Bruder auf Achse

Ins Herz des Inkareiches

Blick auf die peruanische Ruinenstadt Machu Picchu

Miguel, der junge Peruaner, hatte mich ja gewarnt: „Cusco ist atemberaubend, raubt manchem Europäer aber auch buchstäblich den Atem“, hatte mir der Indio schon kurz nach der Landung in der Andenmetropole eingebläut. In wenigen Stunden von der Hauptstadt Lima – rund 160 Meter über dem Meeresspiegel – ins Herz des Inkareiches auf 3399 Meter: Da macht selbst so mancher trainierte Körper schlapp. Doch wenn nur zwei Tage Zeit bleiben – für Kathedrale, die malerische Gasse Callejon de Loreto und die imposante Ruine Sacsayhuamán-, setzt bei manchem der Verstand aus. Den Marsch durch die Straße der sieben Schlangen, zur riesigen Plaza de Armas und den unzähligen Kirchen, von denen eine größer und prächtiger als die andere ist , bereue ich abends heftig. Der Kopf schmerzt wie nach einem entarteten Saufgelage, der Magen rebelliert, das Herz pocht und klopft, als wäre der Säbelzahntiger hinter mir her. An erholsamen Schlaf ist nicht zu denken. Für einen Augenblick liebäugle ich damit, mir das Sauerstoffgerät unter den Nagel zu reißen, das die Herberge vorsorglich für all die uneinsichtigen Touristen bereithält. Wie sagte Miguel so schön: „Wir Peruaner sprechen ein ziemlich langsames Spanisch; das liegt an der Höhe der Anden; unser Gehirn wird da nicht mit genügend Sauerstoff versorgt.“

Cusco in Peru
Cusco ist eine der schönsten Städte Perus und gleicht einem aufgeschlagenen Geschichtsbuch.

Immerhin scheint die Sauerstoffversorgung des Oberstübchens am nächsten Tag wieder zu klappen. Schwindelgefühle und Kopfschmerzen sind weg, Übelkeit und Atemnot nur noch eine vage Erinnerung. Oder liegt es am „Nabel der Welt“ höchstselbst, wie die Inkaherrscher die Siedlung am Zusammenfluss von Chunchullmayo, Tullumayo und dem Huatanay bezeichneten? Für Backpacker und Studienreisende ist Cusco oft nur Durchgangsstation – auf ihrem Weg nach Machu Picchu, ins Heilige Tal mit seinen Bilderbuchlandschafen aus bunt gesprenkelten Feldern, verschlafenen Andendörfern und schneebedeckten Bergen oder zum Titicacasee mit seinen schwimmenden Binseninseln. Dabei zieht die alte Inka-Hauptstadt jeden in ihren Bann, weil sie einem aufgeschlagenen Geschichtsbuch gleicht: Über die schmalen, steingepflasterten Straßen zogen einst die Läufer-Stafetten, die Nachrichten aus allen Teilen des riesigen Reiches in die Hauptstadt brachten. Die mächtigen Steinmauern, die passgenau, ohne Mörtel aufgetürmt wurden, künden von der einmaligen Präzisionsarbeit ihrer Erbauer; sie erzählen aber auch vom Glanz der Inka-Metropole, wo bis zu 20 000 Menschen gelebt haben sollen. Das Haus der Sonnenjungfrauen, der Palast der Herrschers Huayna Capac und der Sonnentempel sind zwar verschwunden, weil die spanischen Eroberer solche „Götzenbauten“ platt machten. Doch die von Gold und Silber strotzenden Kirchen und Klöster – Symbol der Christenheit und Zeichen der Kolonialmacht – stehen auf alten Fundamenten.

Die Kathedrale von Cusco in Peru
Die Kathedrale von Cusco wurde auf Fundamenten aus der Inkazeit erbaut.

Solche Zeitkapseln betritt man in Cusco nicht nur an zwei oder drei Ecken. Wer mit offenen Augen durch die Gassen schlendert, stolpert im centro historico praktisch überall über das Erbe der Inkas. Und nicht nur über deren Hinterlassenschaft: Die riesigen blau getünchten Holztore, hinter denen sich verwunschene Hinterhöfe verbergen, sowie die schmucken Holzbalkone im ersten Stock, die bis heute das Bild des Hauptplatzes prägen, brachten die Spanier mit – ebenso wie die handgefertigten Dachziegel.

Blick auf Cusco in Peru
Für die Inkas war Cusco inmitten gewaltiger Berge das Zentrum des Universums.

Cusco, seit 1983 Weltkulturerbe der UNESCO, ist ein Rausch für alle Sinne. Die Restaurants an der Plaza de Armas sind zwar ziemlich touristisch und für peruanische Verhältnisse unverschämt teuer; doch die hübschen Terrassen im ersten Stock sind wahre Logenplätze. Die ganze Stadt präsentiert sich als Schmelztiegel der Kulturen: Europäische Backpacker verströmen Hippie-Atmosphäre – was womöglich auch am allzu sorglosen Genuss von San Pedro-Kakteen liegt, die wegen ihres Mescalin-Gehaltes selbst den stärksten Bullen in den Drogenrausch befördern. Junge Familien aus dem städtischen Milieu schießen Selfies vor der Kathedrale, während ein paar Meter weiter eine Cocablätter-kauende Bauersfrau mit schwarzen Zöpfen und kunterbunten Klamotten ein paar Habseligkeiten verscherbelt.

Frauen in traditioneller peruanischer Tracht
Frauen in traditioneller Tracht sind ein gewohntes Bild in Cusco.

Selbst der nervtötende Panflöten-Ohrwurm „El Cóndor pasa“, der aus mannshohen Boxen schallt, lässt sich in dieser Atmosphäre aus Vergangenheit und Gegenwart leichter ertragen als in einer bundesdeutschen Fußgängerzone. Doch nach zwei Tagen ist Aufbruch angesagt, zum Heiligen Tal mit den imposanten Inka-Ruinen von Pisac, Chinchero, Ollantaytambo und den farbenprächtigen Märkten. Und nach Machu Picchu, jener magisch geheimnisvollen Stadt, vor der ich seit Kindesbeinen geträumt habe. Es war nur ein verblichenes Bild in einem ungeliebten Schulbuch, und doch der Auslöser für ein brennendes Verlangen: einmal im Leben inmitten der gewaltigen Ruinenstadt stehen und den Felsen Intihuatana erblicken, an dem aus Sicht der Inkas die Sonne angebunden war.

Das Heilige Tal in Peru
Im Heiligen Tal, bequem von Cusco aus zu erreichen, gibt es etliche archäologischen Stätten.

Der Akklimatisierung wegen hätte ich die Orte wohl in umgekehrter Reihenfolge besuchen sollen – schließlich liegt das Wahrzeichen Perus knapp 1000 Meter tiefer als Cusco und ist damit deutlich verträglicher für das Herz-Kreislauf-System. Doch die Gralsburg der Inkas raubt einem auch so den Atem. Das Panorama ist schlichtweg überwältigend: im Vordergrund die kunstvoll angelegten Terrassen mit den imposanten Steinmauern, ringsum die majestätischen Gipfel der Anden, die den Himmel zu küssen scheinen. Wie ein grüner Zuckerhut ragt der 3 140 Meter hohe Gipfel in den strahlend blauen Himmel, 1 000 Meter tiefer rauscht der Rio Urubamba durch sein steiniges Bett. Meist wabern Wolken um die beiden Gipfel, um schiefergraue Wände, Treppen und Türstürze inmitten subtropischer Vegetation. Sie dämpfen die grelle Sonne und tauchen das architektonische Juwel in ein mystisches Licht.

Die Ruinenstadt Machu Picchu
So leer finden die Besucher die Ruinenstadt Machu Picchu höchst selten vor.

Realität oder doch nur ein Trugbild der Sinne? Weitab von den quirligen peruanischen Metropolen, am Übergang des Hochlandes zum undurchdringlichen Regenwald, gehen Traum und Wirklichkeit Hand in Hand. Wo die Apus, die Berggeister herrschen, müssen Zauberer mit übernatürlichen Kräften am Werk gewesen sein. Kunstvoll behauene Steine, viele davon zigtonnen schwer, haben sie ohne Mörtel zu Toren, Palästen und Festungen aufgetürmt, grad so, als hätten sie mit Bauklötzchen gespielt. Endlose Treppenstiegen führen in den Himmel. Akkurat angelegte Terrassen ziehen sich an den steilen Flanken des Berges entlang. Trapezförmige Fenster voller Ebenmaß geben den Blick auf saftig grünen Nebelwald und schneebedeckte Sechstausender frei. Unaufhörlich erzählt der Wind vom Schicksal der Sonnenjungfrauen, und im Templo de la Luna, der nur über eine schwindelerregende Klettertour nahe am Abgrund zu erreichen ist, vollzieht Inkagöttin Mama Quilla in hellen Vollmondnächten ihr Strahlenwunder. Noch vor wenigen Jahren graste eine Herde von Lamas friedlich inmitten der Ruinen, ein Überbleibsel der Dreharbeiten zu Werner Herzogs Abenteuerfilm „Aguirre, der Zorn Gottes“. Wäre da nicht der vielstimmige Chor aus japanischen, englischen und spanischen Wortfetzen, man könnte sich glatt als Teil jenes Reiches fühlen, das der „Sohn der Sonne“ einst errichtet hat.

Terrassen in Machu Picchu
Die Terrassen, auf denen die Inkas alles Lebensnotwendige anbauten, sind noch gut zu erkennen.

Noch immer rätseln Wissenschaftler, was es mit den 216 steinernen Bauten auf sich hat. Wünschte sich der von 1438 bis 1471 regierende Inka-Herrscher Pachacútec Yupanqui eine Winterresidenz? War der Ort ein Zentrum der Astronomie und Sterndeutung? Bis zu 1000 Menschen dürfte die Stadt in ihren Glanzzeiten Schutz geboten haben. Ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem erlaubte es, in dieser Höhe Mais und Kartoffeln anzubauen. Nach 100 Jahren verschwanden die Inkas ebenso schnell von dem Bergsattel wie sie gekommen waren, Machu Picchu, der alter Gipfel, fiel dem Vergessen anheim. Von keinem Punkt des Tales aus zu sehen, praktisch uneinnehmbar und nur über einen schmalen Pfad zu erreichen, schlummerte die Wolkenfestung im Herzen Perus Jahrhunderte lang vor sich hin.

Mauern in Machu Picchu
Jahrhunderte lang war die Existenz von Machu Picchu ein Geheimnis, bis Hiram Bingham sie entdeckte.

Von ihrer Existenz wussten wahrscheinlich nur Ureinwohner, die ihr Geheimnis über viele Generationen hüteten. Wahrscheinlich war dies die Rettung für das Königsviertel mit dem Torreón, für den Tempel des Kondors, dessen Umrisse an den Herrscher der Lüfte erinnern, und für die Häuser der Handwerker, von deren Kunst das Überleben der abgelegenen Stadt abhing. Hätten nämlich die Spanier die unzugängliche Siedlung am Rande des Amazonasgebietes entdeckt, wäre wohl kein Stein auf dem anderen geblieben. In ihrer unermesslichen Gier nach Gold hätten sie die gewaltigen Mauern als Steinbruch für ihre prächtigen Kolonialbauten genutzt – so wie in Cusco.

Blick auf Machu Picchu
Der „alte Gipfel“ gab der ganzen Inkastadt ihren Namen.

So oblag es einem „Gringo“, dem US-Archäologen Hiram Bingham, die vom Dschungel überwucherten, längst vergessenen Ruinen zu finden. Andere waren vor ihm da – wie der Deutsche Augusto Berns, der Goldschürfrechte am Rio Urubamba besaß und wahrscheinlich einiges mitgehen ließ. Doch erst Bingham, eine Light-Version von Indiana Jones, hatte das nötige Kleingeld, um die Ruinen freizulegen und wissenschaftlich zu untersuchen. Die Mittel dafür brachten die Yale-Universität und die National-Geographic-Gesellschaft auf; zudem war der Forscher und Abenteurer mit einer reichen Erbin von Tiffany verheiratet. Bingham schaffte Inka-Schmuck, Mumien und Keramikarbeiten außer Landes, was zu heftigem Streit zwischen den USA und Peru führte. Als er vor über 100 Jahren die abgelegene peruanische Region aufsuchte, ließ er erst mal eine einzelne Telegrafenleitung entfernen, die wenig fotogen ins Bild ragte – schließlich wollte der Amerikaner seinem Washingtoner Publikum einen weißen Flecken auf der Landkarte präsentieren.

Stadt in den Wolken

Hätte er geahnt, auf welch gewaltiges Echo seine Entdeckung stoßen würde, er hätte das Geheimnis womöglich mit ins Grab genommen. Denn der leidige Spagat zwischen ökologisch Vertretbarem und wirtschaftlich Wünschenswertem macht der Heiligen Stadt mit ihrer unvergleichlichen Lage zu schaffen. Schließlich ist die Stadt in den Wolken Perus Tourismusmagnet Nummer eins, der jede Menge Dollar in die klammen Staatskassen spült. Wobei es viele kritische Stimmen gibt, die bemängeln, dass viel zu viele Einnahmen bei ausländischen Gesellschaften landen. Schon vor Jahren gingen die Nutzungsrechte für den einzigen Zufahrtsweg, die Eisenbahn, an einen amerikanischen Hotelkonzern über, ebenso wie die Sanctuary Lodge, die trotz der horrenden Zimmerpreise auf Jahre ausgebucht ist. Immerhin verhinderte internationaler Protest, dass die einst mächtige Bergfestung in eine Art südamerikanisches Disneyland umgewandelt wird – mit einer Drahtseilbahn für noch mehr Besucher, Rolltreppen und Förderbahnen durch das Heiligtum und einer riesigen Nobelherberge für zahlungskräftige Kundschaft.

Steinmauern in Machu Picchu
Die gewaltigen Steinquader wurden ohne Mörtel aufeinander gesetzt.

Die Folgen des Besucheransturms sind dramatisch: Wo früher nur ein paar Hundert Menschen lebten, trampeln heute Tag für Tag ein paar Tausend Touristen in Wanderstiefeln oder High Heels herum. Sie klettern für Fotos auf die tonnenschweren Quader, lassen Unmengen an Müll zurück, schrecken selbst vor Steinritzungen nicht zurück. In der Hochsaison, wenn sich ein stahlblauer Himmel über die mächtigen Mauern spannt und auf zweieinhalbtausend Metern Höhe T-Shirt- Wetter herrscht, treten sich Japaner, Deutsche, US-Amerikaner hinter ihren Fähnchen schwenkenden Führern gegenseitig auf die Füße. Dann ist kaum mehr ein freier Blick auf die heiligen Steine zu erhaschen; dann findet sich nur noch schwerlich ein stilles Plätzchen, um die mystisch beruhigende Ausstrahlung dieses geheimnisvollen Ortes auf sich wirken zu lassen. Den schlimmsten Auswüchse versucht ein Heer von Wächtern Herr zu werden, die -ausgestattet mit Trillerpfeifen – den Touristenstrom in geordnete Bahnen lenkt. Doch die Erschütterungen durch die Tritte der Menschenhorden können auch sie nicht verhindern. Die Steine sind in Bewegung geraten; einige Mauern sind bereits abgesackt. Vor einigen Jahren fiel bei Werbeaufnahmen für eine Biermarke ein Kamerakran auf die Sonnenuhr, die in der Inka-Stadt das Zentrum religiöser Zeremonien bildete und eine der größten Attraktionen der Ruinenstadt ist. Ein Stück Granit brach ab – der Schaden irreparabel. Wenn es nach Archäologen ginge, müssten sich die Besucher Machu Picchus Wollstrümpfe überziehen – so wie es in vielen europäischen Schlössern üblich ist.

Mauern in Machu Picchu
Seit kurzem dürfen Besucher von Macchu Picchu nur noch mit einem Guide in die Ruinenstadt.

Die Unesco droht damit, die Inka-Festung von der Liste des Weltkulturerbes zu streichen, weil Perus Regierung nur zögerlich gegen wachsende Touristenströme und unkontrollierte Bautätigkeit vorgeht. Gerade mal 9 000 Besucher wurden im gesamten Jahr 1992 gezählt, 2002 waren es schon 150 000. Vergangenes Jahr wurde die Marke 600 000 geknackt. Die UN-Organisation würde die Zahl am liebsten auf 800 Besucher täglich begrenzen, doch Hoteliers und Reiseunternehmer gehen solche Beschränkungen viel zu weit. Immerhin erreichten die vielen warnenden Stimmen, dass die Stadt in den Wolken seit dem 1. Juli 2017 nur noch mit einem Tourguide und nicht mehr auf eigene Faust erkundet werden darf. Wer individuell unterwegs ist, kann zertifizierte Touristenführer in Cusco, Aguas Caliente und auch noch direkt vor dem Eingang zu Machu Picchu anheuern.

Zug nach Machu Picchu
Am bequemsten geht es per Zug nach Machu Picchu. Es gibt unterschiedliche Klassen in den Zügen.

Wer zu den Ruinen will, kommt unweigerlich in Aguas Caliente durch. Noch vor wenigen Jahren war der für seine Thermalquellen geschätzte Ort ein verschlafenes Nest, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagten. Heute präsentiert er sich als touristischer Rummelplatz mit Straßenhändlern, Restaurants und billigen Pensionen. Im Halbstundentakt laufen die Züge im kleinen Bahnhof ein, an Bord Hunderte von Tagesgästen aus Cusco, die für eine Kurzvisite in Machu Picchu viele Stunden Bahnfahrt durch das heilige Tal der Inkas in Kauf nehmen. Alles ist generalstabsmäßig organisiert: Auf dem Indiomarkt bieten fliegende Händler kratzende Strickpullover aus „echter Alpaka-Wolle“ an, auf Wühltischen werden Kugelschreiber, Federmäppchen und Tischuntersetzer mit Andenmotiven verramscht, bevor es per Bus weitergeht. In 13 halsbrecherischen Haarnadelkurven schlängelt sich die schlecht befestigte Piste zu jener Stadt hoch, die gleichsam über dem Abgrund hängt. Wer das Glück hat, in einem der ersten Busse zu sitzen, wird wahrlich Zeuge eines Wunders. Wenn die ersten Sonnenstrahlen die Steinmauern in rosarote Pastelltöne tauchen, strahlt Machu Picchu eine geradezu majestätische Feierlichkeit aus. Man muss nicht religiös sein, um von der Magie dieses Ortes ergriffen zu sein.

Der überlaufene Inkatrail

Selbst die kunstvoll behauenen Quader des Inkatrails gehen vor dem Ansturm der Wanderer in die Knie. Rund vier Tage brauchen Konditionsstarke für den anstrengenden Fußmarsch durch bergigen Dschungel und über schwindelerregende Pässe – vorausgesetzt, sie habe einen der begehrten Permits ergattert. Weil einige Wanderer gänzlich ihre gute Kinderstube vergessen hatten und ihren Müll achtlos in der Landschaft verteilten, wurde deren Zahl schon vor Jahren auf 500 pro Tag begrenzt. Weshalb der Trekk meist auf Monate im Voraus ausgebucht ist. Die Bequemen, die Gestressten reisen gleich im Zug. Es wird gelesen, gedöst, eingekauft – Strickjacken, Pullover, Umhänge. Wer stört sich da noch an dem Preis, wenn sich der Gang in einen Laufsteg verwandelt und der Schaffner höchstselbst als Model fungiert. Vor dem Fenster zieht ein grünes Tal vorbei, endlose Maisfelder, stachelige Kakteen. Schweine suchen im Hinterhof nach Fressbarem, Mütter hängen die paar Wäschestücke ihrer Familie zum Trocknen auf.

Wandbild in Cusco, Peru
Die Inka-Herrscher fühlten sich als die direkten Nachkommen des Sonnengottes – wie auf diesem Wandbild in Cusco dargestellt.

Peru ist arm – so arm, dass die rechtlosen Nachfahren der so stolzen Inkas Meerschweinchen züchten – damit zumindest an hohen Feiertagen ein wenig Fleisch auf den gedeckten Tisch kommt. Für gewöhnlich serviert man den mageren Nager mit Kopf und ausgestreckten Beinen, in der feineren Variante in einer Art Tomatensoße. Die fortpflanzungsfreudigen Kerlchen sind so eng mit dem Leben der Peruaner verbunden, dass sie es in der Kathedrale von Cusco zu künstlerischen Ehren brachten: Beim Gemälde vom Letzten Abendmahl sitzen Jesu und seine Jünger doch glatt vor einem Meerschweinchenbraten.

 

Extratipp
Machu Picchu lässt sich per Eisenbahn oder zu Fuß erreichen, wobei Trekkingtouren auf dem Inka-Trail Monate im Voraus gebucht werden müssen. Wandertouren auf eigene Faust sind nicht mehr erlaubt. Der Salkantay Trek ist eine empfehlenswerte Alternative zum überlaufenen Inka Trail Die Bahn braucht für die 110 Kilometer nach Aguas Calientes knapp vier Stunden. Es gibt zwei verschiedene Züge, die nach Machu Picchu fahren – PeruRail und IncaRail. Das wesentliche Detail bei den zwei Zügen ist, dass ausschließlich PeruRail ab Cusco (Poroy) nach Machu Picchu fährt. IncaRail startet erst ab Ollantaytambo im Heiligen Tal, sprich ab der Hälfte der gesamten Strecke. PeruRail hält aber ebenfalls in Ollantaytambo. In der günstigsten Zugklasse, dem Expedition Train (Backpacker) von PeruRail, kostet die Fahrt zwischen 50 und 80 US-Dollar pro Strecke, im komfortableren „Vistadome“ zwischen 70 und 100 US-Dollar, Wer es ganz edel mag, nimmt den „Hiram Bingham“ für rund 400 US-Dollar. Tickets für Machu Picchu sind online zu buchen.

Falls ihr eine individuelle Reise nach Peru plant und zuverlässige Tipps braucht, empfehle ich euch den Blog von Nora. Die Frau, die drei Jahre in Cusco lebte, hat echt Ahnung und viele Tipps zum Thema Busfahren, Übernachten und zu Touranbietern zusammengetragen. Für die praktische Planung gibt es ein 385 Seiten starkes E-Book.

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