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Radeln am Ludwigkanal – ein königliches Vergnügen

Radfahren am Ludwigkanal in Bayern

100 Kilometer sind es von Kelheim in Niederbayern nach Nürnberg in Franken. Mit dem Auto ließe sich diese Distanz mühelos in einer guten Stunde schaffen, doch die schönere und umweltfreundlichere Alternative ist das Rad. Keiner muss sich über volle Straßen quälen oder mit schmalen Streifen neben der Fahrbahn vorliebnehmen, denn es gibt einen bestens ausgeschilderten Radweg: der Ludwig-Donau-Main-Kanal. 

Mit ihm erfüllte sich vor 175 Jahren ein europäischer Traum. Denn der 172 Kilometer lange Kanal verband die beiden Flüsse und schuf so erstmals eine schiffbare Wasserstraße zwischen Nordsee und Schwarzem Meer.

Die Innenstadt von Kelheim am Ludwig-Donau-Main-Kanal
In Kelheim beginnt der Ludwig-Donau-Main-Kanal.

Der Ludwigskanal- das Prestigeobjekt eines Königs

Der LDMK – oder kurz der „alte Kanal“ – könnte man als Prestigeobjekt des damaligen Bayerischen Königs Ludwig I. bezeichnen. Innerhalb eines Jahrzehnts hatten Abertausende Bauarbeiter den insgesamt 172 Kilometer langen Kanal zwischen Bamberg und Kelheim ausgehoben, der die Wasserscheide der Frankenalb überwinden musste.

Kaum war der Kanal „mit all seinen Anlagen und Zubehörungen“ im August 1845 fertig, da war das gute Stück mit seinen exakt 100 Schleusen auch schon veraltet.

Treidelschiffe kontra Eisenbahn

Die Frachtschiffe, die an Seilen von Pferden gezogen wurden, brauchten sechs Tage für die Strecke durch das fränkische Stammland. Die Bahn, fast zeitglich verwirklicht, schaffte es in einem Bruchteil der Zeit.

Das Jahrhundertwerk war ein wirtschaftlicher Flop. Die Ausgaben für den Unterhalt überstiegen in den folgenden Jahrzehnten die Einnahmen bei weitem. Aber erst 1950 wurde der Kanal endgültig aufgelassen.

Radfahren am Ludwig-Donau-Main-Kanal in Bayern
40.000 Obstbäume wurden entlang des Ludwigkanals gebaut. Foto: Geiger/Nürnberger Land Tourismus

Aus Treidelpfaden wurde ein Radweg

Wo früher Frachtschiffe im Schneckentempo vorwärts krochen, herrscht heute die meiste Zeit des Jahres paradiesische Stille. Die alten Treidelpfade, einst schweren Kaltblüter vorbehalten, dienen heute als Radweg.

An schönen Sommertagen kann es schon mal eng werden auf den Pfaden rechts und links des Kanals. Doch im zeitigen Frühjahr oder an nebligen Herbsttagen ist Ludwigs Geschenk an seine Untertanen ein romantisches Relikt aus der Zeit der Industrialisierung.

Dann zieht es nur eine Handvoll Jogger und Wanderer an das stille Gewässer. Die Cafés, die in Schleusenwärterhäuschen eingezogen sind, haben geschlossen, und die verbliebenen Häfen mit ihren handbetriebenen Kanälen sind verwaist. Die wenigen Radfahrer freuen sich über freie Fahrt – wie die Entenfamilien mit ihrem Nachwuchs, die noch nicht Reißaus vor dem Ansturm der Ausflügler nehmen.

Donau und Main, Für die Schiff-Fahrt verbunden, ein Werk von Carl dem Grossen versucht durch Ludwig I Koenig von Bayern,neu begonnen und vollendet MDCCCXLVI

heißt es reichlich pathetisch auf dem Kanaldenkmal am Fuße des Erlanger Burgbergs. Vom Wasser ist hier nicht viel zu sehen; stattdessen regiert grauer Asphalt die Szenerie. Seiner eigentlichen Aufgabe beraubt, verlor der Ludwig-Donau-Main-Kanal nicht nur an Bedeutung; er verschwand auch in großen Teilen.

das Kloster Plankstetten am Ludwigkanal
Südlich von Neumarkt liegt das Kloster Plankstetten.

Zwischen Bamberg und Nürnberg wurde er zugeschüttet und überbaut. Im Altmühltal, wo steile Jurafelsen in den Himmel ragen, wurde sein Bett für den Nachfolger genutzt, den neuen Main-Donau-Kanal, der im September 1992 eingeweiht wurde. Mal ist der alte Graben wegen dichten Bewuchses kaum mehr zu sehen, mal präsentiert er sich wie zu Ludwigs Zeiten.

Der Ludwigkanal in Kelheim

Dass Schleuse 1 in Kelheim steht, sollte sich für weitere königliche Pläne noch als außerordentlich nützlich erweisen: den Bau der Befreiungshalle auf dem Michelsberg. In Kelheim, eine der ältesten und wichtigsten Wittelsbacher Besitzungen, fließen nicht nur Donau und Altmühl zusammen. Auf dem Michelsberg, der 126 Meter hohen Erhebung über dem Mündungsdreieck der beiden Flüsse, lag einst eine keltische Siedlung namens Alcimoennis, eine der größten ihrer Art in Europa.

Kelheims Prunkstück: die Befreiungshalle

Ort und Hügel waren somit ideal für die königlichen Pläne. Denn Ludwig, der Visionär auf dem Thron hatte viele Pläne. Er ging nicht nur daran, die Verbindung von Donau und Main zu verwirklichen. Der weithin sichtbare Rundbau auf dem Michelsberg war ein weiteres königliches Projekt. Er sollte an die siegreichen Schlachten gegen das napoleonische Joch erinnern. Die Befreiungshalle war sozusagen die Ergänzung zur Walhalla, nur etwa 40 Kilometer stromabwärts von Kelheim gelegen.

 

die Befreiungshalle auf dem Michelsberg bei Kelheim.
Bayerns Variante des Pantheons: die Befreiungshalle auf dem Michelsberg bei Kelheim.

Inspiriert von griechischen Vorbildern

Ludwig hatte nicht nur eine Schwäche für die griechische Antike; noch anfälliger war er gegenüber den Reizen der Damenwelt.

Was sich rächen sollte: Als sich Majestät in die Tänzerin Lola Montez verguckte, eine schillernde Person, deren skandalträchtige Abenteuer in ganz Europa für Schlagzeilen sorgten, hatte der Hof genug vom liebestollen Herrscher. Der König musste abdanken, der Bau der Befreiungshalle geriet ins Stocken.

Statt Marmor ein schnöder Ziegelbau

Dem Privatmann Ludwig blieb nichts anderes übrig, als das kühne Bauwerk aus eigener Schatulle zu bezahlen. Hofarchitekt Leo von Klenze, der nach Friedrich von Schinkel als bedeutendster Baumeister des Spätklassizismus auf deutschem Boden gilt und der die Glyptothek sowie die Alte Pinakothek in München entwarf, musste abspecken und auf weniger teure Materialien zurückgreifen.

die Befreiungshalle auf dem Michelsberg bei Kelheim.
Eigentlich ein Ziegelbau: Von weiten sieht die Befreiungshalle wie feinster italienischer Marmor aus.

Was von weitem wie feinster italienischer Marmor aussieht, ist in Wirklichkeit ein schnöder Ziegelbau, der verputzt wurde und einen Farbanstrich verpasst bekam. Der imitiert ein präzise ausgeführtes Quadermauerwerk.

Materialtransport auf dem Ludwigkanal

Herangeschafft wurde das Baumaterial auf dem Ludwig-Donau-Main-Kanal, der im Juli 1846 eröffnet worden war. Das Eisen für den Dachstuhl des 44 Meter hohen Rundbaus inmitten einer parkähnlichen Landschaft. Die Monolithen aus Kalkstein. Die 16.725 Kilo Kupfer, die für die Abdeckung des eisernen Dachstuhls gebraucht wurden. Der Marmor für die Siegesgöttinnen im Innern der Befreiungshalle.

Auch diesen Damen, 34 an der Zahl, wurde eine Diät verordnet. Zwei der 3,2 Meter hohen engelsgleichen Gestalten, die sich als Zeichen ihrer Einheit an der Hand fassen, wurden aus schimmerndem Marmor aus dem Südtiroler Ort Schlanders gefertigt. Beim Rest kam das etwas preiswertere Gestein aus Carrara zum Einsatz.

Die Befreiungshalle leuchtet in Pastelltönen

Ich bin überwältigt angesichts dieses Triumphbaus, bei dem die Zahl 18 von elementarer Bedeutung ist: 18 Kolossalstatuen an der Außenfassade, Allegorien der deutschen Volksstämme. 54 Säulen in toskanischer Ordnung am äußeren Umgang. Ein 6,5 Meter hoher Unterbau, der die Form eines 18-Eckes hat.

Es ist ein sonniger Frühlingstag und Ludwigs vor wenigen Jahren sanierter Prunkbau leuchtet in den zartesten Gelb- und Beigetönen, mit rosafarbenen und grünlichen Einsprengseln.

Fast noch schöner als der Bau ist die Aussicht vom Michelsberg. Auf der einen Seite liegt einem die Donau zu Füßen, auf der anderen Seite könnte man die Altmühl entdecken, wäre sie nicht vom neuen Main-Donau-Kanal „verschluckt“ worden.

Radfahren am Ludwigkanal in Bayern
Wo sich Donau und Altmühl vereinen: Aussicht auf Kelheim von der Befreiungshalle.

In normalen Jahren könnte man der Befreiungshalle aufs Dach steigen, doch wegen Corona bleibt der Aufstieg zur Außengalerie geschlossen. Und auch die blau-weiße Ludwigsbahn, die im Sommer vom Schiffsanleger durch die Altstadt zur Befreiungshalle fährt, ist gerade zur Untätigkeit verdammt. Bräuchte ich ohnehin nicht, denn der Aufstieg ist gut zu Fuß zu schaffen.

Spektakulärer Donauabschnitt: die Weltenburger Enge

Fast ebenso berühmt wie die Befreiungshalle ist die Weltenburger Enge, eine Engstelle der Donau, die zu den 100 schönsten Geotopen Bayerns zählt.

Schon König Ludwig I. war hingerissen von diesem spektakulären Flussabschnitt und erklärte den Donaudurchbruch zum ersten Naturschutzgebiet Bayerns. In der Weltenburger Enge bahnt sich die Donau in einer langgezogenen, spektakulären Schlucht ihren Weg durchs Gestein, eingequetscht zwischen bis zu 80 Meter hohen bizarren Felsformationen. Denen hat der Volksmund so phantasiereiche Namen wie „Die drei feindlichen Brüder“, „Räuberfelsen“ , „versteinerte Jungfrau“ oder „Bischofsmütze“ verpasst.

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In den Felsnischen und -vorsprüngen der senkrecht aufsteigenden Wände lassen sich mit etwas Glück Wanderfalken und Uhus sehen, die dort brüten und ihre Jungen aufziehen. Auch seltene Fischarten wie der Huchen sind im Fluss heimisch.

Das Kloster Weltenburg

Zurück geht dieser spektakuläre Canyon auf ein flaches, subtropisches Meer, das vor 150 Millionen Jahren das Kelheimer Gebiet bedeckte. Korallen und Schwämme bauten ein mächtiges Riff auf, in die sich ein Nebenarm der Ur-Donau vor etwa 200.000 Jahren sein Bett grub.

In der Schlucht verengt sich die Donau auf achtzig bis hundert Meter Breite und erreicht eine Tiefe von etwa zwanzig Meter. An einer der Flussschleifen liegt das Kloster Weltenburg, dessen größte Schätze die überwältigend schöne Asam-Kirche und eine eigene Brauerei sind.

Mein Tipp: Das spektakuläre Naturschauspiel lässt sich auf zwei Arten erleben: zu Fuß oder mit dem Schiff. Rund 13 Kilometer sind es auf der Donau-Wanderroute von Kelheim nach Weltenburg und zurück. Zum Kloster, in dem man auch übernachten kann, setzen die Wanderer per Seilfähre über. Der Weg beginnt an der Schiffsanlegestelle.

Dort starten auch die Ausflugsschiffe. Die Hinfahrt dauert rund 45 Minuten, die Rückfahrt nur 20 Minuten – wegen der Strömung in der Donau. Sonntags gibt es gelegentlich Brunchfahrten.

Im Archäologischen Museum von Kelheim

Bevor ich in die Pedale trete und auf Spurensuche am alten Kanal gehe, statte ich dem ersten „bajuwarischen Baseballspieler“ einen Besuch ab – besser gesagt seinen Überresten. Der Bursche war mindestens 1.90 Meter groß und liegt heute gut geschützt in einer Glasvitrine im Archäologischen Museum der Stadt Kelheim.

Untergebracht ist das Museum, das 1983 mit dem Europäischen Museums-Sonderpreis ausgezeichnet wurde, im historischen Herzogkasten, der Ende des 15. Jahrhunderts aus den Buckelquadern der ehemaligen Burg gebaut wurde und fortan als Speicher für die Abgaben an den Herzog diente.

Das Haus schlägt eine Brücke in die große keltische Vergangenheit Kelheims und zu seinem Oppidum, erzählt von altsteinzeitlichen Jägern während der letzten Eiszeit und vom regen Handel auf Donau und Altmühl, dem Kelheim seinen Wohlstand verdankte.

Illustrationen verdeutlichen, wie unsere Vorfahren vor 80.000 Jahren auf Mammutjagd gingen, vor 20.000 Jahren Werkzeuge fertigten, vor 7.000 Jahren den begehrten Feuerstein abbauten oder vor 3.500 Jahren Bronze gossen. Neben Originalfunden gibt es Rekonstruktionen, wie jener der Grabkammer von Riedenburg. Wer sich nicht mit Schauen begnügen will, für den gibt es Exkursionen und Wanderungen, die das Museum organisiert.

der Ludwig-Donau-Main-Kanal in Bayern
Solches Wetter hätte ich gerne gehabt: am Ludwig-Donau-Main-Kanal. Foto: Geiger/Nürnberger Land Tourismus

Radeln am Ludwigskanal

Es wird Zeit, sich auf den Weg zu machen. Allerdings ist der Wettergott dem Radler nicht sonderlich gesonnen. Das strahlende Blau ist einem regnerischen Grau gewichen, die Temperaturen sind nach unten gerutscht, ein schneidend kalter Wind fegt durchs Tal.

Gut, dass das halbe Dutzend Stofflagen seine Aufgabe erfüllt. Zwiebellook ist angesagt, und es zahlt sich aus, dass Mütze und Skihandschuhe in den Packtaschen gelandet sind.

Der nächste Morgen hält für mich sogar einige Schneeflocken bereit. Da braucht es Überwindung, überhaupt aufs Rad zu steigen. Man könnte das Rad ja auch ins Auto packen und die erste Etappe auf vier, statt auf zwei Rädern zurücklegen, flüstert der innere Schweinehund dem eigenen Ich zu. Doch dann siegt der Ehrgeiz.

Der alte und der neue Kanal vereint

Zum Glück! Denn einmal im Sattel verpufft der Unmut über die Wetterkapriolen. Was sicherlich auch am Reiz des Radweges liegt. So früh im Jahr habe ich den bestens ausgeschilderten Weg für mich allein. Nicht einmal die Enten, die zielstrebig zum Wasser latschen, lassen sich durch den radelnden Zweibeiner stören.

Essing am Ludwig-Donau-Main-Kanal
Im Vordergrund das ruhige Wasser des Kanals, hinten fast senkrecht aufragende, helle Felswände, dazwischen historische Gebäude: Essing im Altmühltal

Der alte Kanal lässt sich höchstens erahnen, wie in Essing mit seinen historischen Gebäuden, das sich an eine fast senkrecht aufragende, helle Felswand schmiegt und von der einstigen Raubritterburg Randeck überragt wird. Im Altmühltal ist Ludwigs Kanal im Nachfolger, dem Main-Donau-Kanal, aufgegangen, dessen Bau in den 1980er Jahren ebenso ambitioniert, wie umstritten war.

Die schönste Burg im Altmühltal: Prunn

Ein paar Kilometer weiter grüßt eine der besterhaltenen Ritterburgen Bayerns. Wie ein Adlernest thront Burg Prunn auf einem Kalksteinfelsen, unnahbar und scheinbar unbezwingbar.

Im Jahr 1037 wurden die Herren von Prunn erstmals urkundlich erwähnt; ihr Heim mit dem wuchtigen Bergfried geht auf das 13. Jahrhundert zurück. Hätte ich mehr Zeit, so würde ich auf dem 11,5 Kilometer langen Rundwanderweg durch die mystisch anmutende Klamm, vorbei an der Kastlhänghöhle zur Burg wandern, wo einst Minnesänger ihr Publikum mit detailfreudigen Szenen von Schlachten und Banketten begeistert haben.

Burg Prunn im Altmühltal am Ludwig-Donau-Main-Kanal
Eine der besterhaltenen Burgen Bayerns: Prunn im Altmühltal

Dass die adligen Besitzer durchaus kunstsinnig waren, zeigte sich 1567, als ein gewisser Wiguleus Hund im Auftrag Albrechts von Bayerns die Geschichte des Herzogtums erforschte und dabei im Gemäuer herumstöberte.

Dabei fiel ihm eine der ältesten erhaltenen Abschriften der Geschichte um Siegfried, Kriemhild und Co in die Hände, der so genannte Prunner Codex aus der Zeit um 1330. Das Nibelungen-Script gehört heute zu den Schätzen der Bayerischen Staatsbibliothek in München.

Bayerische Bilderbuchorte: Dietfurt, Beilngries und Berching

Hinter Berching ist es mit der Zweisamkeit von altem und neuem Kanal endgültig vorbei. Während die neue Schifffahrtstraße nach links abbiegt, steuert der Ludwigkanal brav Richtung Norden.

Zwei besonders schöne Orte, Dietfurt und Beilngries, habe ich bereits hinter mir gelassen  – beides Orte, wo es noch immer die für das Altmühltal so typischen Jurahäuser gibt. Wenn es in diesem Landstrich etwas im Überfluss gab, so war der der Jurastein. Bruchsteine wurden für die dicken Mauern der Häuser genutzt, Kalkplatten – oft als Legschiffer bezeichnet – für die Abdeckung des eher flachen Daches.

Radfahren am Ludwigkanal in Bayern, der Ort Berching
Einer der schönsten Orte am Ludwigkanal: Das mittelalterliche Berching ist das Tor zum Altmühltal.

Lange standen die Jurahäuser für ein ärmliches, feuchtes und rückständiges Wohnen, doch seitdem ein Verein gegen das ramponierte Image dieses baugeschichtlichen Schatzes ankämpft, kommt er wieder zu Ehren.

Keltische Funde unweit des Ludwigkanals

Dass es sich an dem Donau-Nebenfluss gut leben ließ, haben Archäologen durch zahlreiche Ausgrabungen dokumentiert. Die Funde waren so zahlreich, dass hier der größte Archäologiepark Deutschlands entstanden ist.

An 18 Stationen geht es auf Zeitreise zu Neandertalern und Kelten, werden Grabhügelfelder der Bronzezeit und Höhlen gestreift, die als Rastplatz von alt- und mittelsteinzeitlichen Jägern dienten. Die letzte Station ist in Dietfurt zu finden, direkt am alten Ludwigkanal: das vorgeschichtliche Erlebnisdorf Alcmona, das von einem sehr rührigen Verein betrieben wird.

Radfahren am Ludwigkanal in Bayern, das Erlebnisdorf Alcmona
Ein Langhaus wie bei den Kelten: das Erlebnisdorf Alcmona in Dietfurt

Das Erlebnisdorf Alcmona

Ein prähistorisches Wohnhaus hat der Verein rekonstruiert. Unzählige Fichten- und Kiefernstämme wurden für den Bau des Langhauses mit trapezförmigem Grundriss gebraucht. Die Seitenwände wurden aus Weidenrutengeflecht aufgebaut und mit einem Lehm-Stroh-Gemisch verputzt.

Nicht einen Eisennagel haben die „Alcmona“-Mitglieder eingeschlagen, stattdessen wurden Tausende von Holznägel gebraucht sowie 9.000 Holzschindeln, die aus frisch geschlagenen Fichtenstämmen hergestellt wurden.

In den Sommermonaten erwacht das Erlebnisdorf zum Leben. Dann präsentieren Korbflechterinnen ihr altes Handwerk. Bogenbauer zeigen, wie ein funktionsfähiger Jagdbogen hergestellt wird; ein Fibelschmied gießt Gewandspangen aus Bronze – nach Vorlagen aus der Keltenzeit. Beim keltischen Erntefest quillt das Gelände über vor Menschen, denn der Radweg führt in unmittelbarer Nähe vorbei.

Berching am Ludwig-Donau-Main-Kanal
Eine vollständig erhaltene Stadtmauer und 13 Tore: Das ist Berching, das sowohl am alten Ludwigkanal, als auch am neuen Kanal liegt.

Berching, das vollständig von einer Wehrmauer umgeben ist, liegt fotogen zwischen neuem und altem Kanal. Während unweit des Frauenturms die Ausflugsschiffe auf dem Main-Donau-Kanal ablegen, schlummert der Ludwigskanal im Dörnröschenschlaf.

Berching am Ludwig-Donau-Main-Kanal
… und noch ein Bild aus Berching.

Impressionen vom Ludwigkanal

Gelegentlich stehen Angler am Ufer, doch die meiste Zeit bin ich allein auf den alten Treidelpfaden. Die Neuzeit hat der historischen Wasserstraße zugesetzt; Feldwege und Ortsstraßen versperren ihr den Weg, verwandeln das Fließgewässer in rechteckige Becken. Die seien in kalten Wintern außerordentlich beliebt, erzählt eine Mitarbeiterin der Touristinformation. Weil der Ludwigkanal nicht sonderlich tief ist, friert das Wasser im Winter zu –  perfekte Basis für Schlittschuhläufer und Eishockeyspieler.

An der Scheitelhaltung des Ludwigkanals

Der schönste Abschnitt des Kanals beginnt hinter Neumarkt in der Oberpfalz, wo die höchste Kirche des Bistums Eichstätt steht – eine Kirche mit Knick, wie sich im Innern des Gotteshauses zeigt.

Einige Impressionen vom Ludwigkanal, die Bilder wurden mir freundlicherweise von Nürnberger Land Tourismus zur Verfügung gestellt. 

 

An der Scheitelhaltung zwischen Schleuse 32 und 33 wiegt sich Schilf elfengleich im Wind. Entlang der Dämme, die mit dem angefallenen Aushub aufgeschüttet wurden, blühen im Frühjahr Abertausende von Obstbäumen.

Die waren und sind nicht nur schön anzusehen, sie erfüllten auch einen volkswirtschaftlichen Zweck: Zum einen versorgten sie die ländliche Bevölkerung mit lebensnotwendigen Vitaminen, zum anderen wurde der Ertrag versteigert und der Erlös kam der Betriebsgesellschaft zu gute.

Ein Kanalschiff namens „Elfriede“

Burgthann hat nicht nur ein Kanalmuseum in seiner Burg, der Ort hat vor allem seine „Elfriede“. Das Treidelschiff mit dem schwarzen Rumpf erinnert an jene Epoche, als der Ludwig-Donau-Main-Kanal noch eine wichtige Wasserstraße war, als alles auf ihm transportiert wurde, was der Mensch zum Leben braucht.

Als 1995 der 150. Geburtstag des Kanals anstand, kam das zuständige Wasserwirtschaftsamt auf die Idee, Treidelfahrten vom Gasthaus „Zum Ludwigskanal“ bis zum Dörlbacher Einschnitt anzubieten. Wichtigste Person neben Kaltblüter „Florian“: Kapitän  Richard Spiegel, der von Anfang an dabei ist.

das Treidelschiff "Elfriede" auf dem Ludwig-Donau-Main-Kanal
Nachfolger der Schlagrahmdampfer: das Treidelschiff „Elfriede“ auf dem Ludwig-Donau-Main-Kanal.

Viel lenken muss er nicht – schließlich passt die „Elfriede“ grad so in den Kanal -, dafür ist er Conférencier und Stimmungskanone in Personalunion. Essen und Getränke gibt es während der 45-minütigen Fahrt nicht, und auch die Bierbänke sind nicht übermäßig bequem, doch bei Besuchern aus nah und fern sind die Bootstouren beliebt, die von Mai bis September an jedem ersten Sonntag im Monat angeboten werden.

Die Schlagrahmdampfer auf dem Ludwigkanal

Dass der Kanal auch touristisch genutzt wird, hat übrigens Tradition. Überliefert sind die Geschichten der „Schlagrahmdampfer“, mit denen Fürther und Kronacher Gastwirte ihr Geschäft ankurbelten.

Radfahren am Ludwig-Donau-Main-Kanal
Eine der Trogbrücken des Ludwigkanals.

Für ein paar Pfennige ging es mit der „Antonia“, der „Karl“ oder der kleineren „Hansi“ hinaus aus der Stadt, zu Kaffee und Kuchen mit einer ordentlichen Ladung Sahne obendrauf. Bei Genuss von mindestens einem Kännchen Kaffee war das sonntägliche Vergnügen sogar kostenlos.

Der Brückkanal: Wahrzeichen des Ludwigkanals

Von Burgthann sind es nur noch wenige Kilometer bis zum wohl markantesten Bauwerks des Ludwigkanals, dem Brückkanal bei Feucht. In 17,5 Meter Höhe überspannt er die wildromantische Schwarzachklamm. Die 90 Meter lange, kühne Konstruktion besteht aus sorgsam behauenen Sandsteinquadern.

Das Innere im Brückkanal am Ludwig-Donau-Main-Kanal in Bayern
Ein Blick ins Innere des Brückkanals bei Feucht.

Ein Wunderwerk mit Tücken

Doch das Wunderwerk der Ingenieurskunst war – wenn nicht auf Sand- so aus toniger Erde gebaut. Mit ihr hatte Baumeister Pechmann auf der Südseite den Raum zwischen den Flügelmauern verfüllen lassen. Nach der ersten Wasserung des Kanals 1843 quoll sie auf und drohte, die Außenmauern zu sprengen.  Die massiven Pfeiler mussten abgerissen werden. So entstand der Brückkanal neu, mit einem verborgenen Inneren, das einer gotischen Kathedrale gleicht.

Zu diesem Zeitpunkt hatte König Ludwig das Interesse an seinem Wunschtraum schon verloren, das – wie könnte es auch anders sein – deutlich teurer als geplant kann. Zur Einweihung des Projekts im Juli 1846 in Erlangen ließ sich der König schon gar nicht mehr blicken. Knapp zwei Jahre später musste er den Thron räumen.

Nürnberg
In Nürnberg endete meine Radtour entlang des Ludwigkanals.

Nachschlag gefällig? Der Fünf-Flüsse-Radweg

Die Fahrt entlang des Ludwig-Donau-Main-Kanals ist Teil des Fünf-Flüsse-Radweges, der in fünf Etappen mit einer Länge zwischen 31 und 75 Kilometer durch den Norden Bayerns führt. An der Route liegen Nürnberg, Amberg, Regensburg, Kelheim und Neumarkt in der Oberpfalz. Steigungsarm und fernab vom Verkehr ist er ein Erlebnis für die ganze Familie. Mit Hilfe von Freizeitbussen und Personenschiffen lassen sich die Touren individuell planen.

Wenn du mehr über eine Fahrt zum Kloster Weltenburg und durch den Donaudurchbruch erfahren möchtest, dann schau bei meiner Bloggerkollegin Renate von rausinsleben vorbei. 

 

  1. […] Mit den Aufenthalten in Nürnberg und Bamberg eingerechnet, dauerte unsere Fahrt über den Kanal rund zwei Tage. Tipp: Am Ludwigkanal lässt es sich gut radeln. Mehr über die Orte und den Radweg erfährst du bei Roswitha auf ihrem Blog Bruder auf Achse. […]

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