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Das Ortner’s: Wohlfühluniversum in Bad Füssing

Hallenbad im Ortner's Resort in Bad Füssing

Lang dauert die Fahrt ins „Reich der Sinne“ nicht. Freie Fahrt nach Nürnberg und weiter auf der A3 bis fast vor die Tore Passaus. Dann noch ein Stück Landstraße durch Bauernland, fest verankert in Gottesglaube und Vaterland – schon steht das Auto auf dem Parkplatz des Ortner’s Resort in Bad Füssing.

Das Zimmer ist schnell bezogen, der Begrüßungscocktail auf der Sonnenterrasse flott geschlürft, dann heißt es abtauchen in wohlig-warmem Thermalwasser. Das Spa, gespickt mit goldenen Leuchten, knisterndem Kamin und unverschämt gemütlichen Kuschelliegen, ist das Sahnestückchen des Vier-Sterne-Superior-Hotels in Bad Füssing, jenem Kurort, der in der Champions-League von Europas Thermalbädern spielt.

Fachwerkhaus in Bad Füssinger Ortsteil Safferstetten.
In Safferstetten steht dieses prachtvolle Fachwerkhaus.

Die Geschichte Füssings ist mit dem Ortner verbunden

Es ist eine Mischung aus Alt und Neu, die das Ortner prägen. Auf der einen Seite der Bilderbuch-Bauernhof, wo Bräustüberl, Zirbel- und Gründerstube des A-la-Carte-Restaurants „Wirt z´Füssing“ Platz gefunden haben – ein uriger Bau voller Flair, der 2011 aus Altholz von Bayerischen und Tiroler Almen gezimmert wurde.

Auf der anderen Seite die Thermenwelt mit einem halben Dutzend Pools, Saunen und Wandelgängen mit Ruheliegen, wo man die Zeit komplett vergessen kann. 100 000 Liter Thermalwasser aus eigener Quelle speisen diesen Wellnesstraum täglich, der als größte und schönste hoteleigene Therme Bayerns gilt.

der Naturpool im Garten im Ortner's Resort in Bad Füssing
der Naturpool im Garten des Ortner’s

Als Z’Fiaßing noch ein Kaff war

Die kleine Kapelle zwischen zwei alten Linden auf dem Gelände des Resorts erinnert an jene Zeit, als die Familie Ortner die ersten zaghaften Schritte im Tourismus wagte und entscheidenden Anteil am Aufstieg Bad Füssing zum Primus im niederbayerischen Bäderdreieck hatte.

Ende der 1930er Jahre war „Z’Fiaßing“ noch ein Kaff, ein unbedeutender Weiler mit einer Handvoll Bauernhöfe, die mehr schlecht als recht über die Runden kamen. Womöglich wäre das auch so geblieben, hätte sich hier – zwischen Rott und Inn -nicht ein modernes Märchen ereignet: Mit wissenschaftlicher Gründlichkeit ging die Geologica Bavaria an die Erforschung der Inntal-Erde. Hier müsse doch Erdöl zu finden sein, dachten sich die Staatsdiener.

Thermalwasser aus 1000 Metern Tiefe

Doch bei der Reichsbohrung Nr. 405 fand sich weder das „Schwarzes Gold“, noch Erdgas. Stattdessen stieß man auf 56 Grad heißes Thermalwasser, das aus einer Tiefe von 1000 Metern nach oben sprudelte. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Quelle versiegelt und der Schatz aus dem Schoß von Mutter Erde geriet in Vergessenheit.

der Naturpool im Garten im Ortner's Resort in Bad Füssing
Ein Ort für heiße Sommertage: der Pool mit glasklarem Wasser.

Ein Tourismuspionier namens Franz Ortner

Gefunden wurde das heilkräftige Nass auf dem Feld der „Lindenhof“-Bäuerin Mathilde Wimmer. Deren Schwiegersohn, Franz Ortner, erinnert sich an die Quelle neben dem Vierseithof und fackelt nicht lange: Kurzerhand öffnet er den Bohrverschluss, leitet das heiße Wasser in vorhandene Gruben und modelt gebrauchte Abflussrohre in Sitzwannen um.

Soldaten, die mit schwerem Rheuma aus dem Krieg heimgekehrt sind, pilgern zu der provisorischen Badeanstalt, aber auch KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter aus dem benachbarten Lager Waldstadt. Das Füssinger Wasser scheint ein wahres Wundermittel gegen allerlei Gebrechen zu sein, denn fast alle Badenden verspüren Linderung.

Blick in die Hotelhalle des Ortners's Resorts in Bad Füssing
Viele Details sind für das wohnliche Ambiente im Ortner’s verantwortlich.

In Niederbayern sprudelt Europas stärkste Schwefelquelle

Das Balneologische Institut der Universität München hat der Füssinger Quelle da schon Herausragendes bescheinigt: einen hohen Gehalt an Schwefel, Natrium, Calcium, Chlorid und Kalium-Ionen. Kurz gefasst: Im ziemlich armen Niederbayern sprudelt die stärkste Schwefelquelle Europas.

Das spricht sich schnell rum. Kurort-Pionier Ortner herrscht als Bademeister über ein Freibad aus betonierten Eisenbahnschwellen und provisorischen Wannenbädern. Gleichzeitig empfängt er die ersten Übernachtungsgäste in seiner kleinen Pension, die noch Ende der 40er Jahre in „Lindenhof“ umbenannt wird – nach den alten Linden auf den Hof.

Von der Pension zur Vier-Sterne-Superiorherberge

Wem der Weg hinaus zu Badeanstalt zu Fuß zu weit ist, der fährt wie der Haslinger-Bauer aus Weihmörting mit dem Pferdegespann vor. Zehn Pfennig kostet der Eintritt – eine Investition in die eigene Gesundheit, die sich lohnen wird. Ohne das Füssinger Wasser wäre er nicht so alt geworden, bekennt der Niederbayer viele Jahre später in einem Interview.

Historische Fotografien im Ortner’s

Von all dem erzählt die liebevoll gestaltete Bilderwand mit historischen Fotografien im Ortner’s. Vom Wandel im „Lindenhof“, der sich von einem Garnihotel zu einer Vier-Sterne-Superiorherberge mauserte. Vom Umbruch Füssings, das sich vom Bauerndorf zu einer der besten Spa-Adressen Europas mauserte.

Die Fotowand im Ortner's in Bad Füssing
Die Fotowand im Ortner’s

Zugegeben: Der Ort in der flachen Pockinger Heide hat keine eleganten Gebäude aus der Gründerzeit vorzuweisen, wie es sie in Marienbad oder Karlsbad zu finden gibt. Auch gekrönte Häupter verirrten sich nicht in die 8000-Seelengemeinde, die im Dezember 1969 den Badtitel verliehen bekam. Ein Journalist schrieb Anfang der 1970er Jahre in der Kurzeitung:

In Bad Füssing wurden weder Kaiser noch Könige von ihren Gebrechen geheilt. Hier gibt es wenig Vergangenheit, dafür aber umso mehr Zukunft.

Das Heilbad nennt Europas größte Thermenlandschaft sein Eigen. 12 000 Quadratmeter Wasserfläche finden sind in den drei Thermen, der Therme 1, der Europa-Therme und dem Johannesbad, neben dem Saunahof mit der einzigartigen Kartoffelsauna und unzähligen hoteleigenen Plantschbecken.

Das Ortner’s: ein kleines Dorf um historischen Kern

Die Hallen- und Bewegungsbäder, die Whirl- und Infinitypools auf dem Dach der 2020 eröffneten Thermenwelt sind der Stolz des Ortner’s. Wie bei einem Dorf gruppieren sich die einzelnen Häuser um das spektakuläre Wohlfühluniversum in Bad Füssing, das sich dank Glasfront zum wohlig warmen Außenpool öffnet.

Der ehemalige alte Bauernhof musste weichen; stattdessen kam ein neuer Bau mit historischem Ambiente dazu, wo man sich dank viel Holz wie auf einer Alm fühlt. In der kaum weniger urigen Vinothek gibt es Weine aus Österreich, Deutschland und Italien zu kosten. Mit ihrem Backsteingemäuer erinnert sie an einen Wandkeller.

Die Zimmer im Ortner’s

Die Zimmer, Suiten und Appartements im Ortner’s sind ganz unterschiedlich. Die 26 Quadratmeter großen Zimmer im Haupthaus „Wappen“ sind im Landhausstil eingerichtet; im Haus „Linde“ dominiert Zirben- und Eichenholz. Wir haben eine der stylischen Juniorsuiten ergattert, wo helle Farben dominieren. Akzente in rot und grau hinterm Bett ziehen die Blicke auf sich.

Unser Zimmer im Ortner

Nichts fehlt: Es gibt eine saugemütliche Sofaecke. Die Tasche mit Bademänteln, Slippern und Saunatüchern ist gepackt. Auf dem Tisch steht ein abwechslungsreicher Obstteller. Der Clou aber ist die freistehende Badewanne, in der mühelos zwei Personen Platz finden.

Die Thermenwelt im Ortner’s

Die haben wir während unseres Aufenthaltes im Ortner gar nicht genutzt. Denn warum in eine Badewanne zwängen, wenn ein halbes Dutzend Pool auf einen warten?

Die neue Thermenwelt, erst 2020 eröffnet, ist ein Traum, eine in blau und gold gehaltene Illusion, ein fantastisches Spiegelkabinett, das einem noch ein paar Rätsel aufgibt. Die Auswahl ist einfach riesig. Drinnen gibt es einen 140 Quadratmeter großen Pool mit Event-Leinwand für Live-Übertragungen, ein Thermal-Bewegungsbad, wo zweimal täglich Wassergymnastik angeboten wird, sowie einen ebenfalls wohltemperierten Whirlpool.

Poollandschaft im Ortner's Resort in Bad Füssing

Poollandschaft im Ortner's Resort in Bad Füssing
Traum in blau und gelb: die Poollandschaft des Ortner’s Resort

Vor der riesigen Glasfront liegt der 32 Grad warme Außenpool. Riesig ist auch das Angebot an Saunen, Dampfbädern und Infrarot-Kabine. Durchatmen kannst du in der Salzgrotte; im Kneippgang kommt der Kreislauf in Gang. Dazu gibt es unzählige lauschige Ecken zum Verweilen – da fällt die Wahl fast ein wenig schwer.

Sauna im Ortner's Resort in Bad Füssing
… eine der Saunen im Ortner’s
Sauna im Ortner's Resort in Bad Füssing
…und die Salzgrotte

Wer es an heißen Sommertagen etwas kühler mag, geht im 22 Grad warmen Naturpool schwimmen. Das Wasser ist glasklar, die Liegen und die hölzerne Liegenschaukel mehr als verlockend. Gleich daneben liegt die Terrasse des Restaurant, wo man einen Kaffee oder einen Cocktail schlürfen kann.

Überall gibt es lauschige Ecken zum Chillen

Schwerelos schweben auf dem Dach

Unser Lieblingsplatz waren die beiden Pools auf dem Dach, vor allem abends bei Sonnenuntergang. Im mit Sole angereicherten Infinity-Pool lässt es sich sanft dahingleiten. Im 25 Quadratmeter großen Whirlpool hält man es dank einer Wassertemperatur von 35 Grad selbst an kühlen Tagen aus. Dazwischen liegt die „Alm“, eine Kuscheloase mit gemütlichen Sesseln und Liegen für Zweisamkeit vor dem knisternden Kamin.

Das Essen im Ortner’s

Natürlich entspricht auch das Essen einem Viersterne-Superior-Hotel. Was mir besonders gefallen hat. Die Betreiber des Ortner’s setzen nicht auf ein abendliches Büffet, sondern servieren ein Fünf-Gang-Menü mit verschiedenen Auswahlmöglichkeiten. Es gibt Fleisch, Fisch und ein vegetarisches Gericht, alles in höchster Qualität. Ich war vor allem vom Salatbuffet begeistert: So viele verschiedene Sorten und Kompositionen gibt es selten.

das Restaurant 1846 im Ortner's Resort in Bad Füssing

das Restaurant 1846 im Ortner's Resort in Bad Füssing
… der Blick ins Restaurant 1846.

Das hoteleigene Restaurant “1846” ist ebenso neu wie die Thermenlandschaft. Obwohl es nicht klein ist, schafft eine geschickte Raumaufteilung ein fast schon intimes Erlebnis. Schon beim Frühstück ist Verwöhnen angesagt. Wir fanden eine unglaubliche Auswahl an Brot und Brötchen vor, Käse, Lachs, Wurst, Smoothies, Müsli, Aufstriche, Obst und Gemüse. Und wie es sich für ein Haus in Bayern gehört: Am Samstag gab es einen großen Kessel mit Weißwürsten und süßem Senf.

Direkt angeschlossen ist die stylische Hotelbar mit ihrem ausgeklügelten Lichtkonzept. Tagsüber kann man hier ein paar leichte Gerichte sowie Kaffee und Kuchen genießen. Abends treffen sich hier die Hotelgäste auf einen Cocktail oder ein kühles Bier.

Eine super Adresse für Liebhaber alpenländischer Spezialitäten ist das “z’ Füssing”, das À-la-carte-Restaurant mit seiner urigen Wirtshausatmosphäre. Hier werden Klassiker wie Zwiebelrostbraten, Wiener Schnitzel und Leber serviert, aber auch Käserahmspätzle und Kaiserschmarrn. Letzteren gibt es auch als kleine Portion zum Dessert.

Das Ortner’s Schmankerl

Richtig toll: Das Hotel verfügt über einen eigenen Fuhrpark an E-Bikes, die für eine kleine Gebühr geliehen werden kann. Rund um Bad Füssing gibt es 460 Kilometer ausgeschilderte Radwege, 23 Routen sind mit einem Tiersymbol gekennzeichnet. Highlight im Bäderdreieck mit seinen Klöstern, Kirchen und Aussichtstürmen sind einzelne Etappen des 242 km lange Römerradweges. So kann man beispielsweise von Bad Füssing nach Passau radeln und von dort den Zug zurücknehmen.

Zur Stärkung zwischendurch greift man in den Picknickkorb, den die Köche des Ortner’s morgens gefüllt haben. Drin ist alles, was der hungrige Mensch braucht – belegte Brote, Eier, Obst und Getränke. Nicht mal die Picknickdecke für die Pause im Grün wurde vergessen.

Ich wurde vom Ortner’s eingeladen. Aber mein Urteil wurde dadurch nicht beeinflusst. Wenn ich dem Hotel die Note “sehr gut” gebe, dann ist dies meine persönliche Meinung.

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