Mücken suchen Zwei- und Vierbeiner heim. Doch an klaren Tagen gibt es Ausblicke, die ein Leben lang anhalten.


Der Wonder Lake Campground liegt bei Meile 85 an der Denali Park Road. Er bietet 28 Stellplätze für Zelte. Auf dem gesamten Campingplatz gibt es bärensichere Schließfächer. Pro Nacht werden 16 US-Dollar fällig, hinzu kommt eine Reservierungsgebühr von sechs US-Dollar


Per Shuttlebus in den Denali

In den Park führt eine 146 Kilometer lange Schotterpiste bis zum Wonder Lake und zum historischen Kantishna Mining District. Der größte Teil dieser Straße ist für den Privatverkehr gesperrt. Aber es gibt Shuttle-Busse, die den ganzen Tag regelmäßig hin- und zurückpendeln. Wem das nicht reicht, nimmt an einer der geführten „Wildlife“-Bustouren teil, die zwischen sechs und zwölf Stunden dauern, klettert in ein Buschflugzeug oder in einen Helikopter zur Flightseeing- Tour.

So quetschen wir uns in das Gefährt, das an einen amerikanischen Schulbus erinnert und dessen Bänke so schmal sind, dass meine Beine ständig an die Lehne des Vordermannes reiben. Mit dabei: Zwei Dutzend Touristen aus aller Welt, von denen mehr als die Hälfte noch nie was von Verhaltensregeln beim Wildlife Viewing gehört hat. In dem Bus herrscht ein Geschnatter wie in einem Gänsegatter. Bei dem Lärmpegel nimmt jeder Bär Reißaus, schießt es mir durch den Kopf.

Alaska Range im Nationalpark Denali im US-Bundesstaat Alaska
Die Berge der Alaska Range präsentieren sich auch im Sommer schneebedeckt.

Denali: Heimat der Grizzlys

Wegen den braunen Petzen kommen die meisten Touristen in den Nationalpark. Denali ist Bärenland, weshalb einige Ranger mit einer 44er Magnum unterwegs sind, der Lieblingsknarre von Dirty Harry.

350 Grizzlys leben auf einer Fläche von knapp 25 000 Quadratkilometern? Größer als Hessen! Da scheinen die Chancen, einen der schwerfälligen Burschen zu sichten, nicht allzu groß.

Weit gefehlt: Kaum holpert der altersschwache Bus zum Sable Pass hinauf, kommt Leben in die Bude. „Ahs“ und „Ohs“ hallen durch das Gefährt. Handys werden gezückt. Ein Klickgewitter bricht über den Heißersehnten herein: Ein prächtiges Bärenmännchen streift ungerührt durch die Büsche, ein tapsiger Einzelgänger mit honigblondem Fell – keineswegs ein Graufuchs, wie der Name Grizzly vermuten ließe.

Highway Richtung Denali Nationalpark in Alaska; USA.
Alaskas Straßen führen durch spektakuläre Landschaften.

Lauern auf fette Lachse

Die flüchtige Begegnung hat schon etwas Magisches an sich, denn die gar nicht so putzigen Gesellen machen sich ansonsten rar. Auf der Suche nach etwas Fressbarem streifen sie ruhelos durch Alaskas berühmtesten Nationalpark. Sie lauern an knietiefen Flusswindungen fetten Lachsen auf. Sie machen sich hungrig über zartgliedrige Karibus her, die sich unvorsichtigerweise von der Herde entfernt haben. Und schrecken auch nicht vor menschlichen Hinterlassenschaften zurück, was Scott, Busfahrer, Guide und Entertainer in Personalunion zur Erheiterung der Passagiere erzählt.

Bären sind Allesfresser, denen beim Anblick roter Beeren und springender Lachse das Wasser in der Schnauze zusammenläuft. Es kann aber auch vorkommen, dass sie einen türmenden Zweibeiner mit einem zarten Elchkalb verwechseln.

  • Bären sind wie kleine Babys, die in alles reinbeißen, was ihnen vor die Schnauze komm. Also ja keine Zahnpasta auf dem Campingplatz rumliegen lassen.
  • Bären haben unfassbar gute Nasen.
  • Bären sind keine Sparringspartner, auch nicht für menschliche 100-Meter-Kanonen.

Sein Rat an die Passagiere: „Wenn ein Elch vor euch steht, dann rennt. Sollte es ein Bär sein, lasst es besser bleiben. Sonst hält er euch womöglich für sein Abendessen.“

Im Reich der Elche

Die Schwergewichte mit den gewaltigen Geweihen sind auch nicht ohne. Bis zu 850 Kilogramm bringen die Herrscher des Waldes auf die Waage; auf kurzen Spurts knacken sie mühelos die 60-Stundenkilometer-Marke. Da sollte sich ein untrainiertes Individuum besser vom Acker machen.

An diesem Tag im Denali lässt sich der Vetter des europäischen Elchs nicht blicken. „Für die Tiere sind heiße Sommertage eine harte Durststrecke“, wirft Scott fast schon entschuldigend ein. Ihnen bleibe nur die Flucht in höhere Regionen des Nationalparks oder auf eines jener wenigen, schmutzig grauen Schneefelder, die ein wenig Kühlung versprechen.

Die Schlittenhunde des Denali

Den drei Dutzend parkeigenen Schlittenhunden ergeht es bei sommerlichen Temperaturen ähnlich. Die „glücklichsten Regierungsbeamten der USA“ – so Rangerin Hannah augenzwinkernd – liegen faul auf oder in ihrer Hütte. Sie wedeln behäbig mit dem Schwanz und werden nur munter, wenn Hannah mit dem Geschirr wedelt. Denn die Zugpferde wollen laufen, laufen, laufen.

Gletscherzuge an einem Highway in Aaska
Die Gletscher reichen oft bis an die Straße. Von der früheren Masse sind nur noch ein paar kümmerliche Reste übrig.

Von Luchsen und Erdhörnchen

Augen offen halten lautet die Devise – während der Fahrt, ebenso wie an den Lookouts. Am Sanctuary River, wo es einen Campingplatz für Backpacker gibt, verdrückt sich ein Luchspärchen aufgeschreckt im Unterholz.

Weißkopfseeadler, das Wappentier der USA, kreisen über dem Polychrome Pass, wo der schroffe Fels der fast 1000 Kilometer langen Alaska Range in allen erdenklichen Rot- und Brauntönen leuchtet.

Am Toklat River bestaunen niedliche Erdhörnchen die seltsamen Eindringlinge in ihrem lärmenden Bus.

Wasserflugzeug Alaska
Das Wasserflugzeug ist ein unverzichtbares Transportmittel in Alaska.

Wer sich an dem wild mäandernden Fluss umsehen möchte, sitzt mindestens elf Stunden im Bus. Diese Strapazen für Hin- und Rückfahrt nehmen allerdings nur die wenigsten Denali-Besucher auf sich.

Verglichen mit anderen US-amerikanischen Nationalparks, in denen man im Sommer nur auf Menschen und Blechlawinen trifft, ist das Besucheraufkommen im Denali zwar verkraftbar. Doch die Menschenansammlungen an den Aussichtspunkten können ganz schön nerven. Vor allem, wenn man eigentlich den Tierreichtum des Denali und nicht die Selfie-Verrücktheiten mancher Zeitgenossen erleben möchte.

Landschaftliche Vielfalt

Wer keinen Bären sichtet: Der Prachtkerl schmückt jede Menge mehr oder weniger kitschiger Souvenirs, die im Visitor Center des Nationalparks verkauft werden. Er grüßt von Postkarten und Pins, schmückt T-Shirts und Mützen. Selbst wenn sich der Gute nicht blicken lässt, ist dies zu verschmerzen: Das von Tundra, Bergen und Permafrost geprägte Schutzgebiet ist landschaftlich schlichtweg überwältigend.

Lokomotive der Alaska Ralroad beim Bahnhof am Denali-Nationalpark
Eine Zugfahrt zum Denali-Nationalpark ist ein besonderes Erlebnis.

Sonnenstrahlen wandern ruhelos über dichte Schwarzfichten-Wälder. Sie tauchen schmächtige Rinnsale und reißende Ströme in ein silbriges Licht, klammern sich fest an baumloser Tundra. Im Herbst gebiert sie ein Feuerwerk aus Farben.

Leuchtend rote Beeren konkurrieren mit dem knalligen Rosa des „Fireweed“; wilde Iris schwelgt in Purpur, Arnika in strahlendem Gelb. Wo der Permafrostboden ganze Erdschichten ins Rutschen bringt, entstehen Phänomene wie der „drunken forest“ – die zwergwüchsigen Bäume stecken kreuz und quer in der Erde, als habe ein Riese Mikado mit ihnen gespielt.

Wildnis pur im Süden des Denali

Stundenlang kann man durch den Park fahren, ohne einer einzigen menschlichen Seele zu begegnen. An der Parkstraße gibt es Campingplätze, Aussichtspunkte, kleine Infozentren. Im Süden des Denali-Nationalparks gibt es nicht einmal das. Nur ein Basislager hoch oben an einem Gletschersee.

Parkgrenzen existieren nur auf dem Papier, denn die Natur schert sich wenig um menschliche Festlegungen. Wolkenknäuel fegen von den Berghängen herab. Sie bleiben wie Girlanden auf halber Höhe hängen, verweben sich an anderer Stelle zu einem dichten Vorhang. Sekunden später werden sie von göttlicher Hand zerrissen.

Alaska sprengt alle Vorstellungen. Nur ein winziger Buchteil des Bundesstaates ist durch Straßen erschlosssen.
Alaska sprengt alle Vorstellungen. Nur ein winziger Buchteil des Bundesstaates ist durch Straßen erschlossen.

Als die Waggons der Alaska Railroad abends Richtung Anchorage rollen, haben wir die Hoffnung, einen Elch zu sichten, schon fast aufgegeben. Der Zug rollt vorbei am verschlafenen Nest Talkeetna, wo ganze Hundertschaften von Bergsteigern ihren Ansturm auf den Denali starten. Er kreuzt die 100 Meter tiefe Hurricane Schlucht.  Er streift das verschlafene Städtchen Willow, das so gerne Hauptstadt des US-Bundesstaates geworden wäre, hätten die Bürger Alaskas nicht kurzerhand die Finanzmittel für den Umzug von Juneau gestrichen.

Auf dem Weg nach Anchorage

Vor den Panoramafenstern der Doppelstockwagen breitet sich eine geradezu aquatische Landschaft aus. Wild und ungebändigt stolpert der Chulitna River vorwärts, reißt hier ein Stück Ufer ab, um es ein paar Meter weiter zur Sandbank aufzuhäufen. Milchig grüne Seen verschwinden unter dem gelben Teppich blühender Seerosen. Myriaden von Mücken kreisen über sumpfigem Gelände.

Plötzlich schallt ein kollektiver Freudenschrei durch den Wagen, gepaart mit ungläubigem Raunen. Der König der nordischen Wälder, der Herrscher der Hirsche präsentiert sich in seiner ganzen Pracht. Stolz wie Oskar steht er da, die Hufe knöcheltief im Morast vergraben, den knuffigen Kopf nach oben gereckt, die Lauscher aufmerksam gestellt. Reglos verfolgt der Elch den ratternden Zug. Er lässt sich nur kurz beim Fressen stören. Und dann ist er auf einmal verschwunden, in Alaskas menschenleerer Wildnis.

Die Parkroad im Denali-Nationalpark in Alaska wird regelmäßig von Shuttlebussen befahren.
Die Parkroad im Denali-Nationalpark wird regelmäßig von Shuttlebussen befahren.

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Anreise zum Denali

Der Parkeingang befindet sich am Alaska Highway 3 (auch George Parks Highway) etwa 380 Kilometer nördlich von Anchorage, und 200 Kilometer südlich von Fairbanks. Der eigentliche Eingang zum Denali Nationalpark befindet an „Mile 237“.

Unterwegs im Park

Die ersten 24 Kilometer der Parkstraße können von jedem Fahrzeug befahren werden. Doch ratsam ist das nicht. Ab dem Savage River verkehren die Tour- oder Parkshuttle-Busse.

Die Transitbusse werden von der Nationalparkverwaltung betrieben und sind deutlich preiswerter als die Ausflugsbusse. Sie halten an den Aussichtspunkten und zu Toilettenstopps; der Fahrer funktioniert als eine Art Reiseleiter. Wer will, kann einfach irgendwo aussteigen, eine kleinere Wanderung unternehmen und wieder in den nächsten Bus einsteigen.

Die Ticketpreise hängen von der Fahrtdauer ab: Wer beispielsweise zum Toklat River bei Mile 53 möchte, zahlt 33,50 US-Dollar. Die Tour bis zum Wonder Lake bei Mile 85 kostet 58,75 US-Dollar. Für Kinder bis 15 Jahre ist die Fahrt kostenlos.

Wer etwas mehr erfahren möchte, bucht eine geführte Bustour, bei der Naturfoscher an Bord sind. Die achtstündige Tunda Wilderness Tour bis zum Stony Hill Overlook kostet für Erwachsene 162,50 Dollar. Kinder zahlen 73,75 US-Dollar.

Shuttle oder Tourbus? Vor allem in der Hauptsaison Juli/ August ist eine rechtzeitige Buchung unverzichtbar. Wir haben zwar spontan eine Tour ergattert, waren aber auch im Juni in Alaska unterwegs. Der Busservice beginnt meist in der zweiten Maihälfte, die gesamte Straße ist in der Regel aber erst in der zweiten Juni-Woche befahrbar. Die Shuttle-Busse verkehren in der Regel bis Mitte September. Da es im Park nur eine einzige Straße gibt, unterscheiden sich die Routen nicht. Von daher reicht der Shuttle locker aus.

Übernachten im Denali

Es gibt insgesamt sechs Campingplätze im Denali. Am Riley Creek, Savage River und Teklanika River sind auch Wohnmobile erlaubt. Allerdings müssen größere Wohnmobile außerhalb des Parks übernachten. Strom- oder Wasseranschlüsse für Wohnmobile gibt es nicht. Die anderen drei Campingplätze sind nur für Zeltcamper geöffnet und mit dem Bus erreichbar.

Auch hier gilt: Wer in der Hauptsaison reist, sollte seinen Stellplatz vorsorglich buchen, vor allem wenn man zeitlich gebunden ist. Reservierungen sind bereits ab 1. Dezember des Vorjahres möglich. Die Gebühren variieren ein wenig, aber die Standorte kosten zwischen 12 und 27 US-Dollar pro Nacht. Im Winter ist das Campen kostenlos. Wer keinen Zeltplatz im Denali ergattert: Es gibt außerhalb des Parks etliche Campingplätze, die eine gute Alternative darstellen.

Hier geht es zum Reservierungssystem der Campingplätze.

Was kannst du im Denali unternehmen?

Wandern ist praktisch überall möglich, allerdings gibt es keine ausgeschilderten Wanderwege. Wer mehrere Tage im Park unterwegs sein möchte, braucht ein spezielles Permit. Es kann schriftlich per Mail beantragt werden. Da es für die einzelnen Parkregionen nur eine begrenzte Anzahl solcher Permits gibt, sollte man am besten eine Alternative für seine Rucksacktour im Kopf haben.

Alle Infos zu den Permits, zu Campingplätze und einen Link zum Denali Backcountry Permit-Antrag gibt es hier

Vom 20. Mai bis Mitte September werden zahlreiche Aktivitäten im Denali Nationalpark angeboten. Es gibt Rangerwanderungen, Schlittenhundevorführungen, Campingplatzprogramme und Vorträge – alles kostenlos und ohne vorherige Anmeldung. Eine gute Übersicht liefert der Veranstaltungskalender.

Abenteuerliche Naturen, die mehrere Tage vor Ort sind, können sich zu einem Discovery Hike anmelden. Mit Rangern geht es querfeldein, durch rauschende Bäche und Passagen mit dichter Vegetation. Alle Wanderungen beginnen mit einer mehrstündigen Busfahrt. Die Wanderungen variieren – von mäßig (Höhenunterschied weniger als 400 Meter) bis hin zu schwer.

Wichtig zu wissen: Wer an einer solchen Tour teilnehmen möchte, kann sich ein bis zwei Tage im Voraus dafür anmelden – und zwar persönlich im Denali Besucherzentrum. Es gibt keine Ausnahmen von dieser Regel. Aus Sicherheitsgründen können Ranger unvorbereitete Wanderer abweisen.

Was kostet der Besuch im Denali?

Der Nationalpark erhebt das ganze Jahr über Eintrittsgebühren. Erwachsene zahlen 15 US-Dollar, Jugendliche bis 15 Jahre sind frei. Zudem gibt es einen Jahrespass für 45 US-Dollar. Er gilt für den Karteninhaber sowie für bis zu drei Mitreisende.

Wer mehrere US-Nationalparks besuchen möchte, für den empfiehlt sich der „America the Beautiful Annual Pass“. Er kostet 80 US-Dollar und erlaubt den Besuch von über 2 000 Erholungsgebieten und Nationalparks. Vier Nationalparks sollten es schon sein, damit sich der Kauf des Passes lohnt. In Alaska sind die Abstände zwischen den schönsten Parks sehr groß. Von daher macht der Pass nur für jene Sinn, die längere Zeit in Alaska sind.

 

Wundere dich nicht über das Datum der Kommentare. Der Beitrag über den Denali-Nationalpark war ein wenig in die Jahre gekommen. Deshalb habe ich ihn grundlegend überarbeitet, vor allem was die Infos zu Übernachtungsmöglichkeiten, Preisen und Touren angeht. 

Möchtest du mehr in dieser Ecke des amerikanischen Kontinent unternehmen? Von Alaska ist es nicht weit nach Kanada. Der Alaska Highway ist eine der wichtigsten Straße zwischen den beiden Nachbarn. Warum diese Straße einmalig ist, hat Gabriela auf Reisen in ihrem Blogbeitrag beschrieben.

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