Bruder auf Achse

Fotoparade 2018: Vom Reiz des Reisens

Bildcollage von Bruder auf Achse für die Fotoparade 2018 vom reiseblog entdecke die Welt

Der Mann ist mir sympathisch, weil er nicht nur ein Reisefanatiker ist, sondern wie ich aus Deutschlands schönster Ecke stammt: aus Baden. Michaels Fotoparade auf Erkunde die Welt zählt in fotobegeisterten Blogger-Kreisen ja schon zum halbjährlichen Ritual. Für mich ist die Teilnahme eine Premiere, und angesichts der vielen, ziemlich professionellen Fotos, die bisher eingereicht wurden, überkamen mich doch einige Zweifel. Schließlich zähle ich eher zu den „Knipsern“, verfüge weder über großartige Kameraausrüstung, noch über allzu viel Fachwissen. Letztendlich habe ich mich des alten olympischen Mottos „Dabei sein ist alles“ besonnen. Dass ich ziemlich spät dran bin – immerhin umfasst die Liste der Teilnehmer schon mehr als 100 Blogs -, hängt damit zusammen, dass ich gerade eben vom Baikalsee zurückgekommen bin. Und einige Impressionen vom ältesten See der Welt wollte ich dann doch für die Fotoparade beisteuern.

Die Kategorien

  • Nahaufnahme
  • Nachts
  • Nass
  • Kontrast
  • Farbtupfer
  • Schönstes Foto

So lauten die Kategorien, die Michael vorgegeben hat und die nach eigenem Gutdünken ergänzt werden dürfen. Sechs Bilder müssen es allerdings sein. Kein Problem dachte ich zunächst, angesichts etlicher Reisen im ersten Halbjahr 2018. Unterwegs auf dem Amazonas, Skifahren in der Schweiz, Safari in Tansania, die regelmäßigen Abstecher nach Schweden und ein halbes Dutzend Wochenendtrips – da müsste sich doch genügend „Wettbewerbsmaterial“ finden lassen. Schon eher war die Fülle das Problem, die Entscheidung, welches Foto nun wirklich am besten zur jeweiligen Kategorie passt. Und weil sich mein Herz dagegen wehrte, ein Lieblingsfoto zu küren, sind es eben vier geworden. Hier meine Favoriten zum ersten Halbjahr, von denen jeder einzelne mit wunderbaren Erlebnissen und Erfahrungen verbunden ist.

Nahaufnahme: auf die Pelle gerückt

Möglicherweise war dies die Kategorie, bei der mir die Auswahl am leichtesten fiel. Nicht etwa, weil ich kaum Nahaufnahmen im Fundus habe, sondern weil diese Blüte im kolumbianischen Regenwald mir unvergesslich bleiben wird. Diese fragile Schönheit in zartestem Rosa hätte ich im undurchdringlichen Urwald-Dickicht wahrscheinlich nicht entdeckt , wenn uns unser Guide vom Stamm der Huitoto-Indianer nicht explizit auf das Gebilde hingewiesen hätte: Es verströmte einen so infernalischen Duft, dass ich ihn noch heute zu riechen glaube: Eine Mischung aus vergorenem Obst und Aas. Schein und Sein sind eben zwei paar Stiefel – auch in der Pflanzenwelt.

Blüte im Amazonasgebiet

Nachts: wenn der Tag zu Ende geht

Die Oper von Manaus ist zu jeder Tageszeit ein Hingucker, aber nachts entfaltet sie einen besonderen Zauber. Der Kontrast zu den umliegenden Stadtvierteln, wo nachts buchstäblich die Bürgersteige hochgeklappt werden, ist groß. Hier die kleinen, verrammelten Geschäfte, dort das prächtige Opernhaus, Relikt einer Epoche, in der die Amazonas-Metropole zu den reichsten Städten der Welt zählte. Ein wenig dekadent ist der Bau in Rosa schon, vor allem angesichts der Obdachlosen, die auf dem Platz davor die Nacht verbringen. Doch er ist und bleibt die größte Sehenswürdigkeit der Stadt.

die Oper von Manaus

Nass: alles fließt

Amazonas oder doch lieber Baikalsee? Da fiel mir die Entscheidung ziemlich schwer. Hier der längste Strom der Welt, den ich von Bélem bis Iquitos befahren habe; dort der tiefste, älteste und wasserreichste See der Erde, von dem ich nur einen winzigen Abschnitt gesehen habe. Letztendlich habe ich mich für das Herz Sibiriens entschieden. Wenn Myriaden von silbernen Lichtpunkten auf der spiegelglatten Oberfläche tanzen, wenn das glasklare Wasser mal tiefschwarz, mal karibisch grün funkelt, können die lehmbraunen Fluten des Amazonas einfach nicht mithalten. Was ich am Baikal erlebt habe, wird es übrigens in Kürze hier zu lesen geben.

am nördlichsten Punkt der russischen Insel Olchon im Baikalsee

Kontrast: Christfest mitten im Sommer

Wo bitte ist hier der Kontrast? Ich habe mich bewusst gegen schwarz-weiß-Aufnahmen und fotografische Scherenschnitte von Baobab-Bäumen in Tansanias Steppe entschieden. Stattdessen habe ich diesem ziemlich farbenprächtige Bild aus Manaus den Vorzug gegeben. Der Kontrast wird durch die Aussage des Bildes begründet, mit einem Element, das wir mit kalter Jahreszeit, Eis und Schnee verbinden: dem geschmückten Tannenbaum. Wenn das Weihnachtsfest naht, wollen auch Brasilianer nicht auf jubilierende Engel, glitzernde Sterne und stilisierte Christbaumkugeln verzichten – auch wenn auf dem Platz vor der Kathedrale locker die 30-Grad-Marke geknackt wird. Wir – in kurzen Hosen, knappen T-Shirts und viel Schweiß auf der Stirn – schmunzelten jedenfalls heftig über diesen XXL-Christbaum .

Christbaum vor der Kathedrale in Manaus, BRasilien

Farbtupfer: Alles so schön bunt hier

Ein Motiv, das mir in Tansanias drittgrößter Stadt Arusha vor die Kamera kam. Auf dem örtlichen Massaimarkt verkaufen Frauen Kunsthandwerk – Armbänder, Schachteln, Schüsseln und Telleruntersetzer, alles gefertigt aus Perlenschnüren. Ich wage nicht einmal zu schätzen, wie viel Abertausend Perlen die Frauen auffädeln müssen, bevor sie eines der Mitbringsel binden können. Und dann warten sie stundenlang auf Käufer, deren größtes Vergnügen es ist, möglichst wenig Geld für das Souvenir auszugeben. Versteht mich richtig: Ich habe nichts gegen Handeln, sondern weiß sehr wohl, dass dies in vielen Ländern der Welt zum Geschäft gehört. Doch aus Menschen aus armen Ländern den letzten Cent herauszupressen, ist nicht mein Ding.

Massaimarkt in Arusha, Tansania

Schön, schöner, am schönsten

Keine Kategorie ist mir so schwer gefallen wie diese. Ein Profi wird ein Bild nach der Qualität bewerten, nach Schärfe, richtiger Belichtung, Platzierung des Motives. Doch mir erzählen die Fotografien Geschichten, von Städten, Regionen, Ländern, vor allem aber von den Menschen. Den Amazonas mit Goslar zu vergleichen, eine der vielen unterschätzten Städte Deutschlands, ist wahrscheinlich nicht nur für mich ein Unding. Vom Ngorongoro-Krater habe ich bereits als Kind geträumt, als ich in einem dunklen Kino Grzimeks „Serengeti darf nicht sterben“ sah. Und die unendliche Weite Sibiriens wollte ich erleben, bevor Umweltzerstörung und Umweltverschmutzung überhand nehmen. Weil es aus erwähnten Gründen für mich kein schönstes Bild geben kann, nicht einmal ein Lieblingsmotiv, gibt es hier gleich vier – die das Glückskleeblatt meines Reisehalbjahres formen: Ngorongoro, Schiffe am Amazonas, Fachwerk in Goslar und der Schamanenfelsen auf der Insel Olchon im Baikal.

Blick in den Ngorongoro-Krater in Tansania

Schiffe im Hafen von Bélem

Martktplatz in Goslar im Harz

Schamenenfelsen auf der russischen Insel Olchon im Baikalsee

…und das sind meine Mitbewerber

Das ist meine Fotoauswahl zum ersten Halbjahr 2018. Zugegebenermaßen ist es eine sehr subjektive Auswahl geworden, aber ich habe mich auch ein wenig von den ersten Gedankengängen zu den Kategorien und von meinem Bauchgefühl leiten lassen. Gut 100 Blogger haben sich an Michaels Fotoparade bislang beteiligt, darunter etliche, die Fotografieren ziemlich professionell betreiben. Wenn ich hier einige aufliste, sagt dies nichts über die Qualität der anderen aus. Es hat eher etwas mit meinem Interesse an den jeweiligen Ländern zu tun.

Andreas von Reisewut hat mich beispielsweise mit seinem eisig-blauen Traum von Island verzückt.

Ilona von wandernd war in einer der schönsten Ecken Europas, im Gold von Neapel unterwegs und hat phänomenale Bilder mitgebracht.

Kathi von Kulturtänzer schafft es mit ihren Fotografien, selbst bei mir (Reise-)lust auf Asien auszulösen.

Daniel von takeahire versöhnt mich mit dem Trump`schen Imperium,

Mit Daniela von Genuss-Touren teile ich die Leidenschaft für den schwarzen Kontinent.

Thomas von Reisen-Fotografie liebe ich allein schon deshalb, weil er sich nicht zu schade ist, als cooles Föhn-Model zu posieren – vom grandiosen Foto eines Weißkopfseeadlers ganz zu schweigen.

Mein persönlicher Favorit aber ist Christina von Trip tot he planet: Ihre Bilder von Schottland sind Erklärung genug, warum Schottland mein absolutes Lieblingsland in Europa ist.

 

 

 

 

 

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