Transatlantik: Aufbruch zu neuen Ufern

Mythos Transatlantik: Auf der Route der Auswanderer sind heute Kreuzfahrtschiffe unterwegs.

Mythos Transatlantik: 4200 Seemeilen liegen zwischen Hamburg und Bayonne unweit von New York, zwischen dem alten und dem neuen Kontinent. Mit dem Flugzeug würde der Trip von der Elbe an den Hudson nicht viel länger als eine Handvoll Stunden dauern, mit der „Mein Schiff 6“ werden wir alles in allem zwei Wochen unterwegs sein – wegen der Abstecher nach Belgien, Frankreich und zu den kanadischen Atlantikprovinzen.

Relikt einer vergangenen Zeit

In der Ära des Flugzeuges erscheint eine Transatlantiküberquerung wie das Relikt einer vergangenen Zeit, doch ihr Mythos ist geblieben. Es ist die Legende vom Aufbruch zu neuen Ufern, auch wenn uns heute nicht Not, sondern Neugierde treibt, der Wunsch, den eigenen Horizont zu erweitern. Zeit spielt keine Rolle, wenn der Weg das Ziel ist, wenn das Schiff den Spuren Millionen Auswanderer folgt und die endlose Weite des Nordatlantiks die Szenerie bestimmt. Es ist immer etwas Besonderes, mit einem Schiff in ein fremdes Land zu kommen: wenn sich die Skyline einer Stadt wie ein blasser Scherenschnitt am Horizont abzeichnet, wenn die Konturen schärfer werden, wenn mehr und mehr Seevögel die Luft mit ihren Geschrei erfüllen, fühlt man sich ein wenig wie jene legendären Entdecker, die nach vielen Wochen zur See endlich Land entdeckten.

Seekarte der "Mein Schiff 6" von TUI Cruises

Also auf zu neuen Ufern – vorbei am Fasnet Rock, dem Felsen mit dem höchsten Leuchtturm Irlands, der den maritimen Startpunkt für die Transatlantiküberquerung gen Westen markiert, vorbei an jener Stelle 300 Seemeilen östlich von Neufundland, wo die „Titanic“ im April 1912 mit einem Eisberg kollidierte. Jetzt im August sind die Chancen, einen der weißen Giganten zu sichten, eher gering, auch wenn niemand vor einer tobenden See gefeit ist.

Charles Dickens als Tourist

Während der Ozeanriese von TUI Cruises Richtung Nordsee schippert, fällt mir die Beschreibung von Charles Dickens ein, der im Januar 1842 ebenfalls von Liverpool nach Halifax fuhr, mit einem der ersten Dampfschiffe im Transatlantikverkehr: „Da bebt und hebt sich pochend das Schiff wie ein mächtiger Riese, der just den Lebensodem bekommen hat; die zwei großen Räder drehen sich zum ersten Mal mit Blitzesschnelle, und die edle `Britannia´, Wind und Flut hinter sich, bricht stolz durch die aufgepeitschten, schäumenden Wogen hindurch“, schrieb der Schriftsteller, mit dem wir Transatlantikfahrer eines gemein haben: die Lust am Reisen.

Die "Mein Schiff 6" kann mit einem 25-Meter-Pool aufwarten.
Die „Mein Schiff 6“ kann mit einem 25-Meter-Pool aufwarten.

In Halifax, der Metropole der kanadischen Provinz Nova Scotia, wird auch unsere Reise zu Ende sein, nicht wie für die anderen Passagiere in Bayonne. Natürlich hätten wir diesen Gänsehaut-Moment gerne erlebt  – den Blick auf die Freiheitsstatue, auf Ellis Island, auf die im Sonnenlicht glitzernden Spitzen der Art déco-Hochhäuser. Doch das sollte nicht sein, wovon noch zu erzählen sein wird. Zunächst aber steht ein Seetag an, bevor das Schiff nach 420 Seemeilen in Zeebrügge anlegt.

Die „Mein Schiff 6“ in Zeebrügge

7 Uhr in Zeebrügge, dem zweitgrößten Seehafen Belgiens: kein idyllisches Plätzchen, eher ein geschäftiger Platz, der die Bedeutung des internationalen Welthandels unterstreicht. Ein paar Quais weiter warten ein paar Hundert nigelnagelneue Autos auf ihre Verschiffung nach China, auf den riesigen Freiflächen lagern Container mit unbekanntem Inhalt. Dazwischen spucken drei Kreuzfahrtriesen ihre Passagiere aus. Neben der „Mein Schiff 6“ sind es heute die „AidaPrima“ und die „Queen Elisabeth“ – alles in allem rund 6000 Passagiere, die sich in den nächsten Stunden durch die schmalen Gassen Brügges schieben werden, das 120 000 Einwohner hat. Dafür kommen pro Jahr aber rund fünf Millionen Touristen. Dem Status als Weltkulturerbe sei dank.

Weder Bausünden noch Graffiti

Wir haben lange mit uns gerungen, ob wir dem Ruf der Lemminge folgen wollen. Alternativen zu der flandrischen Stadt, wo weder hässliche Bausünden, noch schreiend bunte Graffiti das makellose Bild aus schmalen Gassen, weiß getünchten Häusern und himmelwärts strebenden Türmen stören, gäbe es schließlich genug. Wir könnten uns ins Einkaufsvergnügen in Blankenberge stürzen, auf dem 350 Meter langen, 1933 erbauten Pier das Gefühl auskosten, über Wasser laufen zu können, oder im Dünengebiet Fonteintjes die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Mindestens ebenso verlockend wäre die Fahrt mit der Kusttram, einem schaukelnden Traum, der sich auf 70 Kilometer Länge durch Dünentäler, Betonburgen und Wälder kämpft. Doch die längste Straßenbahn der Welt an der kürzesten Küste Europas, die in knapp zweieinhalb Stunden die Strecke von Knokke gleich hinter der niederländischen Grenze bis nach De Panne im Südwesten bewältigt, muss bis zum nächsten Aufenthalt warten. Die 68 Haltestellen entlang der Schmalspurbahn laufen ja nicht davon.

Die Heilig-Blut-Basilika in Brügge ist das älteste Gebäude am Burg.
Die Heilig-Blut-Basilika in Brügge ist das älteste Gebäude am Burg.
Die wunderbare Altstadt von Brügge
Zählt zum Weltkulturerbe: die wunderbare Altstadt von Brügge.

Brügges Altstadt, nie von Kriegen zerstört, allenfalls mal von Bränden heimgesucht, ist auch gar zu verlockend. Wären da nicht die motorisierten Droschken und die Heerscharen von Radfahrern, die sich hupend und fluchend durch das Gassengewirr rund um den Grote Markt kämpfen, der Besucher könnte glatt glauben, die Zeit sei im Mittelalter stehen geblieben. Pferdekutschen rumpeln über ausgetretene Kopfsteinpflaster; Boote mit Touristenladungen tuckern durch die Kanäle, die der Stadt den Beinamen Venedig des Norden einbrachten; und in den Beginenhöfen herrscht noch immer himmlische Ruhe – nur dass heute keine verwitweten Adelsdamen in den strahlend weißen Häusern leben. Alleinstehend und weiblich müssen die Bewohnerinnen dieser stillen Oase inmitten eine trubeligen Stadt jedoch noch immer sein.

Die Beginenhöfe in Brügge
Die Beginenhöfe zählen zu den ruhigsten Ecken in Brügge.

Brügge – eine Art Freilichtmuseum, in der Einheimischen die Statistenrolle zufällt? Nick, der junge Touristenführer von legendtours schüttelt energisch den Kopf. „Abends, wenn die Besuchermassen verschwunden sind, haben wir die Stadt für uns. Dann füllen sich die Restaurants, wo der bäuerliche Vlaamse Hutsepot, eine Art Eintopf, serviert wird. Dann ergötzen sich die bierverrückten Belgier an ihren schauerlichen Kreationen. Einst gab es ein halbes Hundert Brauereien in der flämischen Stadt, die durch Tuchhandel reich geworden war. Heute sind gerade noch zwei übrig- wobei das bittersüße Bourgogne de Flandres ganz oben in der Hitliste steht.

Das Sankt Jansspital in Brügge wurde noch 1978 als Krankenhaus genutzt.
Das Sankt Jansspital wurde noch 1978 als Krankenhaus genutzt.
Die flandrische Stadt Brügge ist reich an prächtigen Häusern.
Die flandrische Stadt Brügge ist reich an prächtigen Häusern.

Wer das Konglomerat aus Backsteinbauten, Kirchen und ringförmig um den Altstadtkern angelegten Kanälen sehen möchte, dem bleibt nichts anderes übrig, den 83 Meter hohen Belfried zu besteigen. Exakt 366 Stufen führen auf den Glockenturm aus dem 13. Jahrhundert, sichtbares Zeichen für ein ziemlich selbstbewusstes Bürgertum, das Kaiser und Könige das Fürchten lehrte.

Brügge, ja ganz Belgien ist bekannt für seine Waffeln.
Kalorienreiche Versuchung: Brügge, ja ganz Belgien ist bekannt für seine Waffeln.

Ich entscheide mich gegen den schweißtreibenden Aufstieg, gegen klaustrophobische Enge und Drehwurm-Attacken. Stattdessen stürze ich mich auf eine duftende Welt aus Schokolade und Waffeln. Angesichts all der verführerischen Geschäfte, der handgefertigten Pralinen, der zarten Schokoladentäfelchen, der opulenten belgischen Waffeln, mal natur, mal verfeinert mit Eis, Früchten und Schokoladensoße werfe ich sämtliche guten Vorsätze der Enthaltsamkeit über Bord. Das schlechte Gewissen lässt sich ja mit einem brugse zot hinunterspülen.

Mein Tipp für den Besuch in Brügge: Preiswert, aber zeitaufwendig ist die Fahrt mit der Tram nach Blankenberge und weiter mit dem Zug. Sehr viel schneller geht es mit den Bussen von „Cruise Express“, die vom Hafen direkt nach Brügge fahren. Eine Vorausbuchung ist dringend zu empfehlen. Zudem gibt es die Möglichkeit, ein Taxi zu nehmen. Bei 50 Euro pro Strecke und acht Passagieren ist das sogar eine ausgesprochen günstige Alternative.

 

In Brügge gibt es viele Schokoladengeschäfte.
Noch was Süßes zum Schluss: Unzählige Geschäfte verkaufen Schokolade.

Zwischenstopp Le Havre

Anker geworfen, Leinen fest. Willkommen in Le Havre. „Die Stadt ist potthässlich..“ Das Urteil des Mitreisenden ist ebenso kompromiss- wie erbarmungslos, und auch der erste Blick aus der Kabine auf das „Tor zur Normandie“ lässt nichts Herzerwärmendes erahnen. Grau der Himmel, grau die Hafenbecken, grau die Wände der Häuser. Dabei steht die Innenstadt der 173 000 Einwohner zählenden nordwestfranzösischen Stadt auf der Liste des Weltkulturerbes, wegen ihres einheitlichen, zukunftsweisenden Stadtbildes, wie es in der Begründung hieß.

Betonarchitektur prägt die Innenstadt von Le Havre - hier das Rathaus.
Betonarchitektur prägt die Innenstadt von Le Havre – hier das Rathaus.

Doch kann ein solcher Titel Bewohner und Besucher aussöhnen, mit einer Stadt, die keine romantischen Altstadtgassen, stattdessen nur kühle Betonarchitektur bietet? Die futuristische Architektur teilt Freund und Feind in zwei Lager. Sie lockt Experten aus aller Welt in die 500 Jahre alte Stadt an der Seinemündung und verstört Normalsterbliche, die sich beim Anblick der nüchternen 50er-Jahre-Betonbauten fatal an sozialistische Einheitsarchitektur erinnert fühlen.

Nach dem Krieg ein Trümmerfeld

Zur Entschuldigung muss gesagt werden, dass Frankreichs einst wichtigster Kaffeehafen ein Opfer seiner Geschichte ist. Der zweite Weltkrieg hatte dem alten Le Havre beinahe den Todesstoß versetzt; die Innenstadt mit ihren breiten Boulevards der Belle Époque und den feudalen Palästen der Reeder war im Bombenhagel des Septembers 1944 vom Erdboden verschwunden. Fast 6000 Bürger waren tot, Zigtausende obdachlos, über 10000 Wohngebäude zerstört. Der Wiederaufbau musste schnell gehen, weshalb Paris Auguste Perret, Architekt, Bauunternehmer und Stadtplaner, beauftragte. Dem Visionär, der sich als Meister des Eisenbetonbaus einen Namen machte, schwebte eine Musterstadt der Moderne für 60 000 ausgebombte Menschen vor, mit bezahlbaren, funktionalen Wohnungen für eine klassenlose Gesellschaft.

Oscar Niemeyer schuf das Kulturzentrum von Le Havre, das an einen Vulkankegel erinnert.
Oscar Niemeyer schuf das Kulturzentrum von Le Havre, das an einen Vulkankegel erinnert.

Was verdächtig nach sozialem Wohnungsbau klingt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Gesamtkunstwerk mit durchaus überraschenden Einsichten. Denn Perrets bis zu siebenstöckige Wohnblocks, die Boulevards breit wie Autobahnen säumen, kommen keineswegs in Einheitsgrau daher. Sie schimmern im Sonnenlicht mal beige, mal rosa, wirken dank bodentiefer Fenster, gusseiserner Balkone und einer klaren, einfachen Ornamentik keineswegs trist.

Neu, andersartig und verschreckend

Was Perret schuf, war neu, andersartig und muss ziemlich verschreckend auf Alteingesessene gewirkt haben. Weil so kurz nach dem Krieg Mangel an Baustoffen herrschte, es aber Schuttberge im Überfluss gab, setzte er auf Recycling. Das Material wurde nach Farben sortiert, zermahlen, mit feinen Glassplittern oder Kieselsteinen zersetzt und mitunter eingefärbt. Dadurch schuf er völlig neue Oberflächen. Mal sind die Betonflächen glatt wie ein Kinderpopo, mal körnig grob wie ein Waschbrett. Stets aber schaffen Elemente aus der Antike oder dem französischen Klassizismus das Bindeglied zur Vergangenheit.

Die Kirche St. Joseph in Le Havre ist Landmarke und Leuchtturm in einem.
Wahrzeichen des Wiederaufbaus: die Kirche St. Joseph.

Zwei Gebäude ragen aus dem Meer der Wohnblocks rund um die Avenue Foch und die Rue de Paris heraus: die Kirche St. Joseph und das von dem Avantgarde-Architekten Oscar Niemeyer erbaute Kulturzentrum mit seinen weißen, geschwungenen Formen. Mal als Vulkan bezeichnet, mal als umgedrehter Joghurtbecher verspottet dauerte es seine Zeit, bis die Havrais mit dem Werk des Brasilia-Erbauers warm wurden. Bei der Kirche, deren 108 Meter hoher achteckiger Turm Leuchtturm und Landmarke zugleich ist, ging dies deutlich schneller.

Himmlisches Licht im Innern

Von außen wirkt die puristische Fassade des Gotteshauses, für das 700 Tonnen Stahl und 50 000 Tonnen Beton verwendet wurden, monumental und wuchtig. Die 12 768 Glasfenster in unterschiedlichen Farben sind kaum als solche zu erkennen, wirken eher wie ein geometrisches Muster. Im Innern aber tauchen sie den Kirchenraum in ein himmlisches Licht, lassen das Grau des Betons wie dunklen Marmor erscheinen. „Mein Beton ist schöner als Stein, Einheitlichkeit ist der Unordnung vorzuziehen“, lautete das Credo von Auguste Perret, der die Vollendung seines Meisterstückes nicht mehr erlebte. Er starb 1954.

Honfleur ist ein bezaubernder Fischerort, nur wenige Kilometer von Le Havre entfernt.
Honfleur ist ein bezaubernder Fischerort, nur wenige Kilometer von Le Havre entfernt.

Auf der Suche nach den Motiven der Impressionisten werde ich dann doch noch fündig. Am Strand von Le Havre mit seinen hübschen Badehütten zaubern Himmel, Wasser und Land jene besondere Stimmung herbei, die Claude Monet inspirierte. Hier soll der 32-jährige Maler im Herbst 1872 seine Staffelei aufgebaut und den Sonnenaufgang im Dunst der Morgenstunde auf Leinwand gebannt haben. „Impression – soleil levant“ nannte er sein Kunstwerk und wurde damit zum Wegbereiter des Impressionismus. In der Feme Saint Simeon im nahen Fischerort Honfleur, in dessen Mauern es sich heute luxuriös logieren lässt, traf er sich mit seinen Malerkollegen, um flüchtige Eindrücke mit schnellem Strich und sanften Farben festzuhalten.

Honfleur ist ein kleiner Fischerort unweit von Le Havre.
Impressionisten wählten Honfleur als Standort für Ihre Leidenschaft.

Motive fanden sich in dem im 11. Jahrhundert gegründeten Hafenort zuhauf: die breite Seinemündung, die Quais und die Hafenbecken, der Leuchtturm, die schmalen Gassen der Altstadt, die Kirche Sainte Catherine, die Honfleurs Bewohner mangels anderer Ressourcen im 15. Jahrhundert komplett aus Holz erbauten. „Honfleur“, schwärmte der französische Schriftsteller Victor Hugo, „ist ein bezaubernder Hafen mit zahlreichen Segelschiffen darin, umrahmt von kleinen grünen Hügeln und schmalen Häusern.“

Der alte Hafen ist die größte Sehenswürdigkeit im französischen Honfleur.
Schmucke Boote dümpeln im alten Hafen von Honfleur.

So mondän wie die berühmten Nachbarorte Trouville oder Deauville an der Côte Fleurie war Honfleur nie. Doch hübschere Hafenkulissen dürfte es selbst in Frankreich nicht viele geben. Die oft nur zwei bis drei Meter breiten, dafür vier oder fünf Stockwerke hohen Fachwerkhäuser schmiegen sich am alten Hafenbecken aneinander; im Becken dümpeln fotogen knallig-bunte Kähne. Im Sommer, wenn die Pariser aus ihrer überhitzten Hauptstadt fliehen, schieben sich Hunderte, ja Tausende durch die handtuchbreiten Gassen, wo zwei Spaziergänger kaum aneinander vorbei kommen. In den Freiluftrestaurants, die sich wie Perlen an der Schnur aufreihen, werden fangfrische Austern vertilgt, Crêpes und deren herzhafte Abwandlung.

Rummel am Vieux Bassin

Mir ist der Rummel rund um das Vieux Bassin zu viel, und so spazieren wir die Rue du Puis hinauf – jene Straße, wo die Nachfolger der Impressionisten ihre Kunst feilbieten: naive Malerei, abstrakte Kunst, ungewöhnliche Bildhauerarbeiten. Je weiter es aufwärts geht, desto romantischer wird die Szenerie. Stockrosen blühen vor weißen Villen, verblühte Hortensien in verwaschenem Blau und Rot räkeln sich vor grauen Mauern. Auf dem First eines verwunschenen Fachwerkhauses, das schon lange im Sterben liegt, wachsen Schwertlinien und Farne.

Die Chapelle Notre-Dame-de Grâce liegt oberhalb des französischen Fischerortes Honfleur
Die Chapelle Notre-Dame-de Grâce liegt oberhalb von Honfleur.

An der Chapelle Notre-Dame de Grâce, wo Motivtafeln die Dankbarkeit der Bevölkerung gegenüber der Gottesmutter bezeugen, werfe ich noch einen Blick auf das hübsche Fischerdorf, und stelle mir vor, wie sich hier Ende des 19. Jahrhunderts die Jungstars des Impressionismus trafen, um das helle, flirrende Licht mit nichtakademischen Pinselstrichen einzufangen. Noch ein letzter Blick auf die Seine, die breit und träge wie ein See zu meinen Füßen liegt, auf die gewaltige Pont de Normandie, die lange die längste Schrägseilbrücke der Welt war, dann heißt es Abschied nehmen von Honfleur, Frankreich, ja dem alten Kontinent. Stunden später wird die „Mein Schiff 6“ aus dem Hafen von Le Havre auslaufen, wie Tausende Schiffe vor ihr. Vier Tage lang wird der Atlantik unser Zuhause sein, der 49. Breitengrad den Kurs vorgeben, bevor hoffentlich Kanadas Küste am Horizont auftauchen wird.

Macarons sind eine französische Spezialität
Kunterbunte Macarons gibt es nahe der Markthalle von Le Havre.

Mein Highlight des Tages? Nach Waffeln und Schokolade in Brügge müssen es heute kunterbunte Macarons sein. Die besten gibt es in den Geschäften bei der Markthalle. 5,50 Euro für fünf Stück sind ein stolzer Preis, doch die Leckerei ist jeden Cent wert.

Der Mythos Transatlantik mit der „Mein Schiff 6“ geht weiter. Wenn ihr erfahren wollt, was die Route der Auswanderer führ uns bereithält, schaut einfach hier vorbei. Im zweiten Teil der Transatlantik-Geschichte erzähle ich vom Leben an Bord und wie es ist, wieder festen Boden unter die Füße zu bekommen – in St. Johns in Neufundland.

Wie steht es mit euch? Lust auf eine Transatlantikfahrt oder eher Furcht vor tobender See? Schreibt mir davon. Und wenn dir dieser Beitrag gefallen hat, dann teile ihn doch auf Pinterest. 

 

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