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Myanmar: durch das Land der Pagoden

Ballonflug über Bagan in Myanmar

Ein Land versinkt im Chaos: Myanmar, das frühere Burma, stand für ein ursprüngliches, zeitloses Asien. Doch jetzt bestimmen Bilder von Militärs, die auf protestierende Bürger schießen, die Schlagzeilen. Myanmar – das ist in vielen Ecken noch so, wie der Nachbar Thailand einst war. Rückblende auf eine außergewöhnliche Reise.

Pilgern auf den Popa Taung Kalat

Es kann nichts schaden, etwas für sein Karma, das Lebenskonto der guten Taten zu tun. Am Popa Taung Kalat unweit der alten burmesischen Königsstadt Bagan hat der reuige Sünder reichlich Gelegenheit zur Buße für begangene Missetaten. Sein Streben: dem Nirvana, dem Ort der Erlösung näher zu kommen.

Eigentlich sind die 777 Stufen, die zu dem goldglänzenden Tempel auf dem weithin sichtbaren Vulkankegel führen, schon herausfordernd genug – vor allem in brütender Mittagshitze, wenn die Sonne erbarmungslos auf das weite, flache Land hernieder brennt.

Doch das Heer aus fliegenden Händlern, Tempelwächtern und Treppenputzern, die einem alle paar Meter ein forderndes „Donation“ zuraunen, würde wohl selbst einen friedlichen Genossen, wie Gautama Siddharta es gewesen sein soll, auf mörderische Gedanken bringen.

Myanmars Schutzheilige: die Nats

Nur gut, dass selbst gläubige Buddhisten die Lehre ihres Meisters, alles und jeden zu lieben und mit Respekt zu begegnen, nicht immer wortwörtlich nehmen. Der Mann, der mittels Steinschleuder die ziemlich aufdringliche, zudem noch liebestolle Affenbande zu vertreiben versucht, passt jedenfalls nicht zum Bild des friedlichen, selbstlosen Buddhismus. Die pompös herausgeputzten, lebensgroßen Figuren mit menschlichem Antlitz, denen die Besucher den ein oder anderen Geldschein zustecken, noch weniger.

Auf dem Popa Taung Kalat in Myanmar liegt ein Nat-Heiligtum
Auf dem Popa Taung Kalat liegt ein Nat-Heiligtum.

Doch die Nats, die Dämonen und Geister einer animistischen Religion verkörpern, haben einen festen Platz im buddhistischem Weltbild. Sie sind Anlaufstelle, wenn es mit Kind und Karriere nicht klappt. Eine kleine Spende genügt – schon rückt der Ausstieg aus dem Kreislauf aus Geburt und Wiedergeburt und der Ort der Erlösung näher.

Pilgerfahrt für das eigene Karma

Die Gegend rund um den Mount Popa, von Bagan aus bequem per Tagesausflug zu erreichen, ist wahrlich sagenhaft. Wie ein überdimensionierter Maulwurfshügel ragt der Taung Kalat, ein erloschener Vulkan, aus der unendlich erscheinenden Weite der zentralburmesischen Landschaft heraus.

Auf seinem Plateau thront abweisend die Tuyin Taung-Pagode. Die Legende besagt, dass hier die Schutzheiligen Myanmars zu Hause sind. Entsprechend groß ist der Andrang in dem kleinen Pilgerdorf am Fuße des Vulkankegels. Mir reicht schon der Anblick der überaus steilen Stufen und die Horden von Affen, die ausgesprochen aggressiv etwas Leckeres einfordern.

Auf dem Popa Taung Kalat in Myanmar liegt ein Nat-Heiligtum
… ein anderer Blickwinkel auf den Popa Taung Kalat

Barfuß zur Pagode

Doch was tut man nicht alles für sein Karma. Entschlossen quäle ich mich Stufe für Stufe nach oben, entledige mich meiner Strümpfe und Schuhe –weil man sich heiligen Stätten aus welchen Gründen auch immer barfuß nähern muss – und komme nach einer gefühlten Ewigkeit, in Erwartung eines baldigen Hitzschlags bei Myanmars Schutzheiligen an.

Ganz schön wilde Gesellen, diese Glücks- und Segenbringer. 37 Exemplare haben sich hier oben versammelt – Nats mit hohem Rang, andere aus der Zweiten Liga, manche schön wie die Nacht, andere hässlich wie der Tod. Mittendrin die Popa Medaw, die so übernatürlich schön gewesen sein soll, dass es ihr selbst zu viel wurde. Weshalb sie Buddha auf ihren Wunsch hin in eine Dämonin verwandeln musste.

Doch ein Krieger mit übernatürlichen Kräften ließ sich nicht täuschen. Die beiden verliebten sich, bekamen Zwillinge und hätten bis ans Ende ihrer Tage glücklich sein können, wenn es das Schicksal gewollt hätte. Erst verlor die schöne Popa ihren Lover, dann ihre Kinder; zuletzt starb sie an Herzschmerz. Ihre Familienmitglieder gelten heute als große Schutzheilige und sind nach 100 Metern Aufstieg lebensgroß in einem heiligen Schrein zu sehen.

auf dem Markt von Bagan in Myanmar

auf dem Markt von Bagan in Myanmar
…auf dem Markt von Bagan

Bagan: Myanmars gigantische Tempelstadt

Sollte es am „Blumenberg“ nicht mit der Aufhübschung des Karmas klappen – weil homo sapiens allzu belustigt die Begattungsversuche seiner nahen Verwandten verfolgt oder die „Donations“-Scheine knapp werden: In dem Land zwischen Himalaya und dem Golf von Bengalen, zwischen Indien und Thailand ist die nächste Pagode, der nächste Tempel nicht weit.

Buddhastatue in einem Tempel in Myanmar
Überall präsent: Buddhastatuen

1.000 Jahre Geschichte

Die steinernen Zeugnisse der Frömmigkeit ragen aus Erdnussfeldern und Akazienwäldern hervor, lugen mit ihren goldenen Spitzen aus Palmyra-Palmenhainen heraus, krönen mit ihrer imposanten Erscheinung jeden noch so unscheinbaren Hügel. Allein in Bagan, wo Großkönig Anawrahta im 11. Jahrhundert den Grundstein für eine der größten buddhistischen Metropolen der Welt legte, geht ihre Zahl in die Tausende.

Ganz friedlich ging es schon damals nicht zu: Auf dem Kriegszug gen Süden hatte der Herrscher Reliquien und kanonische Schriften geklaut, und die Elite des unterlegenen Königreichs von Thaton kurzerhand versklavt. Die Steinmetze und Stuckateure, die Eisen-, Silber- und Messingschmiede, die Glockengießer und Vergolder kamen ihm äußerst gelegen, um seiner neuen Hauptstadt ihr sakrales Gesicht zu geben.

Die Stadt der vier Millionen Pagoden: Bagan in Myanmar
Die Stadt der vier Millionen Pagoden: Bagan

Eine Hauptstadt für 200.000 Menschen

200.000 Menschen sollen einst in dieser monumentalen, 42 Quadratkilometer großen Tempelstadt gelebt haben. Heute sind es nur noch ein paar Tausend, die mit und von dieser surreal schönen Szenerie leben. Bis zum Horizont nur Tempel, Pagoden, Akazien und Gräser. In Sichtweite des milchig braunen Bandes des Irrawaddy, Myanmars wichtigster Lebensader, schütteten die Erbauer vor gut 1.000 Jahren ein Füllhorn architektonischer Ideen über diesem regenarmen, verdorrten Landstrich aus.

Stufenpyramiden und Tempeltürme

Sie überzogen ihn mit Stufenpyramiden, vergleichbar einer Hochzeitstorte. Sie verpassten ihm indisch anmutende Tempeltürme, deren goldene Spitzen den Berg Mehru symbolisieren, das topographische Zentrum des Universums. Und überall begegnet man gütig lächelnden Buddha-Figuren, Schutzwächtern in Löwengestalt und dickbäuchigen Natsgestalten.

... einer der vielen Tempel in Myanmar
… einer der vielen Tempel in Myanmar

Bagans Pagodenrausch verzaubert, nicht allein wegen der schieren Zahl, der unglaublichen Größe dieser himmelwärts strebenden Traumgebilde. Die Architektur entzückt wegen der formvollendeten Proportionen und der berührenden Verzierungen. Glasierte Terrakottatafeln erzählen Legenden aus den vielen Leben des weisen Mannes. Dämonenköpfe, Glücksgöttinnen und Fabelwesen starren auf die Betrachter herab.

Ganz uneigennützig gaben sich König Anawrahta und seine Nachfolger nicht dem Bauwahn hin: Jeder Tempel brachte ihnen Pluspunkte fürs Lebenskonto ein. Noch heute zeigen sich die Burmesen großzügig, wenn es gilt, eine Ehrenrunde im Kreislauf der Wiedergeburten zu verhindern. Gelegentlich schießen sie aber über das Ziel hinaus – wie jener reiche Spender, der moderne Lichttechnik installieren ließ, um Buddhas Heiligenschein wie ein psychedelisch anmutendes Feuerwerk aufblitzen zu lassen. Die Pagodenverwalter sehen das nicht gerne, „aber die Leute wollen es“, bestätigt einer hinter vorgehaltener Hand.

ein Ochsenkarren in einer ländlichen Gegend von Myanmar
Ein gewohntes Bild auf dem Land: Ochsenkarren

Per Rad oder Kutsche zu den Tempeln

Die Stadt der vier Millionen Pagoden: So wurde Bagan einst bezeichnet. Das ist zwar mächtig übertrieben, doch um die 3.000 sollen es noch immer sein.

Die Stadt selbst ist verhältnismäßig klein – kein Vergleich zu den Millionenmetropolen Mandalay oder Yangon, das einst Rangun hieß. Doch mir wird schnell klar, dass ich auf ein Fortbewegungsmittel angewiesen bin, wenn ich die Shwezigon-Pagode, den Htilominlo-Tempel oder den Ananda-Tempel sehen möchte, von dem einige behaupten: Habe man ihn nicht gesehen, so sei man nicht in Bagan gewesen.

Mittagsessen in einem Restaurant in Bagan

Ich leihe mir ein altersschwaches Fahrrad, das in Deutschland sicher auf dem Sperrmüll gelandet wäre, und stelle überrascht fest: Die alte Rostlaube auf zwei Rädern erweist sich als ausgesprochen stabil und macht selbst in sandigem Geläuf nicht schlapp. Zudem ist sie spottbillig. Für den Tagespreis hätte ich in Deutschland nicht einmal eine Kugel Eis bekommen.

Wer es etwas gemütlicher mag, der kann sich eine Pferdekutsche samt Fahrer mieten. Für wenig Geld kutschiert er seine Passagiere einen Tag lang durch das Unesco-Weltkulturerbe. Er wartet geduldig an den einzelnen Tempeln und versorgt seine Kunden in radebrechendem Englisch mit Anekdoten und Geschichten.


Extratipp: Für den Besuch der archäologischen Stätten in Bagan wird ein einmaliger Eintrittspreis von 15 US-Dollar fällig. Das Ticket gilt fünf Tage und kann beispielsweise am Flughafen oder bei der Anreise mit dem Bus an einem dafür vorgesehenen Schalter erworben werden. Kontrolliert wurde es nie, doch das sollte keinen dazu verführen, sich als Pfennigfuchser aufzuführen.


Das Highlight des Tages: die „goldene Stunde“ in Bagan

Wenn sich der Tag zu Ende neigt, beginnt die Ralley Bagan, der Wettlauf um den besten Logenplatz für den Sonnenuntergang. Noch vor zwei Jahren war dieses Bild alltäglich: Pferdekutschen holperten über unbefestigte Pisten. Busse zogen Staubfahnen hinter sich her. E-Roller strebten mit schlingernden Rädern dem Ziel entgegen. Ein Strom aus Menschenleibern quälte sich die schmalen Stufen zur Shwesandaw-Pagode hinauf, brachte sich bewaffnet mit Profikameras und Smartphone in Position, um ja nicht den schönsten Augenblick zu verpassen.

Pagode in Bagan in Myanmar
Mittlerweile ist es verboten, auf die Pagoden zu klettern.

2019 wurde die Tempel-Kletterei verboten

Mittlerweile sind die Tage der Selfies vom Sonnenuntergangs-Spotting gezählt. Ein Video von tanzenden und feiernden Menschen, einige recht dürftig bekleidet, erzürnte das zuständige Ministerium so sehr, dass es 2019 die Kletterei komplett verboten hat.

Statt auf Tempel geht es zur „goldenen Stunde“ nun auf Hügel: Scherenschnitten gleich zeichnen sich die schlanken Türme und glockenförmigen Stupas am Horizont ab. Weißgetünchte Tempel tauchen wie Geister aus dem Grün der Felder auf. Links und Recks lecken goldene Spitzen am Himmel und der Wind trägt das Geläut tausender Glöckchen, den „hti“ herüber.

Ganze Familien posieren fürs Selfie vor der göttlichen Tuschemalerei. Selbst die Mönche in ihren roten Kutten, die zuvor noch im überirdisch anmutenden Ananda-Tempel inbrünstig gebeten haben, verfallen angesichts des göttlichen Schauspiels in den Knips-Modus.

Teurer Spaß, aber ein unvergessliches Erlebnis: eine Ballonfahrt über Bagan in Myanmar
Teurer Spaß, aber ein unvergessliches Erlebnis: eine Ballonfahrt über Bagan.

Ballontreffen am Himmel über Bagan

Ähnlich der Welt entrückt präsentiert sich Bagan bei einer morgendlichen Ballonfahrt. Die hat ihren Preis (zwischen 300 und 400 US-Dollar), zwingt Langschläfer zu unchristlicher Zeit aus dem Bett, aber ich hätte es mein Leben lang bereut, diese göttliche Inszenierung verpasst zu haben.

Lag es am mangelnden Schlaf, oder kann es in Burma wirklich so kalt werden? Als ich gegen 4.30 Uhr in meinem Hotel abgeholt werde, ist es stockdunkel und sternenklar – und bitterkalt. Was für ein Glück, dass ich Mütze, Schal, selbst Handschuhe eingepackt habe.

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Am Startplatz empfängt uns ein eine Art „Indiana Jones“, der uns die wichtigsten Verhaltensregeln für die Fahrt verklickert. Einige sind alte Hasen, die schon über das Outback und Kappadokien geschwebt sind; andere bekommen schon beim Anblick des geflochtenen Korbes weiche Beine.

Doch all das ist vergessen, als die Gasbrenner gezündet werden und sich die riesige Hülle aufrichtet. Ganz sanft geht es anschließend nach oben. Zu hören ist allenfalls das zischende Geräusch des Brenners. Ein kühler Luftzug kitzelt an meiner Nase. Das anfängliche Geschnatter weicht meditativer Stille, während die Nacht langsam Platz für den Tag macht.

Impressionen von der Ballonfahrt in Bagan

Mit Macht schiebt sich ein unwirklich leuchtender Sonnenball im Osten empor, der die Landschaft in ein mystisches Licht hüllt. Goldene Spitzen schälen sich aus dem Dunst heraus, der wie Wattebäuschchen über dem Landstrich liegt. Ihnen folgen Pagoden, Tempel und Stupas in warmen Backsteintönen. In der Ferne ist der Irrawaddy mit seinem fruchtbaren Schwemmland zu erahnen; unter uns liegen Bäume, Büsche und einige Hütten, in denen das Leben erwacht ist.

Eine Urkunde und ein Glas Sekt

Ein paar Dutzend Ballons sind an diesem Morgen aufgestiegen, manövrieren von einem Bilderbuchmotiv zum nächsten. Im Korb herrscht andächtige Stille angesichts dieses überirdisch schönen Spektakels. Die Stunde geht viel zu schnell vorbei, der fortschreitende Tag holt mich in die Gegenwart zurück. Zum Schluss gibt es das unverzichtbare Erinnerungsfoto, ein Glas Sekt und eine Urkunde. Und die Gewissheit, dass dies nicht die letzte Ballonfahrt war.

Blick vom Mandalay Hill in Myanmar
Blick vom Mandalay Hill

Nach Mandalay: die Metropole im Norden Myanmars

Auf dem Weg nach Mandalay, der Metropole mit dem schön klingenden Namen, wird mir einmal mehr klar, wie alt und gleichzeitig jung das Land ist. Ein Land in Traditionen verhaftet und doch mitten im Aufbruch in eine neue Zeit. Wenn die Morgensonne Burmas letzte Hauptstadt wachküsst, pilgern Junge und Alte zum Mandalay Hill, der der Millionenstadt zu seinen Füßen ihren Namen gab.

Auf dem Mandalay Hill

„Where are you from“, möchte eine fröhliche junge Frau wissen, die ihr Gegenüber anstrahlt, als stünde sie dem Erleuchteten höchstpersönlich gegenüber. Während ihre Freundinnen kichernd dieses Alien vom Planeten Nirgendwo betrachten, das sich keuchend und schwitzend die nicht enden wollenden Treppen hochschleppt, erzählt sie von ihrem Heimatdorf unweit der Grenze zu China, von ihrem Lehramtsstudium und dem Traum, einmal über die Champs Élysée zu schlendern.

Die Shwenandaw Pagode in Mandalay in Myanmar
Die Shwenandaw Pagode in Mandalay ist das einzige Gebäude, welches vom alten Königspalast in Mandalay übrig geblieben ist.

Wäre da nicht die gelbliche Paste im Gesicht – man könnte die lebenshungrige Studentin glatt für eine Touristin aus Fernost halten, die für Adele schwärmt, aber auch eine fremd, aber irgendwie faszinierend klingende Rockband aus Thailand schätzt. Ob Buddha angesichts all der unverschämt munteren, plappernden Spaziergänger und Mountainbiker wirklich glauben kann, dass alles Dasein leidvoll ist?

Die Mahamuni Pagoda ist eines der Schmuckstücke in Mandalay in Myanmar
Die Mahamuni Pagoda ist eines der Schmuckstücke in Mandalay. Die Buddhafigur ist wegen des vielen Goldes mittlerweile ganz unförmig.

Yangon: Kolonialarchitektur und Pagodenglanz

In Yangon, der ehemaligen Hauptstadt, lässt sich der Zwiespalt des tiefgläubigen Landes zwischen gestern und morgen besonders intensiv erleben. Im Stadtbild duckt sich britische Kolonialarchitektur neben modernen Hochhäusern, ein paar Schritte weiter blendet der Goldglanz einer buddhistischen Pagode das Auge.

Koloniale Architektur in Yangon in Myanmar
Koloniale Architektur in Yangon

Sicher ist die größte Stadt des Landes nicht Bangkok, schon gar nicht Shanghai oder Singapur. Dafür gibt es zu viele verlotterte Häuser mit wabenartigen Balkonen und runden Fenster. Doch ein rückständiges Dorf ist die einstige Hauptstadt auch nicht, die ihren Status 2005 an die Retortenstadt Naypyidaw verlor.

PS-Protze mit dem Stern neben dem Ochsenkarren. Junge Burmesinnen im Minirock, die in hippen Bars einen Cocktail schlürfen, und alte Frauen, die zum Schutz vor der Sonne ihr Gesicht mit der Paste des Thanaka-Baumes eingerieben haben. Exklusive Boutiquen mit Designermarken und Menschen in traditionellen Wickelrock. In Rangun ballen sich die Kontraste dieses Landes.

Die Shwedagon Pagode: das Wahrzeichen von Yangon in Myanmar
Die Shwedagon Pagode: das Wahrzeichen von Yangon

Die Shwedagon: der Nabel der Welt für die Burmesen

Eines aber bleibt bei all dem Wandel vermutlich noch für die nächsten 1.000 Jahre bestehen: das Treiben an der Shwedagon-Pagode, das Wahrzeichen Yangons. Die 99 Meter hohe Stupa, der Überlieferung nach schon vor 2.500 Jahren erbaut, ist für die 54 Millionen Burmesen der Nabel der Welt, nicht mehr und nicht weniger.

Die Shwedagon Pagode: das Wahrzeichen von Yangon in Myanmar

Gold und Diamanten an der Pagode

Wenn der Abend hereinbricht funkelt das unvergleichliche Bauwerk wie ein Diamant. Dann pilgern Hunderte zu dem Heiligtum, gedenken ihrer Vorfahren und zollen Buddha Ehre, von dem die acht Haare im Innern stammen sollen. Im Uhrzeigersinn umrunden sie die glockenförmige Stupa, entzünden Räucherstäbchen und legen Blumen nieder.

Mönche und Nonnen in roten Roben beten inbrünstig. Alte Greise am Stock und kleine Kinder reihen sich in den Zug ein, ganze Familien, die lange Wege auf sich nehmen. Es gibt so viele Nebentempelchen und Mini-Stupas, Nischen und Türmchen, dass man vermutlich eine ganze Woche bräuchte, um sie alle zu erkunden.

Eine Pagode in Yangon in Myanmar

Mitten auf einer Kreuzung in Yangon im Myanmar: eine Pyramide

Mitten auf einer Kreuzung in Yangon im Myanmar: eine Pyramide
Mitten im tosenden Autoverkehr von Yangon: goldglänzende Pagoden

Myanmars Fort Knox

Die Shwedagon ist mehr als ein nationales Symbol. Sie ist Myanmars Fort Knox. Zwischen neun und 60 Tonnen Gold sollen die Baumeister verbraucht haben. Allein im Regenschirm sind es laut einer Broschüre über eine halbe Tonnen- neben den 5.500 Diamanten, Abertausenden Rubinen, Saphiren und anderen Edelsteinen. Und jährlich wird es mehr, denn überall wird Blattgold verkauft, das seinen Weg an die Pagode findet. Den Weg ins Nirvana gibt es nicht umsonst.

Myanmar: Zurück zur Zukunft

Und jetzt? Die Bilder der vergangenen Monate aus Burma verstören. Ein Land, das sich erst spät dem Tourismus geöffnet hat, versinkt im Blut. Machtgeile Militärs greifen nach der Macht. Die Freiheitsikone sitzt in Haft. Auf den Straßen regieren die Schlagstöcke.

Eine Schule im ländlichen Myanmar.
Was wird die Zukunft bringen? Besuch in einer Schule im ländlichen Myanmar.

Ich glaube nicht, dass man den Drang nach Freiheit auf Dauer niederknüppeln kann. Mir bleiben andere Bilder im Gedächtnis –von den gramgebeugten Greisinnen, die sich am Popa Taung Kalat die Stufen hochschleppen, von kahlgeschorenen Mönchen im Powerwalkingtempo, von fröhlich kichernden jungen Burmesinnen in Jeans oder Leggins, deren Träume sich kaum von denen Ihrer Altersgenossen rund um den Globus unterscheiden. Myanmar mag zwar kein Land der Seligen sein, doch gut fürs Karma ist es bestimmt.

Wenn du mehr über Myanmar erfahren möchtest, dann empfehle ich dir den Reiseblog planet2go. Südostasien-Fan Gudrun nimmt dich zu den schönsten Plätzen mit – zum Inle-See, zum Ngapali Beach und zur längsten Teakholzbrücke der Welt.

 

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